Darmkrebs: Bewegung nach Chemotherapie bringt Überlebensvorteil
Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium II oder III erhalten nach einer chirurgischen Resektion in der Regel eine adjuvante Chemotherapie. Was danach folgt, ist bislang wenig strukturiert – obwohl genau hier eine gezielte Intervention vielversprechend sein könnte. Eine neue, im New England Journal of Medicine veröffentlichte Phase-III-Studie (1) liefert nun erstmals klare Evidenz. Ein strukturiertes Bewegungsprogramm nach Abschluss der adjuvanten Therapie verlängert das krankheitsfreie Überleben signifikant und legt ein längeres Gesamtüberleben nahe.
In die multizentrische Studie (CHALLENGE: Colon Health and Life-Long Exercise Change) wurden 889 Patienten eingeschlossen, die binnen zwei bis sechs Monate nach Ende der Chemotherapie randomisiert einem Interventions- oder Kontrollarm zugeteilt wurden. Die Interventionsgruppe absolvierte ein über drei Jahre begleitetes Bewegungsprogramm mit Zielwerten von 150 Minuten moderater körperlicher Aktivität pro Woche und wurde durch Trainer engmaschig betreut. Die Kontrollgruppe erhielt allgemeine Gesundheitsinformationen.
Das mittlere krankheitsfreie Überleben lag mit 69 Monaten in der Interventionsgruppe signifikant über den 54 Monaten der Kontrollgruppe (Hazard Ratio 0,72; 95 Prozent, KI 0,55–0,94). Das krankheitsfreie 5-Jahres-Überleben betrug in der Interventionsgruppe 80,3 Prozent gegenüber 73,9 Prozent in der Kontrollgruppe – eine Differenz von 6,4 Prozentpunkten (95 Prozent-KI: 0,6–12,2). Auch das Gesamtüberleben fiel in der Sportgruppe günstiger aus: Die Hazard Ratio für Tod lag bei 0,63 (95 Prozent-KI: 0,43–0,94). Nach acht Jahren zeigte sich ein anhaltender Überlebensvorteil mit Raten von 90,3 Prozent versus 83,2 Prozent (Differenz: 7,1 Prozentpunkte; 95 Prozent-KI: 1,8–12,3). Unerwünschte muskuloskelettale Ereignisse traten in der Interventionsgruppe häufiger auf als im Kontrollarm (18,5 Prozent vs. 11,5 Prozent).
Die Ergebnisse bestätigen, was kleinere Studien bereits andeuteten: Körperliche Aktivität kann nicht nur Fatigue lindern und Lebensqualität verbessern, sondern, sofern sie kurz nach der adjuvanten Chemotherapie begonnen wird, vermutlich auch Rezidive verzögern und die Gesamtmortalität senken. Auffällig ist, dass der Effekt bei Patienten mit geringer Ausgangsaktivität am stärksten war. Offenbar gibt es gerade bei zuvor inaktiven Krebspatienten ein relevantes therapeutisches Potenzial, das über Bewegung ausgeschöpft werden kann.
Noch offen bleibt, inwiefern auch weniger engmaschig betreute Programme ähnliche Effekte erzielen. Zudem sind Mechanismen – etwa über Entzündungsprozesse, Insulinsensitivität oder Immunmodulation – bislang nur hypothetisch belegt.
■ Hutterer C
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Quellen:
Courneya KS, Vardy JL, O'Callaghan CJ, Gill S, Friedenreich CM, et al.; CHALLENGE Investigators. Structured Exercise after Adjuvant Chemotherapy for Colon Cancer. N Engl J Med. 2025; 393: 13-25. doi:10.1056/NEJMoa2502760