Cannabis – bei Sportlern beliebt: Rauschmittel, Medizin oder Doping?

Cannabis – bei Sportlern beliebt: Rauschmittel, Medizin oder Doping?
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Cannabis, Marihuana, Haschisch und synthetisches Tetrahydrocannabinol (THC) stehen auf der »in-competition«-Dopingliste der WADA. Während des Wettkampfs dürfen diese Substanzen nicht eingenommen werden. In der Trainingsphase sind sie hingegen nicht explizit verboten. Damit könnte dieser Artikel auch schon zu Ende sein – doch die Sache ist komplexer. Denn Cannabis befindet sich in einem gleich mehrfachen Zwitterstatus: zwischen legal und illegal, zwischen Medikament und Droge, zwischen harmlos und gefährlich.

Seit einigen Jahren bewegt sich Cannabis vielerorts aus der Illegalität heraus. Neben seiner Legalisierung für medizinische Behandlungen, wie sie in mehreren Ländern vollzogen wurde – darunter 2017 durch eine Gesetzesänderung auch Deutschland – hat Kanada im Herbst 2018 Cannabis auch für den Privatgebrauch freigegeben. In Uruguay und anderen Ländern darf sogar eine begrenzte Zahl an Hanfpflanzen angebaut werden. Anders in den Niederlanden: Dort ist Cannabis entgegen der allgemeinen Meinung nicht legal, sondern wird nur offen toleriert. Regierungen, die Cannabis nun legalisieren, hoffen damit eine bessere Kontrolle über den Markt zu bekommen und die Substanz sowie den Handel damit zu entkriminalisieren.

In Deutschland ist der Erwerb und Besitz, nicht aber der Konsum von Cannabis, seinen Pflanzenteilen, Haschisch und THC für den Privatgebrauch verboten. Sogenannte »geringe Mengen«, deren Höhe je nach Bundesland variiert, sind davon ausgenommen. THC unterliegt Anlage II des Betäubungsmittelgesetzes. Seit der Verabschiedung des so genannten Cannabisgesetzes am 10. März 2017 haben Ärzte die Möglichkeit, Cannabisblüten und -extrakte zu verordnen. Damit zusätzlich die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss die Krankheit »schwer« sein und der Patient austherapiert.

 

Strukturformeln Wirkstoffe Cannabis
Strukturformeln der wichtigsten Cannabis-Wirkstoffe © bacsica / fotolia

Wundertüte Cannabis

Die Cannabispflanze enthält über 500 chemische Verbindungen, darunter 104 bislang isolierte Phytocannabinoide. Die bekanntesten und pharmakologisch am besten untersuchten davon sind das Tetrahydrocannabinol (THC) mit seinen Derivaten und Cannabidiol (CBD). Des Weiteren gibt es Cannabigeril (CBG), Cannabichromene (CBC), Cannabinodiol (CBND), Cannabielsoin (CBE), Cannabicyclol (CBL), Cannabinol (CBN), Cannabitriol (CBT), zahlreiche Variationen dieser chemischen Grundsubstanzen und Cannabinoid-ähnliche Substanzen. Den Cannabinoiden, vor allem THC und CBD, werden die meisten nachweislich oder potenziell medizinisch relevanten Wirkungen zugeschrieben. Weiterhin enthält die Cannabispflanze zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Steroide, Fettsäuren sowie über 100 verschiedene Terpene. Sie erfüllen unterschiedliche biologische Funktionen und fungieren z. B. als charakteristische Geruchsstoffe für Pflanzen. Andererseits scheinen sie auch pharmakologisch interessant zu sein. Die Kombinationen und Mengen an Phytocannabinoiden und sekundären Pflanzenstoffen variieren zwischen einzelnen Cannabisstämmen zum Teil stark. Das führt zu einer großen Vielfalt: Allein der THC-Gehalt kann zwischen 0,4 und 22 Prozent, der CBD-Gehalt zwischen <1 und 9 Prozent liegen. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)

Das Endocannabinoidsystem und seine Funktionen

Ihre Wirkungen im Körper erzielen Phytocannabinoide über das körpereigene Cannabinoidsystem, auch Endocannabinoidsystem genannt. Es besteht aus mindestens zwei Rezeptoren, den G-Protein-gekoppelten Cannabinoidrezeptoren 1 (CB1-R) und 2 (CB2-R), den körpereigenen Liganden Anandamid (AEA) und 2-Arachidonylglycerol (2-AG) sowie Enzymen, die für die Synthese und den Abbau der Moleküle zuständig sind (z. B. die Fettsäureamid-Hydrolase FAAH). Das Endocanna­binoidsystem steuert bzw. hemmt die Aktivität aller Neurotransmitter (Dopamin, GABA, Glutamat, Serotonin, Glycin u. a.) über eine Aktivierung der Cannabinoidrezeptoren. CB1-R finden sich im Nervensystem sowie vielen weiteren Organen und Geweben, CB2-R vorwiegend auf Zellen des Immunsystems und in einigen Gehirn­regionen.

