Seite 1 / 3

Sportherz – auch ein starker Motor kann stottern

Sportherz – auch ein starker Motor kann stottern
© yodiyim / fotolia

Der Herzmuskel kann sich durch intensiven, langjährigen (Ausdauer-)Sport strukturell und funktionell an die Belastung anpassen. Das Gewicht steigt, das Herzvolumen erhöht sich ebenso wie das Schlagvolumen und die Sauerstoffaufnahmekapazität. Klassischerweise zeichnet sich ein Sportherz durch eine harmonische Vergrößerung aller vier Herzkammern aus. Ein Mindestumfang von mehr als sieben Stunden intensivem bis hochintensivem Ausdauertraining pro Woche über Monate und Jahre ist hierfür nötig.

Die vorherrschende Expertenmeinung geht davon aus, dass es kein Kraftsportherz gibt, also dass selbst hochintensiv betriebener Kraftsport nicht zu den genannten Anpassungen der exzentrischen Hypertrophie führt. Die typischen Sportherz-Kandidaten sind daher Ausdauer­athleten wie Skilangläufer, Langstreckenläufer, Triathleten, Radfahrer, aber auch Handballer.

Physiologisch oder pathologisch – das ist hier die Frage

Ob Anpassungen noch physiologisch oder schon pathologisch sind, ist nicht immer leicht zu beurteilen, da die Variabilität sehr groß ist – selbst Spitzensportler können ein normal kleines Herz haben. Auch sind Anpassungen möglich, die bestimmten Krankheitsbildern im Anfangsstadium ähneln, etwa einer dilatativen oder hypertrophen Kardiomyopathie. »Wir können häufig nur mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten und trotz umfangreicher Diagnostik bleibt manchmal eine Restunsicherheit«, erklärt Prof. Dr. Christof Burgstahler, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin am Universitätsklinikum Tübingen.

Eine solche Untersuchungsroutine umfasst neben der Familien- und Sportanamnese das Ruhe- und Belastungs-EKG, eine Echokardiographie sowie gegebenenfalls weiterführende Diagnostik wie CT, MRT, klinische Laborparameter oder genetische Diagnostik. Manchmal bleibt nur, den Verlauf über mehrere Jahre zu beobachten. Alternativ – und bei Sportlern verständlicherweise wenig beliebt – kann über eine Sportpause von drei bis sechs Monaten beobachtet werden, ob Rückbildungsprozesse stattfinden, wie sie für ein antrainiertes Sportherz typisch wären. Doch selbst diese Erkenntnisse müssen nicht eindeutig sein.

Theorien besagen nämlich, dass es auch Menschen mit physiologisch größeren Herzen gibt – genauso wie Sportler, die kein Sportherz ausbilden. Frau Dr. Hasema Persch ist Leiterin der Ambulanz der Sport- und Rehabilitationsmedizin der Uniklinik Ulm. Sie ergänzt: »Bei Unklarheiten kann auch eine Spiro­ergometrie weitere Hinweise darauf geben, ob Veränderungen durch eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit bedingt sein können. Auch die Pumpleistung muss beim gesunden Athleten in Ruhe echokardiographisch über 50 Prozent liegen.«

Prof. Burgstahler betont: »Man kann sich eben nicht darauf verlassen, dass jemand, der sehr leistungsfähig ist, nicht auch herzkrank sein kann.« Manchen Athleten wird eventuell über viele Jahre ein Sportherz attestiert, während sie in Wahrheit unter einer Herzerkrankung leiden. Auch weil die Prävalenz von kardiologischen Erkrankungen im Alter zunimmt, wird empfohlen, nach längerer Sportpause eine sportmedizinische Untersuchung inklusive Belastungs-EKG durchführen zu lassen. Die DGSP empfiehlt sie für Sportler ab dem 35. Lebensjahr. »Grundsätzlich abgeklärt werden müssen Veränderungen wie eine ungewöhnliche Veränderung nur einer Herzkammer, insbesondere eine asymmetrische linksventrikuläre Hypertrophie und Kontraktilitäts- bzw. Wandbewegungsstörungen sowie eine dilatierte Aorta ascendens«, erklärt Dr. Persch. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)

Christof Burgstahler
Prof. Dr. Christof Burgstahler, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin am Universitätsklinikum Tübingen © Burgstahler