Vitamin D dämpft kardiovaskuläre Marathon-Stressmarker
Dass Ausdauerbelastungen den Organismus mit mechanischem Muskelstress, oxidativer Belastung sowie vorübergehenden Immunverschiebungen konfrontieren, die sich als Erhöhung verschiedener Biomarker präsentieren, ist mittlerweile gut belegt. Neben physiologischen Anpassungsreaktionen auf muskulärer und zellulärer Ebene betrifft dies auch das Herz-Kreislauf-System. Weil Vitamin D3 – genauer 25(OH)D – den Ruf hat, oxidativen Stress und Immunreaktionen positiv zu beeinflussen, haben taiwanesische Forscher im Rahmen einer placebokontrollierten Studie untersucht, ob dies auch für belastungsassoziierte Marker nach einem Marathon gilt (1).
Dafür teilten sie eine Gruppe von 21 gesunden, gut trainierten Amateurläufern (Alter: 40 bis 60 Jahre; 16 Männer, 5 Frauen) nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Alle Teilnehmer hatten zu Studienbeginn 25(OH)D-Spiegel unter 30 ng/ml, was allgemein als subakut defizitär gilt. Die Interventionsgruppe erhielt zunächst vier Wochen lang täglich 5000 I. E. Vitamin D₃ flüssig oral, während die Placebogruppe ein gleich aussehendes und schmeckendes Placebo einnahm. Darauf folgend wurde in der Verumgruppe die Dosis nach Blutlabor individuell so titriert, dass nach insgesamt acht Wochen ein 25(OH)D-Spiegel von 48 ng/ml vorlag, weil vorangegangene Studien Hinweise auf sportspezifische Vorteile von 25(OH)D-Spiegeln zwischen 40 und 60 ng/ml geliefert haben. Anschließend absolvierten alle Probanden einen Marathon über 42,195 Kilometer. Blutproben wurden jeweils 24 Stunden vor sowie 30 Minuten, 2 Stunden und 24 Stunden nach dem Rennen entnommen und auf Marker von kardialer Belastung (CK-MB und cTnl), oxidativem Stress (TBARS, PC, SOD und Katalase) sowie Muskelschäden (CK und LDH) untersucht.
Eine halbe Stunde und 2 Stunden nach dem Lauf zeigten sich in beiden Gruppen die Biomarker für belastungsabhängigen Stress erhöht. Interessant war der Messzeitpunkt 24 Stunden nach dem Lauf: Hier lagen die kardial und muskulär aussagekräftigen Werte für CK und CK-MB in der Verumgruppe signifikant niedriger als unter Placebo. Die Positivitätsrate von cTnl in der Verumgruppe war zumindest deskriptiv zu allen Zeitpunkten niedriger als in der Placebogruppe. Für Marker der Lipidoxidation sowie antioxidative Enzyme blieben spezifische Effekte aus; lediglich ein signifikanter Anstieg von PC als Marker oxidativer Proteinschädigung blieb der Verumgruppe 24 h postrace erspart.
Parameter belastungsassoziierter Immunreaktion stiegen erwartungsgemäß („Open-Window“-Phänomen) in beiden Gruppen an. Dabei fielen nur geringfügige deskriptive Unterschiede auf, die man jedoch auch auf potenzielle Einflüsse von Vitamin D3 auf die Umverteilungsdynamik mancher Immunzellen zurückführen könnte.
Fazit: Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ein angehobener Vitamin-D3-Status bei zuvor unzureichend versorgten Ausdauerathleten einzelne belastungsassoziierte Biomarker in der Erholungsphase nach einem Marathon abschwächen könnte. Eine pauschale Empfehlung zur entsprechenden Supplementierung bei Sportlern ergibt sich daraus jedoch (noch) nicht.
■ Kura L
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Quellen:
Weng PW, Nanda JD, Chien YH, et al. Effects of vitamin D3 supplementation on cardiac, muscle, and immune responses after a marathon race: a single-blind, placebo-controlled trial. J Int Soc Sports Nutr. 2026; 23: 2657316. doi:10.1080/15502783.2026.2657316