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Cannabis – bei Sportlern beliebt: Rauschmittel, Medizin oder Doping?

Cannabis – bei Sportlern beliebt: Rauschmittel, Medizin oder Doping?
© herbalhemp / pixabay

Cannabis, Marihuana, Haschisch und synthetisches Tetrahydrocannabinol (THC) stehen auf der »in-competition«-Dopingliste der WADA. Während des Wettkampfs dürfen diese Substanzen nicht eingenommen werden. In der Trainingsphase sind sie hingegen nicht explizit verboten. Damit könnte dieser Artikel auch schon zu Ende sein – doch die Sache ist komplexer. Denn Cannabis befindet sich in einem gleich mehrfachen Zwitterstatus: zwischen legal und illegal, zwischen Medikament und Droge, zwischen harmlos und gefährlich.

Seit einigen Jahren bewegt sich Cannabis vielerorts aus der Illegalität heraus. Neben seiner Legalisierung für medizinische Behandlungen, wie sie in mehreren Ländern vollzogen wurde – darunter 2017 durch eine Gesetzesänderung auch Deutschland – hat Kanada im Herbst 2018 Cannabis auch für den Privatgebrauch freigegeben. In Uruguay und anderen Ländern darf sogar eine begrenzte Zahl an Hanfpflanzen angebaut werden. Anders in den Niederlanden: Dort ist Cannabis entgegen der allgemeinen Meinung nicht legal, sondern wird nur offen toleriert. Regierungen, die Cannabis nun legalisieren, hoffen damit eine bessere Kontrolle über den Markt zu bekommen und die Substanz sowie den Handel damit zu entkriminalisieren.

In Deutschland ist der Erwerb und Besitz, nicht aber der Konsum von Cannabis, seinen Pflanzenteilen, Haschisch und THC für den Privatgebrauch verboten. Sogenannte »geringe Mengen«, deren Höhe je nach Bundesland variiert, sind davon ausgenommen. THC unterliegt Anlage II des Betäubungsmittelgesetzes. Seit der Verabschiedung des so genannten Cannabisgesetzes am 10. März 2017 haben Ärzte die Möglichkeit, Cannabisblüten und -extrakte zu verordnen. Damit zusätzlich die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss die Krankheit »schwer« sein und der Patient austherapiert.

 

Strukturformeln Wirkstoffe Cannabis
Strukturformeln der wichtigsten Cannabis-Wirkstoffe © bacsica / fotolia

Wundertüte Cannabis

Die Cannabispflanze enthält über 500 chemische Verbindungen, darunter 104 bislang isolierte Phytocannabinoide. Die bekanntesten und pharmakologisch am besten untersuchten davon sind das Tetrahydrocannabinol (THC) mit seinen Derivaten und Cannabidiol (CBD). Des Weiteren gibt es Cannabigeril (CBG), Cannabichromene (CBC), Cannabinodiol (CBND), Cannabielsoin (CBE), Cannabicyclol (CBL), Cannabinol (CBN), Cannabitriol (CBT), zahlreiche Variationen dieser chemischen Grundsubstanzen und Cannabinoid-ähnliche Substanzen. Den Cannabinoiden, vor allem THC und CBD, werden die meisten nachweislich oder potenziell medizinisch relevanten Wirkungen zugeschrieben. Weiterhin enthält die Cannabispflanze zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Steroide, Fettsäuren sowie über 100 verschiedene Terpene. Sie erfüllen unterschiedliche biologische Funktionen und fungieren z. B. als charakteristische Geruchsstoffe für Pflanzen. Andererseits scheinen sie auch pharmakologisch interessant zu sein. Die Kombinationen und Mengen an Phytocannabinoiden und sekundären Pflanzenstoffen variieren zwischen einzelnen Cannabisstämmen zum Teil stark. Das führt zu einer großen Vielfalt: Allein der THC-Gehalt kann zwischen 0,4 und 22 Prozent, der CBD-Gehalt zwischen <1 und 9 Prozent liegen. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)