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Fortsetzung Modernes Bewegungsverhalten: Risiken, Nebenwirkungen, Veränderungspotenziale

Werden Big Macs vererbt?

Ein weiterer Effekt ist, dass gesundheitsschädliche Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten Veränderungen der genetischen Information über epigenetische Prozesse bewirken. Diese können sogar von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, und zwar bereits im Mutterleib. So haben Studien in Tiermodellen große Einflüsse der mütterlichen Ernährung auf die metabolische Gesundheit der Nachkommen gezeigt. Aber auch bei den Betroffenen selbst werden dadurch epigenetisch längerfristige Veränderungen des Stoffwechsels bewirkt.

Alltagsbewegung statt Sport

All diese Fakten, Zahlen und Studiendaten zeichnen ein trauriges Bild. Werden die Menschen immer dicker, kränker und fauler? Was kann getan werden, um diesen Trend aufzuhalten? Die European Federation of Sports Medicine Associations (EFSMA) gab für das Jahr 2002 heraus, dass sich 40 Prozent der Deutschen nur ungenügend bewegen. Vermutlich liegt die Zahl derer, die das empfohlene Mindestvolumen von 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche verfehlen, aber noch höher. Hinzu kommt das lange tägliche Sitzen, das weitere Probleme mit sich bringt. Die Menschen müssen also ihre alten Gewohnheiten über Bord werfen, sich gesünder – oder zumindest ausgewogener – ernähren und mehr bewegen.

So weit, so gut. Doch es ist auch bekannt, dass das Wissen um gesundes Verhalten allein selten zu einer Verhaltensänderung führt. Daher ist der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schlicht von der Universität Stuttgart der Meinung, dass der Schlüssel in der Alltagsaktivität liegt: »Man darf die Latte nicht zu hoch legen und von Menschen, die sich nie bewegt haben, fordern, dass sie nun Sport treiben sollen. Das werden sie nicht tun.« Kohortenstudien mit großen Stichproben haben gezeigt, dass 15 Minuten in den Alltag integrierte moderate Aktivität das kardiale Mortalitätsrisiko bereits um 14 Prozent senken. »Daher ist mir die Forderung nach mehr Alltagsbewegung viel wichtiger, denn sie ist niederschwelliger. 15 Minuten im Alltag pro Tag – das kann man den Menschen vermitteln«, sagt Prof. Schlicht. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)

Prof. Dr. Wolfgang Schlicht, Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitswissenschaften an der Universität Stuttgart
Prof. Dr. Wolfgang Schlicht, Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitswissenschaften, Universität Stuttgart © Schlicht