Die breite Verteilung der Rezeptoren lässt eine Beteiligung an zahlreichen Funktionen vermuten, darunter das Angst- und Belohnungssystem, Lernfähigkeit und Gedächtnisbildung, die Steuerung von Stressreaktionen, Schlaf, Schmerz, Appetit, Motilität und Temperatur, Neuroprotektion und viele weitere. Wissenschaftler vermuten, dass manche Erkrankungen auf Störungen des Endocannabinoidsystems beruhen könnten. Beispielsweise hat man in bestimmten Krebszellen eine erhöhte Anzahl an Cannabinoidrezeptoren gefunden. Daher stammt die Hypothese, dass man Störungen des Endocannabinoidsystems, die durch ein Zuviel oder Zuwenig an Rezeptoren oder Endocannabinoiden (AEA, 2-AG) bedingt sind, durch die Zufuhr von Cannabinoiden aus der Cannabispflanze entgegengesteuern kann. Man vermutet das beispielsweise bei Migräne, Reizdarm und Fibromyalgie.

Medizinisches Marihuana
Marihuana: Harzhaltige, getrocknete Blütentrauben und blütennahe Blätter © Michael / fotolia

Medizinischer Nutzen

Wie bereits erwähnt, ist die Datenlage zur Wirkung von Cannabis bzw. Cannabinoiden auf viele Krankheiten, Symptome und Syndrome noch ungenügend. Für einige Anwendungsbereiche gibt es aber bereits ausreichend Evidenz, um einen Einsatz zu rechtfertigen. So können Multiple-Skle­rose-Patienten mit einer mittelschweren bis schweren Spastik von medizinischem Cannabis profitieren. Auch bei chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen ist medizinisches Cannabis (v. a. THC) wirksam: CBD zeigt in vitro antiinflammatorische, antikonvulsive, anxiolytische und antiemetische Wirkungen. Einige der Effekte konnten auch in Patientenstudien gezeigt werden, doch die diesbezügliche Beweislage ist noch dünn mit Ausnahme bestimmter Formen der Epilepsie (7). Eine Reihe von Untersuchungen stellte für THC und/oder CBD Antitumorwirkungen fest. Bei welchen Krebsarten Cannabinoide sinnvoll eingesetzt werden können, wird vielerorts untersucht.

Wenngleich die Zuschreibung »Wundermittel« stark übertrieben ist, beruht die Wirkung auf mehr als nur Placebo plus Rausch. Trotz noch geringer Evidenz berichten Patienten weltweit von günstigen Einflüssen auf ihre Beschwerden. Unbedingt unterscheiden muss man die Einnahme von Cannabis zu medizinischen Zwecken und zum Freizeitgebrauch. Während für letzteren wissentlich und willentlich eine Überdosierung herbeigeführt wird, um die psychotropen Effekte zu erleben, erfolgt die Dosierung von THC im medizinischen Kontext so niedrig, dass kein oder kaum ein Rausch entsteht. Die Dosierung wird so angepasst, dass keine Beeinträchtigungen im Alltag stattfinden, während eine Wirkung auf das zu behandelnde Symptom noch spürbar ist. CBD hat im Gegensatz zu THC keine psychotrope Wirkung – im Gegenteil: Es ist in der Lage, die Wirkung des THCs abzuschwächen. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)

Cannabis bei Sportlern

Cannabis ist bei Sportlern beliebt. Unter jugendlichen Athleten gaben zwar nur 2,7 Prozent an, Cannabis im letzten Jahr konsumiert zu haben (2), doch bei Erwachsenen ist Cannabis (30,3 Prozent) nach Alkohol (82,6 Prozent) die am häufigsten konsumierte Substanz (1) – und das, obwohl es auf der WADA-Dopingliste steht. Zum Vergleich: 2016 gaben in der Normalbevölkerung 6,9 Prozent der 12- bis 17-Jährigen und 16,8 Prozent der 18- bis 25-Jährigen den Konsum an (3). Die WADA setzt eine Substanz auf die Liste, wenn mindestens eines von drei Kriterien erfüllt ist:
1. Potenzial zur Leistungssteigerung oder nachweisbare Leistungssteigerung
2. Gesundheitsgefährdung des Athleten
3. Verletzung des Sportsgeistes

