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Fortsetzung Der Tractus iliotibialis und seine Tücken

Was hilft bei Therapieresistenz?

Die Chronifizierung eines ITBS ist damit auch gleichzeitig die größte Komplikation. Denn wird der Reizzustand über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten erhalten, kann das Gewebe hypertrophieren. Im Lauf der Zeit wird die betroffene Stelle dicker, die Friktion stärker und das mechanische Hindernis immer größer. Eine erfolgreiche konservative Behandlung wird dann immer schwieriger. Lokale Injektionen mit Lokalanästhetika und antientzündlich wirkenden Präparaten können abgewogen werden. Dr. Cassel steht Injektionen mit Kortison eher zurückhaltend gegenüber: »Studien an verschiedenen Sehnenansätzen zeigen zwar gute Kurzzeiteffekte, doch sind mittel- bis langfristig Befundverschlechterungen zu beobachten. Zudem führen kortisonhaltige Präparate zur lokalen Gewebedegeneration.« Die Stoßwellentherapie ist beim ITBS noch kaum untersucht. Eine Studie konnte keine Vorteile gegenüber manueller Therapie finden (6).

Bei langen chronischen Verläufen und therapieresistenten Fällen steht als letzte Option noch die operative Spaltung des ITB zur Verfügung. »Bei Beschwerden an der Hüfte wird der Tractus längs Z-förmig gespaltet, um die Spannung zu verringern und der Struktur Möglichkeiten zur Verlängerung zu geben. Gleichzeitig kann ein entzündeter Schleimbeutel entfernt werden. Am Knie wird ebenso verfahren, doch ist dort die Rupturgefahr größer«, erklärt Prof. Schmitt. Als Auslöser, aber auch als Reaktion auf den Reizzustand können sich an der Hüfte Exostosen bilden. Diese können im Rahmen einer OP genauso entfernt werden wie hypertrophiertes Gewebe am Knie. Nur wenige Studien haben sich mit dieser Methode befasst, doch eine Untersuchung an 36 Patienten ergab ausgezeichnete und gute Zufriedenheit in 97,1 Prozent der Fälle (2). Drei Monate nach der OP konnten die Betroffenen wieder sportlich aktiv sein.

Das Tractus-Syndrom ist eine klassische Überlastungsverletzung. Trotz teilweise unklarer Ätiologie lässt es sich in den meisten Fällen gut und zügig behandeln, solange nicht immer wieder der Schmerz ausgelöst wird. Ein Appell an die Vernunft des betroffenen Sportlers ist daher ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Therapie. Ein möglichst zügiges und vollständiges Ausheilen eines ITBS ist auch aus einem weiteren Grund anzustreben, wie Dr. Cassel betont: »Wenn man ein ITBS einmal hatte, ist das der erste Risikofaktor, dass man es wieder bekommt!«

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. Aderem J, Louw QA. Biomechanical risk factors associated with iliotibial band syndrome in runners: a systematic review. BMC Musculoskelet Disord. 2015; 16: 356. doi: 10.1186/s12891-015-0808-7

  2. Michels F, Jambou S, Allard M, Bousquet V, Colombet P, de Lavigne C. An arthroscopic technique to treat the iliotibial band syndrome. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2009; 17: 233-236. doi: 10.1007/s00167-008-0660-5

  3. Schwellnus MP, Mackintosh L, Mee J. Deep Transverse Frictions in the Treatment of lliotibial Band Friction Syndrome in Athletes: A clinical trial. Physiotherapy. 1992; 78: 564-568.

  4. Schwellnus MP, Theunissen L, Noakes TD, Reinach SG. Anti-inflammatory and combined anti-inflammatory/analgesic medication in the early management of iliotibial band friction syndrome. A clinical trial. S Afr Med J. 1991; 79: 602-606.

  5. van der Worp MP, van der Horst N, de Wijer A, Backx FJ, Nijhuis-van der Sanden MW. Iliotibial band syndrome in runners: a systematic review. Sports Med. 2012; 42: 969-992. doi: 10.2165/11635400-000000000-00000

  6. Weckström K, Söderström J. Radial extracorporeal shockwave therapy compared with manual therapy in runners with iliotibial band syndrome. J Back Musculoskelet Rehabil. 2016; 29: 161-170. doi: 10.3233/BMR-150612