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Fortsetzung Sporternährung

Mikronährstoffe

Neben der Bedeutung der Makronährstoffe wurde auch die die Rolle der Mikronährstoffe offensichtlich. Eine adäquate Versorgung mit den Elektrolyten wie Kalium, Eisen und Magnesium ist für eine optimale Leistungsentwicklung essentiell notwendig; eine ausreichende Zufuhr gilt als eine Voraussetzung für Spitzenleistungen. Auch die Effekte von Selen, Mangan, Chrom, Molybdän und anderen Substanzen wurden umfassend untersucht.

Für die Gruppe der Vitamine wurden mit wechselnden Schwerpunkten verschiedene Substanzen empfohlen oder auch wieder verworfen; nach dem Motto „viel hilft viel“ finden sich auf dem Markt nicht nur unphysiologische Megadosierungen. Immer wieder werden Substanzen als unverzichtbar und möglicherweise sinnvoll für eine ausgewogene Sportlernahrung beworben, wenn sie bei der Betrachtung biochemischer Abläufe theoretisch an irgendeiner Stelle Reaktionen beeinflussen und somit zu einer verbesserten Energiebereitstellung führen könnten. Dabei fehlen in vielen Fällen fundierte wissenschaftliche Daten.

Die Bedeutung pflanzlicher Stoffe in der Medizin wurde von der „hard core“-Wissenschaft lange Zeit als Mystik oder Scharlatanerie belächelt. Spätestens seitdem große Pharmakonzerne eigene Forschungslabors in den Urwäldern des Amazonasgebiets zur Isolierung und Untersuchung derartiger Substanzen betreiben, hat auch bei uns eine Veränderung der Einschätzung der Phytotherapie stattgefunden. Entsprechendes gilt auch für die Sporternährung, wo in den vergangenen Jahren beeindruckende Daten über die Wirkweise bestimmter pflanzlicher Substanzen auf die Beeinflussung der körperlichen Leistungsfähigkeit publiziert worden sind einschließlich gut belegbarer Wirkmechanismen durch die Anwendung auch genetischer Verfahren. Hier werden in nächster Zeit sicherlich Diskussionen über die Frage entstehen, inwieweit es sich bei pflanzlichen Substanzen z. B. aus dem Bereich der traditionellen chinesischen Medizin, die über eine Aktivierung bestimmter Gene wirken, um Doping handelt.

Nahrungsergänzungsmittel (NEM)

Die Bedeutung spezieller Nahrungsbestandteile hat früh dazu geführt, dass diese Substanzen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln für Sporttreibende angeboten wurden. Der Markt für diese Produkte hat mittlerweile weltweit ein Milliardenvolumen erreicht. Neben den „klassischen“ Makrosubstanzen in Form von Protein- und Kohlenhydratprodukten in unterschiedlichster Form wird der Markt überschwemmt von zahllosen Vitamin-, Mikronährstoffen. Die wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit vieler dieser angebotenen Substanzen zur Leistungsverbesserung sind häufig allerdings fragwürdig; viele dieser Präparate sind auch mit verbotenen Substanzen kontaminiert und können Sporttreibende, die sich im Dopingkontrollsystem befinden, in große Schwierigkeiten bringen.

Eine Zurückhaltung bei der Einnahme von NEM ist sicherlich geboten, ob sie tatsächlich generell überflüssig sind, wird kontrovers diskutiert: Es gibt gute Belege dafür, dass durch eine ausgewogene und gut zusammengestellte Ernährung alle für den Körper notwendigen Substrate in ausreichenden Mengen aufgenommen werden können. Für Nahrungsergänzungspräparate zumindest für Makronährstoffe spricht die Erkenntnis, dass eine möglichst unmittelbar nach Belastung beginnende Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme eine bessere und schnellere Regeneration bedeutet. Daher ergibt sich allein schon aus Gründen der Praktikabilität die Notwendigkeit der Einnahme von NEM, da sich vermutlich kaum jemand sein Spiegelei mit Kartoffelbrei in der Schwimmhalle oder auf dem Sportplatz zubereiten wird. Daher sind sie zur möglichst schnellen Wiederauffüllung der Nährstoffspeicher und schnellem Beginn von anabolen Regenerationsprozessen durchaus sinnvoll, wenn nicht sogar unverzichtbar.

Studienergebnisse

Bei genauer Betrachtung der Ergebnisse von verschiedenen Studien über die Effekte von bestimmten Substanzen auf die körperliche Leistungsfähigkeit wird schnell deutlich, dass diese Ergebnisse sehr unterschiedlich sind und sich teilweise diametral entgegengesetzt verhalten. Gerade bei der Überprüfung der Effizienz von Mikronährstoffen auf ausgewählte Parameter der Leistungsfähigkeit werden diese Differenzen besonders deutlich. Und wenn man nicht annimmt, dass diese unterschiedlichen Resultate von dem Interesse der Sponsoren abhängen, die derartige Untersuchungen finanzieren, so muss man zwei weitere Mechanismen für die Beurteilung von Nahrungsergänzungspräparaten berücksichtigen.

So wird man bei der der Einschätzung der Effekte einer ausgefeilten Ernährung schnell einmal mehr erkennen, wie wichtig eine individuelle Betrachtung der unterschiedlichen Wirkung identischer Substanzen bei verschiedenen Individuen ist. Wie wir allmählich akzeptieren müssen – was für viele erfahrene Trainerinnen und Trainer absolut nichts Neues ist – dass es vollkommen unterschiedliche Reaktionen auf identische Trainingsreize bei unterschiedlichen Personen gibt und starre Trainingsregimen oft kontraproduktiv sind. So müssen wir auch zur Kenntnis nehmen, dass die Reaktion auf bestimmte Nahrungsbestandteile individuell sehr unterschiedlich sein kann. So kann eine optimale Proteinzufuhr vor oder nach einem Krafttraining bei verschiedenen Individuen sehr unterschiedlich aussehen, weil der optimale Einnahmezeitpunkt unterschiedlich sein kann. Auch das Trinkverhalten kann individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein; es ist zwar unbestritten, dass eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr während einer längeren Belastung sehr wichtig ist; dennoch überraschen immer wieder auch Weltklasseathleten damit, dass sie z.B. während eines Marathonlaufs überhaupt nicht trinken. (Weiter im Text: nächste Seite 3 von 3)