Für Cannabis gibt es keine Evidenz für eine direkte Leistungssteigerung (11). Diese könnte aber sekundär gegeben sein. Eigentlich beeinflusst Cannabis viele Prozesse negativ, die für Hochleistung notwendig sind: Es führt zu Schwindel, Benommenheit, verlangsamt die Reaktionszeit, verschlechtert die Koordination und stört das Raum- und Zeitempfinden. Gleichzeitig entspannt es jedoch die Muskulatur, wirkt in niedriger Dosis angstlösend, verstärkt impulsives Verhalten, verringert das Schmerzempfinden, erhöht die Herzfrequenz sowie die Vaso- und Broncho­dilatation.

Diese Eigenschaften könnten – einzeln oder in Kombination – Athleten dabei helfen, etwa unter Druck besser zu agieren. Die Muskelrelaxation zusammen mit erhöhter Risikobereitschaft kann außerdem in Risikosportarten unterstützend wirken. Sportler berichten davon, dass ihre Gedanken leichter fließen und (kreative) Entscheidungsprozesse besser werden. Andere beschreiben, dass sie weniger Schmerz empfinden oder diesen besser aushalten und die Konzentration sich verbessert. Auch der mit dem Konsum einhergehende tiefere Schlaf und die Eindämmung unangenehmer Gefühle können bestimmten Sportlern helfen, mit Trainingsbelastungen, Druck, Misserfolgen oder Verletzungen umzugehen (5).

Verschiedene Untersuchungen haben eruiert, in welchen Sportarten oder bei welchen Sportlern Cannabis besonders verbreitet ist. Dabei gab es teilweise ähnliche Ergebnisse, z. B. eine höhere Prävalenz in Risikosportarten und bei Männern, aber auch widersprüchliche Aussagen, z. B. bei der Frage, ob Elite- oder Freizeitsportler mehr Cannabis konsumieren. In mehreren Untersuchungen gaben Athleten an, Cannabis aus sozialen Gründen oder zur Erholung zu konsumieren. Etwa 12,5 Prozent nehmen die Substanz aus Gründen, die mit dem Sport zu tun haben, 36 Prozent sportunabhängig. Diejenigen, die Cannabis zur Steigerung ihrer sportlichen Leistung konsumieren, sind häufig auf nationaler oder internationaler Ebene aktiv und betreiben verhältnismäßig häufig Skeleton, Bobfahren und Eishockey. Doch auch im Snowboard- und Skisport, beim Tennis, Segeln und Kajakfahren scheint Cannabis nicht unüblich zu sein.
Bei Frauen steigt die Prävalenz mit dem Leistungsniveau. International aktive Frauen konsumieren häufiger als darunterliegenden Klassen. Im Altersvergleich ist die Wahrscheinlichkeit bei älteren Elite­athleten höher als bei jüngeren (1).

Nicht leistungssteigernd, aber angstlösend

Aus den oben genannten potenziell leistungssteigernden oder die Risikobereitschaft erhöhenden Gründen ist Cannabis im Wettkampf verboten. Um Athleten zu überführen, die es einsetzen, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, hat man die Grenze zum Dopingvergehen auf 150 ng/ml Urin festgesetzt. Da Abbauprodukte des THC mehrere Tage bis sogar Wochen nach dem Konsum nachgewiesen werden können, war die Abgrenzung zwischen Freizeitkonsum und Wettkampfdoping beim früheren Grenzwert von 15 ng/ml Urin schwieriger. Athleten, die ohne Dopingvorsatz hin und wieder einen Joint rauchen, werden so geschützt.

Neben dem Aspekt der Leistungssteigerung verstößt die Einnahme von Cannabis vor allem gegen das zweite und dritte Kriterium der WADA: Sie gefährdet die Gesundheit, verstößt gegen den Sportsgeist und negiert sportliche Werte wie Ethik, Fair Play und Ehrlichkeit.

