Alternative Behandlungsansätze bei Rückenschmerzen

Alternative Behandlungsansätze bei Rückenschmerzen
© Romario Ien / fotolia

Rückenschmerzen haben unterschiedliche und teilweise mehrere Ursachen. Entsprechend vielfältig sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Sie reichen von Schmerzmitteln bis zu Operationen, von Rückenschule bis zu alternativen Methoden. Ein aktueller systematischer Review hat sich die Studien der Jahre 2008 bis 2016 vorgenommen und neun nicht-pharmakologische Behandlungsmethoden zur Behandlung akuter oder chronischer Schmerzen im Lendenwirbelbereich ausgewählt. Voraussetzung für die Beurteilung war, dass die Methode entweder mit Placebo, keiner Behandlung (Warteliste), konventioneller Behandlung oder einer anderen nicht-pharmakologischen Methode verglichen worden waren.

Folgende Behandlungen wurden ausgewählt: Tai-Chi, Achtsamkeitsbasierter Stressabbau, Yoga, generell sportliche Betätigung, psychologische Therapien, multidisziplinäre Rehabilitation, chiropraktische spinale Manipulation, Massage und Akupunktur. Die Auswirkungen auf Schmerz, Funktion, Rückkehr zur Arbeit und Schäden wurden entweder Langzeit (≥ 1 Jahr) oder Kurzzeit (≤ 6 Monate) beurteilt.

Die Stärke der Evidenz unterschied sich bei den unterschiedlichen Behandlungsmethoden.

Tai-Chi

• 2 Studien mit mäßiger Evidenz

• Tai-Chi reduzierte Schmerzen im Vergleich zu einer Warteliste/kein Tai-Chi geringfügig. Tai-Chi bewirkte geringe Verbesserungen der Funktion

Yoga

• 14 Studien, davon 12 mit mäßiger und 2 mit guter Evidenz

• Yoga erwies sich in den meisten Studien wirksam gegen Schmerzen. Im Vergleich mit normaler Bewegung schnitt Yoga hinsichtlich der Schmerzintensität und Funktion etwas besser ab (häufig nicht statistisch signifikant).

Achtsamkeit (Mindfulness-Based Stress Reduction MBSR)

• 3 Studien, davon 2 von guter und eine von schlechter Qualität

• Eine Studie zeigte größere Verbesserungen durch MBSR hinsichtlich Schmerz und Funktion als Patienten mit Standardbehandlung. Die Effekte waren langanhaltend.

• Kein Unterschied wurde zwischen MBSR und Kognitiver Verhaltenstherapie gefunden.

Psychotherapien

• 32 Studien, davon 13 mit geringer Gefahr für Bias (gute Qualität) und die übrigen von mäßiger Qualität.

• Unter diese Therapien fielen auch Progressive Muskelentspannung, Elektromyografie/Biofeedbackmethode und kognitive Verhaltenstherapie. Diese Behandlungen resultierten in geringerer Schmerzintensität nach der Behandlung. Nur die Progressive Muskelentspannung brachte auch Besserungen bei der Funktion.

• Keine Unterschiede wurden zwischen psychologischen Therapien und Bewegungstherapien beobachtet

• 10 Studien fanden keine klaren Unterschiede zwischen verschiedenen psychologischen Therapien.

Multidisziplinäre Rehabilitation

• 44 Studien, davon waren 15 von guter Qualität und einer von mäßiger Qualität.

• Patienten, die eine multidisziplinäre Therapie bekommen hatten, berichteten von etwas geringerer Kurzzeit- und Langzeit-Schmerzintensität im Vergleich zu herkömmlichen Behandlungen

Akupunktur

• 49 Studien, davon war eine Studie von schlechter Qualität, zwei von mäßiger und die restlichen von guter Qualität.

• Bei akuten Schmerzen verringert Akupunktur die Schmerzen besser als Scheinakupunktur, doch auch Studien mit weniger eindeutigem Ergebnis wurden gefunden. Akupunktur hat keinen Einfluss auf die Funktion.

• Bei chronischen Schmerzen bewirkte Akupunktur im Gegensatz zu keiner Akupunktur eine geringere Schmerzintensität und verbesserter Funktion direkt nach der Behandlung.

• Langzeiteffekte waren sehr klein oder nicht nachweisbar.

Massagen

• 26 Studien, davon neun Studien von guter Qualität.

• Die Ergebnisse waren uneindeutig. Einige Studien fanden kleinere Effekte nach 10 und 12 Wochen, andere fanden keine Effekte.

• Im Vergleich zu anderen nicht-medikamentösen Therapien (Chiropraktik, Bewegung, Entspannungstherapie, Akupunktur, Physiotherapie, Transkutane elektrische Nervenstimulation) zeigten Massagen bessere Kurzzeit-Effekte.

• Die Bewertung unterschiedlicher Massagetechniken lieferte heterogene Ergebnisse.

Chiropraktik

• 61 Studien, davon waren 16 Studien von guter Qualität.

• Bei akuten Rückenschmerzen fanden zwei Studien bessere Effekte durch Chiropraktik als durch eine Scheinbehandlung.

• Bezüglich der Schmerzen wurde zwischen Chiropraktik und anderen „inaktiven“ Behandlungen (Informationsbroschüre, verstelltem Ultraschall, Schockwellen und unwirksamer Frequenz usw.) kein Unterschied gefunden werden. Ebenso wurde beim Vergleich mit „aktiven“ Behandlungen (z.B. Rückenschule) keine Unterschiede gefunden.

• Bei chronischen Schmerzen waren die beobachteten Effekte nicht signifikant.

Es existieren eine Reihe nicht-pharmakologischer Therapien für akute und chronische Schmerzen im Lendenwirbelbereich. Die meisten wirken nach den aktuellen Erkenntnissen gering bis moderat, allerdings in den meisten Fällen nur kurzfristig auf den Schmerz ein. Auch Interventionen wie Achtsamkeitstraining können unter Umständen hilfreiche Ergänzungen sein.

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Hashimoto R, Weimer M, Fu R, Dana T, Kraegel P, Griffin J, Grusing S, Brodt ED. Nonpharmacologic Therapies for Low Back Pain: A Systematic Review for an American College of Physicians Clinical Practice Guideline. Ann Intern Med. 2017; 166(7): 493-505. doi: 10.7326/M16-2459. http://annals.org/aim/fullarticle/2603230/nonpharmacologic-therapies-low-back-pain-systematic-review-american-college-physicians