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Fortsetzung Die wollen doch nur spielen! Trainingsgestaltung, Verletzungsprävention und Risikofaktoren bei Ü40-Sportlern

Professor Meyer und Kollegen haben untersucht, wie sich die Anwendung von FIFA 11+ im Altherrenfußball auswirkt: »Unter den Bedingungen, unter denen diese Zielgruppe in der Regel trainiert und spielt, verhindert das Programm keine Verletzungen. Wir vermuten, dass die Trainings- und damit auch die Anwendungshäufigkeit des Programms zu gering sind, um positive Effekte zu bewirken.« Offenbar ist eine Mindestmenge an Training auch für derartige Präventionsprogramme nötig, damit die Effekte, die neuromotorisches Training haben soll, überhaupt wirksam werden können (1).

Aus biomechanischer Sicht ist es günstig, wenn Bewegungsabläufe schon seit dem Kinder- oder Jugendalter ausgeführt werden. »Bewegungen, an die der Körper schon lange Zeit angepasst ist, schlagen sich vom Grundsatz her in weniger Verletzungen nieder. Wird erst in höherem Alter mit einer Sportart begonnen, ist auf jeden Fall eine langsame Anpassung notwendig«, erklärt Professor Witt.

Bild Tim Meyer
Prof. Dr. med. Tim Meyer, Ärztlicher Direktor Sportmedizin, Universität des Saarlandes © Meyer T

Doch häufig sind auch diejenigen von Verletzungen betroffen, die eine Sportart schon jahrzehntelang ausüben. Wer es dem Gegner mal so richtig zeigen will, vergisst schnell die eigenen körperlichen Limitierungen und überlastet sowohl den Bewegungsapparat als auch das Herz-Kreislauf-System. David Schulz betont, dass die Prävention von Sportverletzungen in jeder Altersklasse möglich ist: »Sportunfälle sind kein Pech. Alle Beteiligten, vom Sportler über Trainer und Übungsleiter bis hin zu den Vereinsverantwortlichen, können zur Reduzierung der Unfallzahlen beitragen. Gerade im gesundheitsorientierten Sport könnte auch über eine Veränderung der Spielregeln nachgedacht werden.«

Allerdings, das bestätigt Schulz, ist es schwierig, das Thema Prävention im Sport zu etablieren. Es gibt zu wenige ausgebildete Trainer und Übungsleiter und diese setzen die wissenschaftlichen Erkenntnisse nur unzureichend im Training um. Viele Ü-Mannschaften haben gar keinen Trainer, sondern bestimmen einen aus den eigenen Reihen dazu. »Meist bedeutet ‚Aufwärmen‘ in diesen Mannschaften, dass ein paar Minuten lang etwas langsamer gespielt wird«, gibt Professor Meyer zu bedenken.

Sport und körperliche Bewegung sind bis ins hohe Alter sinnvoll und wichtig für die Gesunderhaltung des Körpers. Unter den betrachteten Umständen kann er aber auch kontraproduktiv sein. Schwere und langwierige Verletzungen im mittleren oder höheren Alter führen zu langen Phasen der Inaktivität und möglicherweise auch dazu, dass Bewegung ganz aufgegeben wird. Auch Sportmediziner könnten möglicherweise positiv auf die Sportler einwirken, Chancen und Risiken aufzeigen und so zu einer gesundheitsfördernden Wirkung des Sports beitragen.

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Hammes D, Aus der Fünten K, Kaiser S, Frisen E, Bizzini M, Meyer T. Injury prevention in male veteran football players – a randomised controlled trial using "FIFA 11+". J Sports Sci. 2015; 33: 873-881. doi:10.1080/02640414.2014.975736

  2. Hammes D, Aus Der Fünten K, Kaiser S, Frisen E, Dvorák J, Meyer T. Injuries of veteran football (soccer) players in Germany. Res Sports Med. 2015; 23: 215-226. doi:10.1080/15438627.2015.1005295

  3. Henke T, Luig P, Schulz D. Sportunfälle im Vereinssport in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. 2014; 57: 628-637. doi:10.1007/s00103-014-1964-x (4) Wegmann M, Steffen A, Pütz K, Würtz N, Such U, Faude O, Bohm P, Meyer T. Cardiovascular risk and fitness in veteran football players. J Sports Sci. 2016; 34: 576-583. doi:10.1080/02640414.2015.1118525