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Fortsetzung Cannabis – bei Sportlern beliebt: Rauschmittel, Medizin oder Doping?

CBD als Schmerzmittel im Sport?

CBD in Form von Ölen erfährt derzeit einen großen Hype. Im Sport wird es wegen seiner schmerzlindernden und antientzündlichen Eigenschaften eingesetzt. Das Nebenwirkungsprofil ist häufig günstiger als bei anderen Schmerzmitteln (z. B. NSAR und Opioide). Dass Schmerzen im Sport Alltag sind, zeigen immer wieder Untersuchungen über die Einnahme von Schmerzmitteln bei Hochleistungsathleten. Viele Sportler sagen selbst, sie seien an keinem Tag schmerzfrei. In der amerikanischen Football-Liga NFL ist offenbar die Einnahme von Cannabis zu medizinischen Zwecken Standard. Der Spieler Martellus Bennett schätzt die Verbreitung in der NFL auf 89 Prozent (9). Wie weit er daneben liegt, ist unklar. Untersuchungen über die »sportliche« Nutzung von Cannabis haben ergeben, dass bei Selbstauskunft weniger Athleten die Verwendung zugeben, als bei toxikologischen Tests positiv auffallen. Doch die Aussage von Bennett stimmt nachdenklich.

Cannabis – eine Option in der Sportmedizin?

Klar ist, dass die Dopingthematik grundsätzlich den Einsatz von Cannabis oder Cannabinoiden, insbesondere THC, bei Wettkampfsportlern limitiert. Im Gegensatz dazu sind die meisten anderen Sedativa, Anxiolytika und Schmerzmittel von der WADA nicht verboten. Dennoch lohnt sich ein Blick in mögliche Einsatzbereiche, die für Freizeit- und Breitensportler bei Verletzungen von Bedeutung sein können. CBD etwa fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz und steht nicht auf der WADA-Liste. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten in der Regel nicht. Jedoch können die Produkte als CBD-Öl in Apotheken und teilweise sogar in Drogeriemärkten erworben werden.

Die Evidenz für die Wirkung von CBD bei Schmerzen ist noch immer gering. Dennoch wird immer wieder von schmerzlindernden Effekten berichtet oder davon, dass das Schmerzempfinden moduliert wird. Bei Patienten mit chronischen Schmerzen, bei denen andere Schmerzmittel nicht oder nicht ausreichend wirken, könnte CBD eine ergänzende Option sein. Eine andere Anwendungsmöglichkeit sind Knochenverletzungen. So zeigte etwa eine Studie an Ratten eine signifikant schnellere Knochenheilung durch die Gabe von CBD (6).

Im Internet berichten zahlreiche Sportler, dass sie CBD zur Förderung der Regeneration einnehmen. Die antientzündliche, antioxidative und beruhigende Wirkung spräche dafür. Zudem kann CBD zur Reduktion von Stress und Anspannung beitragen und fördert bei vielen Menschen einen erholsamen Schlaf. Die Einnahme bei Sportlern ist daher vom Grundsatz her möglich, sollte aber dennoch nicht ohne ärztliche Beratung erfolgen. Typische Nebenwirkungen sind Übelkeit, Unwohlsein oder Kopfschmerzen. Von Bedeutung ist zudem die Qualität des CBD-Öls. Derzeit ist es nicht immer leicht herauszufinden, wie vertrauenswürdig ein Produkt ist. So ergaben mehrere Untersuchungen, dass die auf der Packung angegebene CBD-Konzentration in vielen Fällen nicht mit der tatsächlich enthaltenen übereinstimmt. Außerdem weisen einige Produkte, entgegen den Angaben, geringe Mengen an THC auf (bis zu einem Gehalt von 0,2 Prozent ist es nicht strafrechtlich relevant). Eine kritische Auswahl ist also unabdingbar.

Die Diskussionen um Cannabis und Cannabinoide, deren Legalisierung und die Einsatzmöglichkeiten in der Medizin sind in vollem Gange. Weitere Studien werden hoffentlich mehr Licht ins Dunkel bringen und die Anwendungsbereiche mit Evidenz be- oder widerlegen. Egal welche gesetzlichen Vorgaben getroffen werden: Der Sport muss sich damit auseinandersetzen, welche Form der Regelung gefunden werden soll. Bedeutsam scheint die Beobachtung einer niederländischen Forschungsgruppe, dass die Prävalenz unter Sportlern in den letzten Jahren signifikant angestiegen ist. Eine Untersuchung zeigte, dass der Cannabiskonsum von Amateur-Eliteathleten vorwiegend (61 Prozent) wegen des sozialen Umfelds oder als Freizeitdroge erfolgt und kaum (0,6 Prozent) mit dem Ziel einer Leistungssteigerung. Dies zeigt: Soziale Normen beeinflussen auch Sportler in ihrer Einstellung gegenüber bewusstseinsverändernden Substanzen. Die Änderung der gesellschaftlichen Einstellung zu Cannabis kann daher den Konsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen modulieren – egal ob Sportler oder nicht und egal ob als Freizeitkonsum oder Doping. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)