Körperliche Auswirkungen und Abhängigkeit

Auch wenn die körperlichen Auswirkungen von Cannabis relativ gering sind, kann die Erhöhung von Herzschlag und Blutdruck zu Problemen führen. Es sind Fälle bekannt, in denen Cannabis Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte und vermutlich auch Schlaganfälle verursacht oder begünstigt hat. Hierzu ist vermutlich eine Disposition notwendig. Zudem scheint die Häufigkeit des Konsums von Bedeutung. Gelegenheitskonsumenten haben ein deutlich geringeres Risiko (2,3-fach erhöht) als Personen, die wöchentlich oder öfter Cannabis zu sich nehmen (4,7-fach erhöht) (10).

Cannabis besitzt ein Abhängigkeitspotenzial. Es ist jedoch deutlich geringer als bei vielen anderen Substanzen und tritt nur beim chronischen Konsum größerer Mengen auf. Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass der THC-Gehalt bei illegal erworbenem Cannabis in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Über die Konsummengen bei Sportlern gibt es keine konkreten Untersuchungen. Da bei chronischem Konsum weitere negative Effekte auftreten (Lungenprobleme durch das Rauchen, Husten, kardiovaskuläre Schäden, Fettleber, psychische Störungen), scheint er mit Hochleistungssport schwer zu vereinbaren. Über kurz oder lang wäre ein positiver Dopingtest wahrscheinlich. Besonders der Cannabiskonsum von Jugendlichen ist kritisch zu bewerten, da zahlreiche Untersuchungen langfristige negative Wirkungen auf die Gehirnentwicklung, die Neigung zu Depressionen und die Selbstmordraten bestätigen (4).

Die Einflussmöglichkeiten von Canna­bis auf das Gehirn sind im Endocannabinoidsystem verortet. Es wirkt während der Kindheit an einer Reihe von Reifungsprozessen mit, z. B. an der kortikalen Entwicklung, der Regulation der Zelldifferenzierung oder der Differenzierung, Migration und dem Überleben von Nervenzellen. Strukturen im Gehirn, in denen eine große Anzahl von Cannabinoidrezeptoren vorhanden sind, sind bei Cannabiskonsumenten vorrangig von Strukturänderungen betroffen, so etwa die Amygdala, der Hippocampus, das Striatum und das Zerebellum. Während der massiven Umstrukturierungen des Gehirns in der Pubertät reagiert es besonders empfindlich auf äußere Einflüsse. Das bestätigen auch Untersuchungen, die zeigen, dass die strukturellen Unterschiede im Gehirn umso größer sind, je früher im Leben der Cannabiskonsum begonnen wurde. Zuletzt fand eine Untersuchung sogar Veränderungen im Gehirn nach einem selbst angegebenen Konsum von nur insgesamt zwei Joints (8).

Analysen ergaben, dass das Volumen der Grauen Substanz in Hirnregionen, in denen das Endocannabinoidsystem stark aktiv ist (z. B. Amygdala und Hippocampus), höher war als bei der Vergleichsgruppe. Ergänzend fanden die Wissenschaftler, dass die Jugendlichen aus der Cannabisgruppe in neuropsychologischen Tests schlechter abschnitten als die Kontrollgruppe. Logisches Denken, Arbeitsgeschwindigkeit und manuelle Geschicklichkeit waren schlechter als in der gleichaltrigen Kon­trollgruppe. Offenbar können bereits wenige Konsumereignisse ausreichen, um die Entwicklungsvorgänge im jugendlichen Gehirn zu verändern. Das ist auf jeden Fall eine wichtige Erkenntnis, die unbedingt in der Aufklärung über die Wirkungen von bewusstseinserweiternden Substanzen Raum finden muss. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)

CBD als Schmerzmittel im Sport?

CBD in Form von Ölen erfährt derzeit einen großen Hype. Im Sport wird es wegen seiner schmerzlindernden und antientzündlichen Eigenschaften eingesetzt. Das Nebenwirkungsprofil ist häufig günstiger als bei anderen Schmerzmitteln (z. B. NSAR und Opioide). Dass Schmerzen im Sport Alltag sind, zeigen immer wieder Untersuchungen über die Einnahme von Schmerzmitteln bei Hochleistungsathleten. Viele Sportler sagen selbst, sie seien an keinem Tag schmerzfrei. In der amerikanischen Football-Liga NFL ist offenbar die Einnahme von Cannabis zu medizinischen Zwecken Standard. Der Spieler Martellus Bennett schätzt die Verbreitung in der NFL auf 89 Prozent (9). Wie weit er daneben liegt, ist unklar. Untersuchungen über die »sportliche« Nutzung von Cannabis haben ergeben, dass bei Selbstauskunft weniger Athleten die Verwendung zugeben, als bei toxikologischen Tests positiv auffallen. Doch die Aussage von Bennett stimmt nachdenklich.

