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Fortsetzung Die wollen doch nur spielen! Trainingsgestaltung, Verletzungsprävention und Risikofaktoren bei Ü40-Sportlern

Verletzungshäufigkeit wie im Profifußball

Das Training, das dem reinen Spielspaß dient, ist leider für die Prävention von Verletzungen nicht sehr hilfreich. Die Verletzungsinzidenz liegt in der Altherrenzielgruppe mit 4,5 Verletzungen pro 1000 Stunden Training und 26,7/1000 Stunden Spiel etwa genauso hoch wie im Profifußball (2). Am häufigsten sind Muskelverletzungen, die teilweise auch schwer sind.

Dr. Maren Witt ist Professorin für Sport­biomechanik an der Universität Leipzig und erklärt, wo die Ursachen für die hohe Zahl an Verletzungen in High-Impact-Sportarten liegt: »Solange die Sportler ausreichend trainiert sind und die intensiven Bewegungen durch eine gute muskuläre Koordination unterstützt wird, treten kaum Probleme auf. Doch in der Regel steigt mit zunehmendem Alter, durch sitzende Tätigkeiten und zu wenig Bewegung, die Körpermasse. Die Muskulatur und die sensomotorischen Fähigkeiten nehmen aber nicht im notwendigen Verhältnis zu, sondern meist sogar eher ab.«

Dennoch ist der Ehrgeiz noch (mindestens) genauso groß wie im Sturm und Drang der Jugend und jungen Erwachsenenjahre. Verletzungen der Muskulatur, wie sie auch beobachtet werden, sind die Folge. Mit zunehmendem Alter finden zudem biologische Änderungen am Knochen und an den Knorpeln statt. Der katabole Knochenstoffwechsel überwiegt und bedingt eine langsame und stetige Abnahme der Knochendichte, wenn nicht mit körperlicher Aktivität regelmäßig dagegen gearbeitet wird. Die Knorpelstrukturen speichern weniger Flüssigkeit, die beim Knorpel sowieso begrenzte Regenerationsfähigkeit nimmt weiter ab und die Abnutzungserscheinungen der vorhergehenden Jahrzehnte tun ihr Übriges.

Bild Maren Witt
Dr. Maren Witt, Professorin für Sportiomechanik an der Universität Leipzig © Witt M

Hat sich der Körperschwerpunkt durch eine Gewichtszunahme, die nicht durch adäquate Muskulatur und sensomotorische Fähigkeiten ausgeglichen wird, verschoben, ändert sich auch die Belastung der Lendenwirbelsäule. Bei Sprüngen, wie sie in High-Impact-Sportarten typisch sind, potenzieren sich die Kräfte und enorme Belastungen der Strukturen sowie große Muskelkraftmomente treten auf.

Präventionsarbeit: den Ehrgeiz drosseln

Mit diesem Wissen stellt sich die Frage, wie den Verletzungen in der Zielgruppe vorgebeugt werden kann und wie kardiovaskuläre Risiken gesenkt werden können. Für verschiedene Sportarten wurden bereits Präventionsprogramme entwickelt, mit deren Hilfe die Verletzungshäufigkeit reduziert werden soll. Das bekannteste dieser Programme, die sich von ihren Inhalten ähneln, aber die Schwerpunkte auf die jeweiligen Anforderungen der Sportart legen, ist das FIFA 11+ Programm im Fußball. Mehrere Studien konnten die Wirksamkeit im leistungsorientierten Fußball, aber auch im Kinder- und Jugendfußball belegen.