Gesunder Lebensstil, längeres Krebsüberleben

Gesunder Lebensstil, längeres Krebsüberleben
© yta / Adobe Stock (KI-modifiziert)

Dass ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, normalem Gewicht und Verzicht auf schädliche Substanzen – etwa Nikotin oder Alkohol – die Mortalität senkt, ist längst allgemeiner Konsens. Auch der Einfluss gesunder Gewohnheiten auf die Mortalität bei Krebs wird nicht allein durch tumorspezifische Faktoren bestimmt. Weil Krebspatienten innerhalb der Gesellschaft eine wachsende, klinisch heterogene Population darstellen und immer besser behandelt werden können, hat eine prospektive Kohortenstudie die Effekte individueller Lebensstil-Parameter – einzeln, kombiniert und kumulativ – auf das Langzeit-Krebsüberleben nach onkologischer Primärtherapie untersucht (1).

Für die Arbeit wertete das deutsche Studienteam bekanntermaßen gesundheitsrelevante Lebensstilfaktoren von insgesamt 6057 Personen (medianes Alter 69 Jahre, ca. 52 Prozent Frauen) aus, die durchschnittlich acht Jahre nach der Diagnose und Behandlung einer Brust-, Prostata- oder Darmkrebserkrankung noch lebten. Zur Quantifizierung des Lebensstils wurde ein Healthy Lifestyle Score (HLS; 0–4 Punkte) basierend auf Alkoholkonsum, BMI, körperlicher Aktivität und Rauchstatus gebildet. Höhere Werte entsprachen einer besseren Adhärenz zu den jeweiligen gängigen Präventionsempfehlungen, wobei jedem Lebensstilfaktor bei vollständiger Empfehlungseinhaltung ein ganzer, bei teilweiser Einhaltung ein halber und bei Nichteinhaltung kein Punkt zugeordnet wurde. In das am niedrigsten adhärente Terzil (0–2 Punkte) fielen 2576 Personen, in die mittel adhärente Gruppe (2,5 Punkte) 1409 und in die hoch adhärente Gruppe (3–4 Punkte) 2072 Personen. Auffallend war der hohe Anteil an Frauen sowie besser gebildeten, verheirateten und weniger komorbiden Patienten unter den Hochadhärenten.

Dabei zeigte sich eine klare inverse Assoziation zwischen HLS und Gesamtmortalität: Pro zusätzlichem Punkt im HLS reduzierte sich die Gesamtmortalität um 22 Prozent. Im Vergleich zum niedrigsten Terzil war die Mortalität im mittleren Terzil um 27 und im höchsten Terzil um 32 Prozent verringert. Bei jüngeren Überlebenden war dieser Effekt ausgeprägter als bei älteren; Gleiches galt in der Sensitivitätsanalyse nach Ausschluss von Personen mit aktiver Turmorerkrankung, potenziell letalen Komorbiditäten oder Untergewicht.

Signifikante Zusammenhänge zeigten sich auch auf Ebene einzelner Lebensstilfaktoren: Wer niemals geraucht hatte, durfte sich über die mit 49 Prozent stärkste Risikoreduktion freuen und auch Exraucher profitierten von einer um 29 Prozent niedrigeren Mortalität gegenüber Rauchern. Die vollständige Einhaltung der Empfehlungen für körperliche Aktivität hatte mit 22 Prozent ebenfalls einen großen positiven Einfluss, wohingegen sich ein suboptimales Bewegungsverhalten statistisch nicht signifikant auswirkte. Ein normaler BMI schlug im Vergleich zu adipösen Werten mit 13 Prozent, moderates Übergewicht mit sogar 23 Prozent geringerer Mortalität zu Buche, was die Autoren dem bekannten „Übergewichtsparadoxon“ zuschreiben. Für Alkoholkonsum ergab sich kein signifikanter Zusammenhang zum Krebsüberleben. Die beobachteten Effekte erwiesen sich als robust in Sensitivitätsanalysen (u. a. Ausschluss von Patienten mit aktiver Krebserkrankung, Untergewicht oder schweren Komorbiditäten) und konsistent über verschiedene Subgruppen hinweg (z. B. Alter, Geschlecht, Tumorart und kardiometabolische Komorbiditäten).

Fazit: Ein gesunder Lebensstil ist für das Langzeit-Krebsüberleben mit einer signifikant reduzierten Gesamtmortalität assoziiert – unabhängig von klinischen Charakteristika. Insbesondere Rauchverzicht, ausreichende körperliche Aktivität und ein normales Körpergewicht erscheinen als zentrale modifizierbare Prognosefaktoren.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Zhu C, Thong MSY, Doege D, et al. Lifestyle factors and all-cause mortality in long-term cancer survivors: a population-based prospective cohort study. Eur J Epidemiol. 2026; 41: 161-171. doi:10.1007/s10654-025-01350-6