FIFA11+ Kids: Warm-up für kleine Fußballer halbiert die Verletzungshäufigkeit

FIFA11+ Kids: Warm-up für kleine Fußballer halbiert die Verletzungshäufigkeit
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Kinder verletzen sich beim Fußballspielen anders als Jugendliche und Erwachsene. Bei den unter 14-Jährigen sind häufiger die oberen Extremitäten betroffen oder Knochenbrüche typisch. Da mehr als 58 Prozent aller Fußballspieler/innen (weltweit) jünger als 18 Jahre und fast dreiviertel unter 14 Jahren alt sind, sollte diese Gruppe größere Aufmerksamkeit bekommen. Bislang fehlten jedoch epidemiologische Daten zu dieser Altersgruppe. Diese wurden nun von Dr. Rössler und Kollegen von der Universität Basel erhoben.

Basierend darauf hat ein internationales Expertenteam ein 20-minütiges Aufwärmprogramm entwickelt, das die Verletzungshäufigkeit und -schwere verringern soll. Das Programm FIFA 11+ Kids für Kinder von 7 bis 12 Jahren basiert auf dem Programm FIFA 11+, das bei über 13-jährigen Spielern bereits etabliert ist und sich in mehreren Untersuchungen als wirksam erwiesenen hat, um die Verletzungshäufigkeit zwischen 32 und 72 Prozent zu reduzieren.

Sieben Übungen in fünf Schwierigkeitsstufen

Das Programm besteht aus sieben unterschiedlichen Übungen. Drei zielen auf einseitige, dynamische Stabilität der unteren Extremitäten ab (hüpfen, springen und landen), weitere drei auf Kräftigung aller Muskelgruppen mit Stabilisierung der Rumpfmuskulatur und eine auf korrektes Fallen und Abrollen. Für jede Übung gibt es fünf Schwierigkeitsstufen, die abhängig vom Alter der Kinder zwischen sieben und 13 Jahren und deren motorischen und körperlichen Fähigkeiten gesteigert werden können.

Studie: Verletzungshäufigkeit verringert sich um 48 Prozent

FIFA11+ Kids wurde nun im Rahmen einer kontrollierten, randomisierten Studie mit 3895 Kindern untersucht (1). Die Kontrollgruppe führte ihr Aufwärmtraining über eine Saison wie gewohnt durch, die Interventionsgruppe wärmte sich mindestens einmal pro Woche mit FIFA11+ Kids auf. Die Trainer gaben an, dass die Durch­führung durchschnittlich 18 Minuten dauerte und damit »gerade richtig« in der Länge war.

Die Auswertung der Daten ergab, dass die Verletzungsrate in der Interventionsgruppe insgesamt um 48 Prozent geringer war als in der Kontrollgruppe. Darunter fallen schwere Verletzungen, Verletzungen der unteren Extremitäten, Verletzungen während eines Spiels und Trainingsverletzungen. Auch die Ausfallzeit wegen einer Verletzung und die Anzahl der Tage bis zur Rückkehr ins Training war in der Interventionsgruppe signifikant kürzer. Betrachtet man alleine die schweren Verletzungen, so konnte sogar eine Reduktion um 75 Prozent festgestellt werden. Die besten Risikoreduktionen wiesen die Spieler auf, die das Programm am häufigsten (bis zu dreimal pro Woche) durchführten. Ein Minimum von einer Trainingseinheit mit FIFA 11+ Kids ist notwendig, um von den Effekten zu profitieren.

Adaptionen für andere Sportarten wünschenswert

Fußball kann sich als sportliche Betätigung positiv auf zahlreiche Gesundheitsparameter auswirken. Erfreulich ist, dass so viele Kinder mit Leidenschaft Fußball spielen. Verletzungen in jungen Jahren können jedoch dazu beitragen, dem Sport den Rücken zu kehren oder kehren zu müssen. Daher ist eine Verletzungsprävention auch vor diesem Hintergrund sehr wünschenswert. Weitere Untersuchungen zur Effektivität des Programms an größeren Spielerzahlen und im täglichen Trainingsgeschehen könnten weitere Einblicke liefern. Des Weiteren sollte darüber nachgedacht werden, dieses oder ein adaptiertes Programm auch in anderen (Mannschafts-)Sportarten zu etablieren.

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Rössler R, Junge A, Bizzini M, Verhagen E, Chomiak J, Aus der Fünten K, Meyer T, Dvorak J, Lichtenstein E, Beaudouin F, Faude O. A Multinational Cluster Randomised Controlled Trial to Assess the Efficacy of '11+ Kids': A Warm-Up Programme to Prevent Injuries in Children's Football. Sports Med. 2017. doi:10.1007/s40279-017-0834-8