EPO macht Radfahrer nicht schneller

EPO macht Radfahrer nicht schneller
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EPO (rekombinantes humanes Erythropoietin, rHuEPO) induziert die Erythrozytenbildung und erhöht dadurch die Blutkonzentration des Hämoglobins. Man geht davon aus, dass durch diesen Prozess die Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff verbessert und die Leistungsfähigkeit erhöht wird. Die Evidenz dafür ist trotz einer Reihe von Untersuchungen noch gering und Untersuchungen an Spitzenathleten sind aufgrund der opingbestimmungen nicht möglich.

Eine niederländische Arbeitsgruppe hat in einer prospektiven randomisierten, doppel­blinden Studie an 48 gut ausdauertrainierten Amateurradfahrern untersucht, wie sich EPO (im Durchschnitt 6000 IU/Woche) bzw. Placeboinjektionen über acht Wochen (einmal wöchentlich) auf die Leistungsfähigkeit auswirken (1). Gemessen wurde die maximale Leistung (Pmax) und die submaximale Leistung bei einem Ergometertest (Erhöhungen um 25 Watt alle 5 Minuten ausgehend von 175 Watt) sowie die Leistungsfähigkeit bei einem Wettkampf am Mont Ventoux. In der EPO-Gruppe war das Ziel, die Hämoglobin-Konzentration um 10 bis 15 Prozent gegenüber den Ausgangswerten zu steigern. Dementsprechend wurde die Dosierung des EPO von einem unverblindeten Betreuer angepasst. Die Ergebnisse der Tests zeigen, dass die Pmax in der EPO-Gruppe im Schnitt um 10,32 Watt höher lag (351,55 W vs. 341,23 W). Im submaximalen Stufentest sind die Unterschiede mit 5,9 Watt zugunsten der EPO-Gruppe noch geringer. Im Wettkampf am Mont Ventoux konnten keine Unterschiede mehr zwischen der Placebo- und der EPO-Gruppe festgestellt werden.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Behauptungen von starken Effekten des EPO nicht gehalten werden können und dass die Ergebnisse dazu beitragen könnten, den Anreiz für die Verwendung von EPO zu verringern. Unklar ist, wie gut die Effekte bei den Amateurradfahrern bei einem solch extremen Anstieg (21 km, 1650 Höhenmeter, durchschnittlich 7,5 Prozent Steigung) direkt auf Profifahrer übertragen werden können, wenngleich die Wattzahlen und die gefahrene Zeit auf den Mont Ventoux von weit über dem Hobbyniveau fahrenden Athleten zeugt.

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Heuberger JAAC, Rotmans JI, Gal P, Stuurman FE, van't Westende J, Post TE, Daniels JMA, Moerland M, van Veldhoven PLJ, de Kam ML, Ram H, de Hon O, Posthuma JJ, Burggraaf J, Cohen AF. Effects of erythropoietin on cycling performance of well trained cyclists: a double-blind, randomised, placebo-controlled trial. Lancet Haematol. 2017; 4: e374-e386. doi:10.1016/S2352-3026(17)30105-9