Wenn Return-to-Play nicht Return-to-Performance bedeutet

Wenn Return-to-Play nicht Return-to-Performance bedeutet
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Bei jedem großen Fußballturnier werden Spieler nominiert, die zu diesem Zeitpunkt nicht völlig gesund sind. Manche von ihnen laufen während des gesamten Turniers kein einziges Mal auf, andere kommen nur eingeschränkt zum Einsatz und riskieren damit eine erneute Verletzung. Dieses Muster wiederholt sich bei nahezu jedem Großereignis und wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wann ist ein Spieler wirklich bereit für den Wettkampf und wann wird die medizinische Freigabe mit tatsächlicher Leistungsfähigkeit (Return-to-Performance) verwechselt?

Verletzungen im Profifußball sind gut untersucht. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zu 44 Studien beziffert die Verletzungsinzidenz im Profifußball auf durchschnittlich 8,1 Verletzungen pro 1000 Spielstunden, wobei Wettkampfverletzungen fast zehnmal häufiger auftreten als Trainingsverletzungen (2). Am häufigsten betroffen ist die untere Extremität, allen voran Muskel- und Sehnenverletzungen. Eine Auswertung der UEFA Elite Club Injury Study über 16 Spielzeiten mit fast 23.000 Verletzungen zeigt zudem, dass die große Mehrheit davon innerhalb von höchstens vier Wochen ausheilt, nur ein kleiner Teil führt zu deutlich längeren Ausfallzeiten, insbesondere bei erneuten Verletzungen (1).

Vor diesem Hintergrund fällt eine aktuelle Untersuchung zur UEFA EURO 2024 und zur Copa América 2024 besonders auf (3). Über beide Turniere hinweg wurden 85 neue Verletzungen registriert, mit einer Gesamtrate von 4,0 pro 1000 Spielstunden, die sich in die allgemeine Datenlage einfügt. Deutlich auffälliger war jedoch die tatsächliche Ausfallzeit. Rechnet man die Zeit bis zur vollständigen Rückkehr der Spieler in ihren Verein mit ein, lag die Belastung bei mehr als dem Fünffachen des innerhalb des Turniers gemessenen Wertes und damit weit über der für die meisten Verletzungen üblichen Ausfallzeit von bis zu vier Wochen.

Der eigentliche Befund der Studie betrifft jedoch nicht diese Gesamtzahlen, sondern die Kadernominierung selbst. Bereits bei der Ankunft im Trainingslager brachten 17 Spieler eine bestehende Verletzung in ihren Turnierkader mit. Drei von ihnen kamen während des gesamten Turniers kein einziges Mal zum Einsatz. Die übrigen 14, davon 12 bei der EURO und zwei bei der Copa América, blieben trotz bestehender Verletzung im Kader und mussten sich dort erst noch in Wettkampfform bringen.

Hinzu kommt eine zweite, davon unabhängige Gruppe. Insgesamt 20 Spieler verletzten sich bereits während der Vorbereitungsphase neu, also noch vor dem ersten Turnierspiel. Elf von ihnen waren zum Auftakt ihrer Mannschaft noch nicht einsatzbereit, bei zweien reichte die verbleibende Turnierzeit nicht mehr für eine Rückkehr. Auch unter den Spielern, die sich erst während des laufenden Turniers verletzten, blieb ein erheblicher Teil ohne weiteren Einsatz. Von 65 betroffenen Spielern kehrten 34 nicht mehr vor Turnierende zurück, acht zogen sich ihre Verletzung sogar erst im letzten Spiel ihrer Mannschaft zu.

Die Studienautoren beschreiben die Entscheidung, verletzte Spieler dennoch zu nominieren, als komplexe Abwägung aus medizinischer Einschätzung, sportlicher Strategie und Teamdynamik. Der Druck, rechtzeitig zum Turnier wieder fit zu werden, könne dabei das Risiko einer Reinjury erhöhen oder die Erholung über das Turnier hinaus verlängern, mit Folgen für die Leistungsfähigkeit im Verein wie in der Nationalmannschaft über die gesamte folgende Saison.

Genau hier setzt die Unterscheidung zwischen Return-to-Play und Return-to-Performance an. Return-to-Play beschreibt die medizinische Freigabe, den Zeitpunkt, an dem ein Teamarzt wieder die volle Teilnahme an Training oder Wettkampf erlaubt. Return-to-Performance meint dagegen die tatsächliche Wettkampfbereitschaft, also Schnelligkeit, Belastungstoleranz und Reaktionsfähigkeit auf dem Niveau vor der Verletzung, zwei Zeitpunkte, die in der Praxis häufig auseinanderfallen, besonders unter dem Zeit- und Erfolgsdruck eines Großturniers. Die Autoren fordern deshalb strengere Kriterien vor der endgültigen Kadernominierung und eine engere Abstimmung zwischen Ärzten der Vereine und der Nationalmannschaft. Eine solche gemeinsame Entscheidungsfindung könnte eine verfrühte Rückkehr verhindern und so Gesundheit wie Leistungsfähigkeit der Spieler schützen.

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. Ekstrand J, Krutsch W, Spreco A, et al. Time before return to play for the most common injuries in professional football: a 16-year follow-up of the UEFA Elite Club Injury Study. Br J Sports Med. 2020; 54: 421-6. doi:10.1136/bjsports-2019-100666

  2. López-Valenciano A, Ruiz-Pérez I, Garcia-Gómez A, et al. Epidemiology of injuries in professional football: a systematic review and meta-analysis. Br J Sports Med. 2019; 54: 711-8. doi:10.1136/bjsports-2018-099577

  3. Verhagen E, Okholm Kryger K, Bahtijarevic Z, et al. Injury incidence and patterns in men's UEFA EURO 2024 and CONMEBOL Copa America 2024: descriptive findings from two simultaneously staged tournaments. BMJ Open Sport Exerc Med. 2025; 11: e002671. doi:10.1136/bmjsem-2025-002671