Seite 3 / 4

Fortsetzung Sportherz – auch ein starker Motor kann stottern

Damoklesschwert Myokarditis

Noch immer ist nicht vollständig entschlüsselt, unter welchen Umständen es zu einer Herzmuskelentzündung kommt. Eine Kombination aus einem Infekt, wahrscheinlich mit Fieber, und nicht ausreichender körperlicher Schonung scheint dafür häufig verantwortlich zu sein. Doch nicht bei jedem Infekt und bei jedem Sportler tritt eine Myokarditis auf und auch die Bandbreite des klinischen Bildes ist groß: von asymptomatischen bis zu schweren Verläufen, die eine Herztransplantation notwendig machen, ist alles möglich. Auch der eindeutige Nachweis, ob der Herzmuskel entzündet ist oder war, ist nicht in jedem Fall möglich.

»Es gibt Fälle, in denen wir trotz umfangreicher Diagnostik nicht abschließend sagen können, ob eine Myokarditis vorliegt«, erklärt Prof. Burgstahler. Möglicherweise hängt die Ausprägung mit der Art des Erregers statt, der die ursprüngliche Infektion ausgelöst hat. Da eine Myokarditis das Risiko für einen plötzlichen Herztod massiv erhöht, ist es notwendig, diese komplett auszukurieren. »Das Problem ist, dass es keine Evidenz dafür gibt, wie lange Athleten mit dem Sport pausieren sollen. Eine Konsensempfehlung geht von mindestens drei bis sechs Monaten aus«, führt der Kardiologe aus. Um auf bessere Daten zurückgreifen zu können, wurde an der Uniklinik Tübingen ein Register angelegt, das Sportler mit vermeintlicher oder gesicherter Myokarditis beobachtet und betreut (4). Bei den bisher begleiteten Athleten gab es bislang keine fatalen Ereignisse. Wann aus den Daten konkrete Empfehlungen abgeleitet werden können, ist noch offen.

Sportkardiologisches Screening – Stärken und Schwächen

Generell ist bekannt, dass ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko besteht, während das Herz-Kreislauf-System beansprucht wird: Für einen Myokardinfarkt ist es während körperlicher Aktivität um das Zwei- bis Sechsfache höher als in Ruhe, für einen plötzlichen Herztod um das 17-Fache (5). Bei Athleten unter 35 Jahren ist die hypertrophe Kardiomyopathie eine der häufigsten Ursachen, und die Myokarditis trägt ebenfalls nicht unerheblich zu den Fallzahlen bei. Rückwirkend betrachtet zeigten viele Patienten mit überlebtem plötzlichem Herzstillstand oder plötzlichem Herztod Symptome oder Anzeichen, die hätten erkannt werden können.

Daher gibt es eine anhaltende Diskussion um Sinn, Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit eines sportkardiologischen Screenings. Unverzichtbar, sagen die einen und berufen sich auf die Einführung einer verpflichtenden Screeninguntersuchung bei Leistungssportlern in der Region Venetien in Italien. Dort konnte die Inzidenz des Herztods um 89 Prozent gesenkt werden, wobei die in dieser Region häufig vorkommenden Ionenkanalerkrankungen via EKG gut detektierbar sind. Wie effektiv das Screening daher an einem anderen Kollektiv wäre, kann nicht genau gesagt werden.