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Fortsetzung Krank trotz schlank? Wann die inneren Werte mehr aussagen als die Waage

Bedeutung von BMI und Körpergewicht richtig einschätzen

Bisher wurde die Notwendigkeit für eine Umstellung des Lebensstils vor allem am Körpergewicht und am Body Mass Index (BMI) festgemacht. Bei augenscheinlich übergewichtigen Menschen ist der BMI als Einstieg in die Beurteilung der metabolischen Gesundheit relevant. Die Risikogruppe der stoffwechselkranken Schlanken zeigt jedoch, dass der Weg alleine über den BMI bei einem bedeutenden Prozentsatz der Bevölkerung zu kurz gegriffen ist, denn deren Gewicht und BMI liegen im wünschenswerten Bereich, ohne dass darüber eine Aussage über eine günstige oder ungünstige Körperzusammensetzung getroffen werden kann. Bei diesen Menschen klären nur die »inneren Werte« darüber auf, wie es um die Stoffwechselgesundheit tatsächlich bestellt ist.

Nochmals zur Erinnerung: Bereits ab dem zweiten ungünstig veränderten Blutparameter liegt eine Stoffwechselstörung oder zumindest ein deutlicher Hinweis auf eine sich entwickelnde Störung vor. Sollte der Betroffene zusätzlich dünne Beine haben, sollten die Alarmglocken schrillen. Ab diesem Zeitpunkt sollte mit Lebensstilinterventionen gegengesteuert werden. In vielen Fällen sind die im Folgenden beschriebenen Maßnahmen wirksam oder können die Manifestierung deutlich verzögern.

Die Schlüsselfaktoren: Ernährung und Bewegung

Weisen die Blutwerte also auf ein erhöhtes Risiko oder eine beginnende metabolische Entgleisung hin, so steht an erster Stelle eine Umstellung der Ernährung und eine Erhöhung der körperlichen Aktivität. Erste und einfache Maßnahmen betreffen die Reduktion typischer Dickmacher (Süßigkeiten, Chips usw.), aber auch von Fruchtsäften und zu viel Obst, denn die Fruktose trägt stark zur Bildung einer Fettleber bei. »Die beste Ernährungsform, die wir Betroffenen empfehlen, ist eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Nüssen, Fisch, Olivenöl und gesunden Fetten. Die Reduktion von Weißmehlprodukten in der Ernährung trägt dazu bei, die Neufettbildung aus Kohlenhydraten zu verringern«, erklärt der Diabetologe.

Vor pauschalen Angaben zur Ernährungsumstellung liegt aber im besten Fall eine ausführliche Ernährungsanamnese: »Wir müssen wissen, wie die Ernährung einer Person zusammengesetzt ist, um individuelle Empfehlungen zur Anpassung auszusprechen«, erklärt Prof. Flechtner-­Mors, denn »bei gleichem Gewicht tragen Menschen ganz unterschiedlich große Gesundheitsrisiken«. Die so genannten TOFIs (Thin Outside, Fat Inside) können trotz ihres im Normalbereich liegenden BMIs durch eine geänderte Ernährung und Sport Fettmasse und damit Gewicht verlieren, wenngleich die Gewichtsreduktion nicht wie bei Übergewichtigen im Vordergrund steht. Nach drei bis maximal sechs Monaten sollte kontrolliert werden, ob die Zielwerte erreicht wurden. Zumindest eine deutliche Besserung sollte sichtbar sein, um ein »Weiter so!« oder eine weitere Modifikation des Lebensstils zu rechtfertigen. Ansonsten muss auch bei Schlanken mit entsprechenden Medikamenten gearbeitet werden.

Die positiven Effekte von Sport auf den Stoffwechsel und den gesamten Körper sind weithin bekannt. Um die Manifestierung einer Stoffwechselerkrankung zu verhindern oder um mehrere Jahre zu verzögern, sind eine Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität die Mittel der Wahl. Um den Betroffenen die Vorgaben zu mehr körperlicher Bewegung möglichst konkret an die Hand zu geben, eignet sich das »Rezept für Bewegung«. Schlanke Patienten sollten wissen, dass bei ihnen keinesfalls die Gewichtsabnahme im Vordergrund steht. Der maßgebliche Effekt sind Verbesserungen der Blutparameter. »Es wäre wichtig, dass die Erkenntnisse im praktischen Alltag der Ärzte zügig Anwendung finden. Natürlich ist die Behandlung dicker Menschen weiterhin wichtig, doch auch Schlanke haben ein Recht auf eine gute medizinische Betreuung und Behandlung«, betont Prof. Stefan. (Weitere Informationen zu Rezept für Bewegung unter: http://www.dgsp.de/seite/278042/rezept-fuer-bewegung.html)