Risiko für Kreuzbandriss halbieren

Risiko für Kreuzbandriss halbieren
© efks / fotolia

Verletzungen des vorderen Kreuzbandes sind langwierig und in jeder Sportart Grund für einen monatelangen Trainingsausfall, Reha sowie die bange Frage, ob, wann und wie der Wiedereinstieg in den (Leistungs-)Sport erfolgen kann. Vor diesem Hintergrund hat die FIFA mit FIFA11+ und FIFA 11+ Kids ein Aufwärmprogramm entwickelt, welches nachgewiesenermaßen das allgemeine Verletzungsrisiko verringert (1, 2, 3). Ebenfalls auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse basiert das Programm STOP-X, das von der Deutschen Kniegesellschaft entwickelt wurde, um Knie- und insbesondere Kreuzbandverletzungen zu verhindern. Grundlage sind jeweils Übungen aus unterschiedlichen Trainingsbereichen (Kraft, Balance, Lauf/Sprung).

Eine Metaanalyse (4) hat nun die vorhandenen Daten zur Verletzungsprävention zusammengeführt und beurteilt. Acht systematische Reviews über insgesamt 17 Studien wurden in die Auswertung eingeschlossen. In sechs dieser Reviews wurden nur Frauen untersucht. Alle acht betrachteten Metaanalysen kamen zu dem Ergebnis, dass sich durch entsprechende Präventionsprogramme das Risiko, eine Kreuzbandverletzung zu erleiden, signifikant senken lässt. Der größte Unterschied in den Ergebnissen lag in dem Ausmaß der Risikoreduktion, die sich zwischen 39 und 62 Prozent für alle ACL-Verletzungen bzw. zwischen 64 und 73 Prozent für Non-contact-Verletzungen bewegt. Die nun vorliegende Metaanalyse hat die Daten erneut analysiert und zusammengeführt.

Über die vorhandenen Studien ergibt sich demnach eine 50-prozentige Risikoreduktion in Bezug auf alle Kreuzbandverletzungen und eine 67-prozentige Reduktion für Non-contact-ACL-Verletzungen bei Frauen. Die Risikoreduktionen von 50 bzw. 67 Prozent sind nicht nur klinisch, sondern auch für die einzelne Sportlerin relevant. Evaluierte Präventionsprogramme wie die zu Beginn genannten sollten daher in den regelmäßigen Trainingsablauf integriert werden.

Da nur in wenigen Studien und in geringer Teilnehmerzahl Männer untersucht wurden, konnte für diese die Effektivität der Präventionsprogramme in der Metaanalyse nicht berechnet werden. Einzelne aktuellere Studien mit einer größeren Anzahl an Fußballern ergaben eine Risikoreduktion um 77 Prozent.

■ Hutterer C

Ähnliche Beiträge zum Thema finden Sie weiter unten!

Quellen:

  1. Finch CF, Twomey DM, Fortington LV, Doyle TL, Elliott BC, Akram M, Lloyd DG. Preventing Australian football injuries with a targeted neuromuscular control exercise programme: comparative injury rates from a training intervention delivered in a clustered randomised controlled trial. Inj Prev. 2016; 22: 123-128. doi:10.1136/injuryprev-2015-041667

  2. Silvers-Granelli HJ, Bizzini M, Arundale A, Mandelbaum BR, Snyder-Mackler L. Does the FIFA 11+ Injury Prevention Program Reduce the Incidence of ACL Injury in Male Soccer Players. Clin Orthop Relat Res. 2017; 475: 2447-2455. doi:10.1007/s11999-017-5342-5

  3. Waldén M, Atroshi I, Magnusson H, Wagner P, Hägglund M. Prevention of acute knee injuries in adolescent female football players: cluster randomised controlled trial. BMJ. 2012; 344: e3042. doi:10.1136/bmj.e3042

  4. Webster KE, Hewett TE. Meta-analysis of meta-analyses of anterior cruciate ligament injury reduction training programs. J Orthop Res. 2018. doi:10.1002/jor.24043. [Epub ahead of print]