Cannabis – eine Option in der Sportmedizin?

Klar ist, dass die Dopingthematik grundsätzlich den Einsatz von Cannabis oder Cannabinoiden, insbesondere THC, bei Wettkampfsportlern limitiert. Im Gegensatz dazu sind die meisten anderen Sedativa, Anxiolytika und Schmerzmittel von der WADA nicht verboten. Dennoch lohnt sich ein Blick in mögliche Einsatzbereiche, die für Freizeit- und Breitensportler bei Verletzungen von Bedeutung sein können. CBD etwa fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz und steht nicht auf der WADA-Liste. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten in der Regel nicht. Jedoch können die Produkte als CBD-Öl in Apotheken und teilweise sogar in Drogeriemärkten erworben werden.

Die Evidenz für die Wirkung von CBD bei Schmerzen ist noch immer gering. Dennoch wird immer wieder von schmerzlindernden Effekten berichtet oder davon, dass das Schmerzempfinden moduliert wird. Bei Patienten mit chronischen Schmerzen, bei denen andere Schmerzmittel nicht oder nicht ausreichend wirken, könnte CBD eine ergänzende Option sein. Eine andere Anwendungsmöglichkeit sind Knochenverletzungen. So zeigte etwa eine Studie an Ratten eine signifikant schnellere Knochenheilung durch die Gabe von CBD (6).

Im Internet berichten zahlreiche Sportler, dass sie CBD zur Förderung der Regeneration einnehmen. Die antientzündliche, antioxidative und beruhigende Wirkung spräche dafür. Zudem kann CBD zur Reduktion von Stress und Anspannung beitragen und fördert bei vielen Menschen einen erholsamen Schlaf. Die Einnahme bei Sportlern ist daher vom Grundsatz her möglich, sollte aber dennoch nicht ohne ärztliche Beratung erfolgen. Typische Nebenwirkungen sind Übelkeit, Unwohlsein oder Kopfschmerzen. Von Bedeutung ist zudem die Qualität des CBD-Öls. Derzeit ist es nicht immer leicht herauszufinden, wie vertrauenswürdig ein Produkt ist. So ergaben mehrere Untersuchungen, dass die auf der Packung angegebene CBD-Konzentration in vielen Fällen nicht mit der tatsächlich enthaltenen übereinstimmt. Außerdem weisen einige Produkte, entgegen den Angaben, geringe Mengen an THC auf (bis zu einem Gehalt von 0,2 Prozent ist es nicht strafrechtlich relevant). Eine kritische Auswahl ist also unabdingbar.

Die Diskussionen um Cannabis und Cannabinoide, deren Legalisierung und die Einsatzmöglichkeiten in der Medizin sind in vollem Gange. Weitere Studien werden hoffentlich mehr Licht ins Dunkel bringen und die Anwendungsbereiche mit Evidenz be- oder widerlegen. Egal welche gesetzlichen Vorgaben getroffen werden: Der Sport muss sich damit auseinandersetzen, welche Form der Regelung gefunden werden soll. Bedeutsam scheint die Beobachtung einer niederländischen Forschungsgruppe, dass die Prävalenz unter Sportlern in den letzten Jahren signifikant angestiegen ist. Eine Untersuchung zeigte, dass der Cannabiskonsum von Amateur-Eliteathleten vorwiegend (61 Prozent) wegen des sozialen Umfelds oder als Freizeitdroge erfolgt und kaum (0,6 Prozent) mit dem Ziel einer Leistungssteigerung. Dies zeigt: Soziale Normen beeinflussen auch Sportler in ihrer Einstellung gegenüber bewusstseinsverändernden Substanzen. Die Änderung der gesellschaftlichen Einstellung zu Cannabis kann daher den Konsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen modulieren – egal ob Sportler oder nicht und egal ob als Freizeitkonsum oder Doping. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)

Weitere Informationen

Cannabis
• Cannabis ist der Gattungsname der Familie der Hanfgewächse
• Der Begriff wird häufig generell für Hanfpflanzen und THC-­haltige Produkte genutzt
• Für die medizinische Nutzung werden meist die Bezeichnungen Cannabis (als Medizin), medizinisches Cannabis oder Medizinalhanf verwendet

Hanf
• Hanf- und Cannabispflanzen gehören beide zur Pflanzen­gattung Cannabis Sativa L.
• Hanfpflanzen werden zur Produktion von Fasern sowie als Lebensmittel (v. a. Hanf­samen) genutzt
• Hanf enthält kein bis höchstens 0,2 Prozent THC+

