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Sporternährung

Editorial der Ausgabe 07-09/2020 der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin und Prävention (DZSM) von Univ-Prof. em. Dr. med. Klaus-Michael Braumann. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Bedeutung von Kohlehydraten, Proteinen, Mikronährstoffen, Nahrungsergänzungsmittel sowie den Faktor "Placebo" auf die sportliche Leistung.

Sporternährung
© Kara / AdobeStock

Die aus medizinischer Sicht uneingeschränkt zu begrüßende, zunehmende Zahl von Menschen, die aus verschiedenen Gründen regelmäßig sportlich aktiv sind und auch in großer Zahl an organisierten Wettkämpfen teilnehmen, hat unter anderem auch dazu geführt, dass sich immer mehr Sporttreibende für Fragen einer besonderen Ernährung beim Sporttreiben interessieren. Heute ist die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung für das Erreichen sportlicher Leistungen unumstritten. Allerdings bestanden und bestehen in diesem Zusammenhang vielfältige unterschiedliche Auffassungen über die „richtige“ Ernährung, die am ehesten die Bedarfe sporttreibender Menschen abdecken.

Kohlenhydrate & Proteine

Wurde in der Vergangenheit Sporternährung viele Jahre überwiegend unter dem Aspekt einer ausreichenden Eiweißzufuhr betrachtet und galt das Steak vor einem Wettkampf als der leistungssteigernde Nahrungsbestandteil schlechthin, rückten mit den Ergebnissen der Untersuchungen der skandinavischen Arbeitsgruppen um Bengt Saltin über die Bedeutung der muskulären Glykogenspeicher für die muskuläre Leistungsentwicklung in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Kohlenhydrate in das Zentrum des wissenschaftlichen Interesses. Kohlenhydrate wurden in den Ausdauersportarten in allen Varianten manchmal geradezu exzessiv konsumiert. Diese Entwicklung wurde sicher begünstigt durch ein zunehmendes generelles Interesse an Fragen der Sporternährung. Durch die Popularitätszunahme der großen breitensportlichen Ausdauerevents wie Stadtmarathons, Radsport- oder Triathlonwettbewerbe begannen immer mehr Menschen, sich intensiv mit Fragen der Leistungsoptimierung durch eine gezielte Ernährung auseinander zu setzen.

Inzwischen wird die Bedeutung der Kohlenhydrate für Ausdauersportlerinnen und -sportler im Leistungssport hier und da bedauerlicherweise etwas zurückhaltender betrachtet. Durch die zunehmende Verbreitung der „low carb“-Diäten zum Gewichtsmanagement kommen auch immer mehr gerade Ausdauersportlerinnen auf die Idee, ihr vermeintliches Übergewicht durch kohlenhydratarme Ernährung zu behandeln, oftmals mit fatalen Folgen für die Leistungsentwicklung.

Auch die Einschätzung der Bedeutung der Proteine hat sich über die Jahre deutlich verändert: Wurden bis in die achtziger Jahre noch maximale Proteingaben von bis zu 4 g/Kg Körpergewicht empfohlen, ist zwischenzeitlich eher die gezielte Einnahme ausgewählter Aminosäuren Methode der Wahl zur Abdeckung einer optimalen Proteinversorgung. Inzwischen wird auch verstanden, dass Ausdauersportler nicht ausschließlich Kohlenhydrate benötigen, sondern durchaus auch einen erhöhten Proteinbedarf haben: Für die anabolen Prozesse der muskulären Regeneration wie die Synthese von Mitochondrien werden vermehrt Proteine benötigt, und auch wenn durch häufige Belastungsphasen in einem glykogenverarmten Zustand zur Aufrechterhaltung eines minimalen Blutzuckerspiegels im Rahmen der Glukoneogenese körpereigene Muskeleiweiße abgebaut werden, besteht ein erhöhter Proteinbedarf. (Weiter im Text: nächste Seite 2 von 3)

Bild Klaus-Michael Braumann
Univ-Prof. em. Dr. med. Klaus-Michael Braumann, 1. Vorsitzender Verein zur Förderung der Sportmedizin (VFSM), Ehrenpräsident Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) © Braumann