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Wenn die Luft wegbleibt – Sportlich aktiv trotz Asthma

Sportler, vor allem Olympioniken, wirken stark, unverletzbar, manchmal gar übermenschlich. Um solche Leistungen zu bringen, muss man doch gesund sein, oder? Doch bei nicht wenigen streikt die Lunge bei Belastung.

Wenn  die Luft  wegbleibt – Sportlich aktiv trotz Asthma
© pololia/fotolia

Bereits Aretaios von Kappadokien, ein Anhänger der Pneumatiker, der im 2. Jahrhundert vor Christus lebte, beschrieb eine praktisch noch immer gültige Definition des belastungsinduzierten Asthmas: »Wenn der Atem beim Laufen, bei gymnastischen Übungen oder bei sonstiger Arbeit schwerer wird, nennt man dies Asthma«. Es tritt folglich nur bei, vor allem aber nach Beendigung der Belastung auf. Die gesteigerte Atmung reizt hierbei die Atemwege auf eine Weise, dass es in leichten Fällen zu Husten, in schwereren Fällen zu einer geräuschvollen Atmung (Giemen), Atemnot, Enge der Brust oder gelegentlich zu vermehrtem Auswurf kommt. »Man kann sagen, es handelt sich um eine unkomfortable Atmung nach Belastungsende, die 10 bis 30 Minuten anhält«, erklärt Prof. Stephan Sorichter, Chefarzt an der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin am RkK St. Josefskrankenhaus in Freiburg.

Edelmetall trotz Lungenverfall?

Unter Sportlern ist diese Form des Asthmas nicht selten. Doch in den 1980er- und 1990er-Jahren gewann man den Eindruck, Belastungsasthma sei ansteckend. Wie eine Epidemie verbreitete es sich unter den Spitzensportlern weltweit. Teilweise waren, vielleicht sollte man besser »bezeichneten sich« sagen, bis zu 80 Prozent der Athletinnen und Athleten in manchen Sportarten als Asthmatiker. So kamen sie in den Genuss, Medikamente konsumieren zu können, die auf der Dopingliste stehen und von denen sie sich Vorteile erhofften. Inzwischen haben sich sowohl die Dopingregularien geändert als auch die Prävalenz. Über alle Sportarten hinweg betrachtet, liegt die Häufigkeit zwischen 5 und 10 Prozent. Das ist vergleichbar mit dem Vorkommen in der Allgemeinbevölkerung. Bei einigen Sportarten sind jedoch bis zu 25 Prozent der Athletinnen und Athleten betroffen.

Das ist vor allem in den Ausdauersportarten der Fall, in denen, neben dem hohen Trainingsumfang, zusätzliche Faktoren die Lunge stärker reizen können als bei anderen Sportarten. Bei den nordischen Sportarten (Langlauf, Biathlon) ist es vor allem die kalte Luft, bei Läufern, Radfahrern und Triathleten sind es gesundheitsschädliche Stoffe in der Luft, bei Eisschnellläufern Stickoxide von Kältemaschinen oder Feinstpartikel von Poliermaschinen und bei Schwimmern chlor-organische Verbindungen wie Mono- und Trichloramine.

Da die Limitierung der körperlichen Leistungsfähigkeit zuallererst vom Herz-Kreislauf-System und der Muskulatur ausgeht, kann durch eine konsequente Therapie die körperliche Leistungsfähigkeit vollständig hergestellt werden. Das spiegelt sich auch in den erkämpften Edelmetallen wider: Bei den Winterspielen in Salt Lake City im Jahr 2002 gewannen die 5,7 Prozent der asthmakranken Athleten 15,6 Prozent der zu vergebenden Medaillen, bei den Sommerspielen 2004 in Athen errangen 7,7 Prozent 14,4 Prozent der Medaillen.

Bild Stephan Sorichter
Prof. Stephan Sorichter, Chefarzt am St. Josefskrankenhaus, Freiburg © Sorichter

Verschafft denn nun aber die Einnahme der Präparate einen Vorteil? »Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass inhalative Beta2-Agonisten und Steroide in einer medizinisch adäquaten Dosierung die Leistung von Sportlern ohne Asthma nicht steigern oder anderen Nutzen bringen. Durch die Medikation wird es den Asthmatikern aber ermöglicht, ihren Sport auf hohem Niveau auszuführen«, erklärt Prof. Dr. Stephan Sorichter.