Kohlenhydratzufuhr: Menge und Timing sind entscheidend

Kohlenhydratzufuhr: Menge und Timing sind entscheidend
KI-generiert

Seit Langem gilt eine ausreichende Versorgung mit Kohlenhydraten als Voraussetzung für hohe Belastungsintensitäten und eine schnelle Regeneration. Zwei aktuelle Publikationen zeigen jedoch, dass neben der Menge auch der Zeitpunkt der Kohlenhydratzufuhr darüber entscheidet, wie der Organismus Substrate nutzt und welche metabolischen Anpassungen nach dem Training stattfinden. (1, 2)

Der Übersichtsartikel von Axsom und Arany (1) beschreibt den aktuellen Wissensstand zum Energiestoffwechsel während aerober sportlicher Belastung. Mit steigender Intensität nimmt der Sauerstoffverbrauch nahezu linear zu und der Organismus verschiebt seine Energiegewinnung zunehmend von der Fett- zur Kohlenhydratoxidation. Während Fette vor allem bei niedriger Intensität dominieren, werden Kohlenhydrate bei intensiver Belastung zur wichtigsten Energiequelle. Dieser Wechsel lässt sich näherungsweise über den respiratorischen Austauschquotienten erfassen. Dessen Aussagekraft ist jedoch begrenzt, da er beispielsweise nicht zwischen Blutglukose und gespeichertem Glykogen unterscheidet und bei hohen Belastungsintensitäten die Kohlenhydratoxidation überschätzen kann. Moderne Methoden wie Metabolomics und Isotopenmarkierung ermöglichen inzwischen deutlich tiefere Einblicke in den menschlichen Energiestoffwechsel während körperlicher Belastung (1).

Die Autoren betonen außerdem, dass der Energiestoffwechsel keineswegs ausschließlich in der arbeitenden Muskulatur stattfindet. Leber, Fettgewebe und weitere Organe tragen wesentlich dazu bei, den erhöhten Energiebedarf während längerer Ausdauerbelastungen zu decken. Gleichzeitig bestehen trotz jahrzehntelanger Forschung weiterhin Wissenslücken, insbesondere hinsichtlich der Stoffwechselvorgänge im Menschen unter realen Trainingsbedingungen (1).

Energiestoffwechsel ist mehr als Muskelarbeit

Wie relevant die zeitliche Platzierung der Kohlenhydratzufuhr sein kann, untersuchte die Arbeitsgruppe um Mattsson in einer randomisierten Cross-over-Studie an zehn gut trainierten Ausdauerradsportlern. Alle Teilnehmer erhielten eine individuell berechnete Ernährung mit identischer Energie und Makronährstoffzufuhr. Der entscheidende Unterschied zwischen den Versuchsbedingungen bestand darin, ob die während der Belastung oxidierte Kohlenhydratmenge etwa zwei Stunden vor oder unmittelbar nach einer intensiven abendlichen Trainingseinheit aufgenommen wurde (2).

Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild. Eine Kohlenhydratzufuhr vor dem Training führte während der Belastung zu niedrigeren Blutzuckerwerten, ohne die wahrgenommene Belastung oder die Zeitfahrleistung zu beeinflussen. Wurden die Kohlenhydrate dagegen erst nach dem Training aufgenommen, fiel die Glukosetoleranz am folgenden Morgen im oralen Glukosetoleranztest schlechter aus. Gleichzeitig verbesserten sich jedoch die metabolische Flexibilität und die Kohlenhydratoxidation während des Tests deutlich. Offenbar beeinflusst das Timing der Kohlenhydratzufuhr die Substratnutzung am folgenden Morgen. Ob sich daraus Vorteile für nachfolgende Belastungen oder langfristige Trainingsanpassungen ergeben, wurde nicht explizit untersucht (2).

Timing der Kohlenhydratzufuhr als Bestandteil der Trainingsstrategie

Für die sportmedizinische Praxis ergeben sich daraus wichtige Konsequenzen. Eine unmittelbare Kohlenhydratzufuhr unmittelbar nach dem Training kann einzelne Stoffwechselparameter am folgenden Morgen unterschiedlich beeinflussen. Stehen innerhalb kurzer Zeit weitere intensive Belastungen an, bleibt eine rasche Kohlenhydratzufuhr sinnvoll, um die Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Welche zeitliche Strategie langfristige Trainingsanpassungen am besten unterstützt und ob eine zeitlich verzögerte Zufuhr von Kohlenhydraten andere metabolische Prozesse begünstigen kann, lässt sich aus den vorliegenden Ergebnissen noch nicht ableiten (2).

Die beiden Arbeiten verdeutlichen damit einen Wandel im Verständnis der Sporternährung. Carbohydrate Fueling sollte nicht mehr ausschließlich anhand fester Zufuhrempfehlungen beurteilt werden. Entscheidend sind vielmehr Trainingsziel, Belastungsprofil und Regenerationszeit. Moderne Ernährungsstrategien entwickeln sich damit zunehmend zu individualisierten Konzepten, bei denen nicht nur die richtige Menge, sondern auch das richtige Timing der Kohlenhydratzufuhr über Leistungsfähigkeit und Trainingseffekt berücksichtigt werden sollte.

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. Axsom J, Arany Z. What do we know of human fuel use during aerobic exercise, and how do we know it? Physiology (Bethesda). 2026; 41: 0. doi:10.1152/physiol.00002.2025

  2. Mattsson S, Edin F, Trinh J, et al. Impact of carbohydrate timing on glucose metabolism and substrate oxidation following high-intensity evening aerobic exercise in athletes: a randomized controlled study. J Int Soc Sports Nutr. 2025; 22:2494839. doi:10.1080/15502783.2025.2494839