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Die wollen doch nur spielen! Trainingsgestaltung, Verletzungsprävention und Risikofaktoren bei Ü40-Sportlern

Sport ist für die physische und psychische Gesundheit förderlich, verringert das Risiko für die Entstehung von Übergewicht, Blut­hochdruck, Diabetes und Krebs und hilft dabei, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

Die wollen  doch nur  spielen! Trainingsgestaltung,  Verletzungsprävention und Risikofaktoren bei Ü40-Sportlern
© fotolia/alvarez

Vielen Menschen fällt es schwer, körper­liche Aktivität zur Routine werden zu lassen, andere betreiben eine Lieblingssportart seit ihrer Kindheit oder Jugend und bis ins hohe Alter. Wenn das eine hochintensive, so genannte High-Impact-Sportart wie Fußball, Handball, Basketball, Volleyball oder Tennis ist, kann jedoch auch genau das zum Problem werden. Denn wenngleich steigendes Alter allein keine ungünstigen Auswirkungen auf die Biomechanik des Körpers hat, so sind es zahlreiche andere Faktoren, die das Verletzungs- und Herz-Kreislauf-Risiko ansteigen und die Heilungsfähigkeit ab der Lebens­mitte abnehmen lassen.

Charakteristisch für die große Gruppe der Best Ager, Masters, Altherren und »alten Damen« (ab einem Alter von etwa 40 Jahren) ist, dass sie im Vergleich zu jüngeren sportlich Aktiven wissenschaftlich bislang nur wenig untersucht wurde. Am besten sieht die Lage noch im Fußball aus, denn die Altherren stellen mit 27 Prozent aller registrierten Spieler und damit einer Zahl von 1,8 Millionen Spielern, je nach Definition ab 30 oder 32 Jahren, eine sehr große Gruppe.

Verletzungshäufigkeit Ü40

Etwa 90 Prozent der Vereinssportler in Deutschland sind über ihren Landessportbund bei der ARAG Sportversicherung versichert. Seit 1987 wird Personen, die eine Verletzung melden, ein Fragebogen zugeschickt, der die genaue Verletzung und das Zustandekommen dieser erfragt. 200 884 Sportverletzungen wurden zwischen 1987 und 2012 erfasst (3). »Das ist die beste Zusammenschau von Sportverletzungen, die es gibt«, erklärt David Schulz, Leiter der Auswertungsstelle für Sportunfälle und Vorstand der Stiftung Sicherheit im Sport, und weiter: »Einschränkend muss man sagen, dass nur Vereinssportler erfasst werden und dass nicht bekannt ist, wie viel Prozent der tatsächlich aufgetretenen Sportverletzungen auch über den Verein an die ARAG gemeldet werden. Die Rücklaufquote der Fragebögen liegt bei durchschnittlich nur 44 Prozent. Hauptproblem ist aber, dass zu wenig über die Grundgesamtheit der Sporttreibenden bekannt ist, sodass Hochrechnungen oder Vergleiche von Sportarten nicht oder nur eingeschränkt möglich sind.«

Dennoch lassen sich aus diesen Daten einige Informationen ziehen:
• 16,5 Prozent der Verletzungen betreffen die über 40-Jährigen.
• Männer verletzen sich etwa dreimal häufiger als Frauen.
• Fußball führt die Rangliste der verletzungsträchtigsten Sportarten (über alle Altersgruppen) an, mit 46,5 Prozent vor Handball (14,8 Prozent), Turnen (5,2 Prozent) und Volleyball (4,0 Prozent).
• Etwa zwei Drittel aller Sportverletzungen entfallen auf die so genannten großen Ballsportarten. Bei 75 Prozent der Verunfallten spielte der Zweikampf eine entscheidende Rolle für die Verletzung. Zweikampf ist dabei nicht gleichzusetzen mit Kontaktverletzung.
• Bei den über 40-Jährigen sind die meisten Verletzungen an der unteren Extremität zu verzeichnen (55–60 Prozent), gefolgt von Verletzungen der oberen Extremität (25–30 Prozent).

Bild David Schulz
David Schulz, Leiter der Auswertungsstelle für Sportunfälle und Vorstand der Stiftung Sicherheit im Sport © Schulz D

Risikofaktoren der Freizeitkicker

Um die Entstehung der Verletzungen, Risikofaktoren und Möglichkeiten der Prävention besser zu verstehen, lohnt es sich, die Zielgruppe genauer zu charakterisieren. Prof. Dr. Tim Meyer vom Institut für Sport und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes hat zusammen mit Kollegen die Gruppe der Altherrenfußballer näher unter die Lupe genommen: »Diese Männer sind eine wichtige Zielgruppe für die Sportmedizin. Wir haben festgestellt, dass sich Fußballspieler zwischen 40 und 60 Jahren in den klassischen Risikofaktoren, also Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Cholesterin, Übergewicht und Rauchen, kaum von einer Referenzgruppe gleichen Alters aus der Normalbevölkerung unterscheiden. Sie sind nur fitter, was natürlich durchaus vorteilhaft ist.«

Dass diese Sportler so wenig von den in Untersuchungen gezeigten zahlreichen positiven Effekten des Fußballs profitieren, hat wahrscheinlich mehrere Gründe. Zum einen wurden diese Untersuchungen zumeist an jüngeren Spielern gemacht, während Längsschnittstudien zu den Langzeiteffekten fehlen. Zudem folgen Training und Wettkampf im Ü-Fußball nicht oder nur selten den von der WHO oder dem American College of Sports Medicine empfohlenen Maßgaben zur körperlichen Aktivität (150 Minuten/Woche aerobe körperliche Aktivität mit moderater Intensität).

Die alten Herren trainieren im Durchschnitt maximal einmal wöchentlich für 60 bis 90 Minuten und absolvieren ein (Liga-)Spiel pro Woche; im Durchschnitt sind es mit Training und Wettkampf zusammengenommen 0,9 Aktivitäten pro Woche. Im Training liegt die durchschnittliche Herzfrequenz – ebenso wie im Spiel wohlgemerkt – bei zwischen 77 und 80 ± 8 bzw. 7 Prozent der HRmax (4). »Das Training ist oft recht unstrukturiert ohne spezielles Aufwärmen oder Taktiktraining.

Eigentlich wollen die Ü-Fußballer nur spielen«, fasst Professor Meyer das übliche Vorgehen zusammen. Er ergänzt: »Die so genannte dritte Halbzeit, also das Biertrinken danach, ist aus medizinischer Sicht natürlich auch nicht förderlich.«