Marihuana
• Umgangssprachlich als Gras, Weed oder Ganja bezeichnet
• Harzhaltige, getrocknete Blütentrauben und blütennahe Blätter
• THC-Gehalt durchschnittlich 10 Prozent, bis zu 25 Prozent sind möglich

Haschisch
Auch Hasch, Dope, Peace/Piece oder Shit genannt
• Harz aus den Pflanzenteilen der weiblichen Hanfpflanze
• Zu Blöcken oder Platten gepresst
• THC-Gehalt zwischen 8 und 30 Prozent

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Brisola-Santos MB, Gallinaro JG, Gil F, Sampaio-Junior B, Marin MC, de Andrade AG, Richter KP, Glick ID, Baltieri DA, Castaldelli- Maia JM. Prevalence and correlates of cannabis use among athletes – A systematic review. Am J Addict. 2016; 25: 518-528. doi:10.1111/ajad.12425

  2. Diehl K, Thiel A, Zipfel S, Mayer J, Schneider S. Substance use among elite adolescent athletes: findings from the GOAL Study. Scand J Med Sci Sports. 2014; 24: 250-258. doi:10.1111/j.1600-0838.2012.01472.x

  3. Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2018. https://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/Drogenbeauftragte/Drogen_und_Suchtbericht/flipbook/DuS_2018/index.html [abgerufen am 19.03.2019]

  4. Gobbi G, Atkin T, Zytynski T, Wang S, Askari S, Boruff J, Ware M, Marmorstein N, Cipriani A, Dendukuri N, Mayo N. Association of Cannabis Use in Adolescence and Risk of Depression, Anxiety, and Suicidality in Young Adulthood: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Psychiatry. 2019. doi:10.1001/jamapsychiatry.2018.4500

  5. Huestis MA, Mazzoni I, Rabin O. Cannabis in Sport Anti-Doping Perspective. Sports Med. 2011; 41: 949–966. doi:10.2165/11591430-000000000-00000

  6. Kogan NM, Melamed E, Wasserman E, Raphael B, Breuer A, Stok KS, Sondergaard R, Escudero AV, Baraghithy S, Attar-Namdar M, Friedlander-Barenboim S, Mathavan N, Isaksson H, Mechoulam R, Müller R, Bajayo A, Gabet Y, Bab I. Cannabidiol, a Major Non-Psychotropic Cannabis Constituent Enhances Fracture Healing and Stimulates Lysyl Hydroxylase Activity in Osteoblasts. J Bone Miner Res. 2015; 30: 1905-1913. doi:10.1002/jbmr.2513

  7. O'Connell BK, Gloss D, Devinsky O. Cannabinoids in treatment-resistant epilepsy: A review. Epilepsy Behav. 2017; 70: 341-348. doi:10.1016/j.yebeh.2016.11.012

  8. Orr C, Spechler P, Cao Z, Albaugh M, Chaarani B, Mackey S, D'Souza D, Allgaier N, Banaschewski T, Bokde ALW, Bromberg U, Büchel C, Burke Quinlan E, Conrod P, Desrivières S, Flor H, Frouin V, Gowland P, Heinz A, Ittermann B, Martinot JL, Paillère Martinot ML, Nees F, Papadopoulos Orfanos D, Paus T, Poustka L, Millenet S, Fröhner JH, Radhakrishnan R, Smolka MN, Walter H, Whelan R, Schumann G, Potter A, Garavan H. Grey Matter Volume Differences Associated with Extremely Low Levels of Cannabis Use in Adolescence. J Neurosci. 2019. doi:10.1523/JNEUROSCI.3375-17.2018

  9. Perez AJ. Bennett M: “About 89%” of NFL players use marijuana. USA Today Sports. 11.04.2018 https://eu.usatoday.com/story/sports/nfl/2018/04/11/martellus-bennett-89-percent-nfl-players-smoke-pot/508746002/ [abgerufen am 19.03.2019]

  10. Singh A, Saluja S, Kumar A, Agrawal S, Thind M, Nanda S, Shirani J. Cardiovascular Complications of Marijuana and Related Substances: A Review. Cardiol Ther. 2018; 7: 45-59. doi:10.1007/s40119-017-0102-x

  11. Ware MA, Jensen D, Barrette A, Vernec A, Derman W. Cannabis and the Health and Performance of the Elite Athlete. Clin J Sport Med. 2018; 28: 480-484. doi:10.1097/JSM.0000000000000650