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Fortsetzung Arthrosetherapie – Sport ist das Mittel der Wahl

Ein anderes Patientensegment muss dagegen eher gebremst werden: ehemalige (Leistungs-)Sportler. Ihnen fällt es meist nicht schwer, regelmäßige Bewegung in den Alltag zu integrieren. Im Gegenteil: »Ehemalige Leistungssportler haben eine andere Schmerztoleranz. Sie sind es gewohnt und bereit, gewisse Beschwerden in Kauf zu nehmen. Das ist zwar für ihre Lebensqualität gut, für das Gelenk aber nicht unbedingt«, erklärt Prof. Schmitt. Die Gefahr besteht dann eher, dass das Gelenk häufiger überlastet wird, wodurch das Risiko für eine Verstärkung des Knorpelschadens steigt.

Arthrose durch Sport?

Neben den förderlichen Effekten von Sport in der Therapie der Arthrose spielt er aber auch eine Rolle bei deren Entstehung. Leistungs- oder ambitionierte Freizeitsportler haben ein höheres Arthroserisiko als Menschen, die sich nur durchschnittlich viel bewegen. Der Grund: Athleten erleiden öfter Verletzungen wie Bänderrisse im Knie oder Sprunggelenk sowie Hüftverletzungen – und diese gehören zu den häufigsten Ursachen einer sekundären Arthrose. So liegt das relative Risiko für eine sekundäre Arthrose nach einem Kniegelenkstrauma deutlich erhöht bei einem Wert von 5 (ohne Verletzung läge dieser Wert bei 1) (5). 13,9 Prozent der Personen, die im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter ein Knietrauma hatten, entwickeln im Alter von 65 Jahren Arthrose – ohne Knieverletzung liegt der Prozentsatz bei 6,0. Beim Leistungssport von Kindern und Jugendlichen kommt hinzu, dass schwere Traumata während des Knochenwachstums problematisch sind: Verletzungen der Wachstumsfugen oder der Knochen können ein gestörtes Weiterwachsen zur Folge haben – und daraus resultierend Achsenfehlstellungen.

Ob chronische Belastungen wie beim Langstreckenlauf das Arthroserisiko erhöhen, wird noch diskutiert. Obwohl man lange Zeit vermutete, dass Laufen die Gelenke stark belastet, scheint zumindest im Hinblick auf Arthrose das Gegenteil der Fall zu sein. Dr. Danielle Ponzia von der Thomas-Jefferson-Universität in Philadelphia fand mit ihrem Team heraus, dass unter Marathonläufern Arthrose seltener ist als in einer vergleichbaren Gruppe der Allgemeinbevölkerung (7). Bei 8,8 Prozent der Marathonläufer (durchschnittlich 48 Jahre alt) wurde eine Knie- oder Hüftgelenks­arthrose festgestellt, während der Anteil in der Allgemeinbevölkerung bei 17,9 Prozent und damit doppelt so hoch lag. Auch unter Marathonläufern ist die Arthrose­rate altersabhängig.

Doch während bei den über 65-jährigen Läufern etwa 25 Prozent betroffen waren, waren es in der US-Bevölkerung 40 Prozent. Prof. Schmitt spricht noch einen weiteren Aspekt an, der wissenschaftlich untersucht werden sollte, um (Leistungs-)Sportler besser vor sekundärer Arthrose zu schützen: »Was ein Knorpel aushält und wie belastbar er ist, scheint individuell verschieden zu sein. Bei manchen Menschen bedingt eine bestimmte Belastung einen Knorpelschaden, bei anderen nicht. Leider ist das noch nicht messbar. Für die Beratung von Sportlern wäre es aber ein sehr wertvolles Instrument, um ihnen sagen zu können, wie anfällig ihr Knorpel für Verletzungen ist.«

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. Bartholdy C, Juhl C, Christensen R, Lund H, Zhang W, Henriksen M. The role of muscle strengthening in exercise therapy for knee osteoarthritis: A systematic review and meta-regression analysis of randomized trials. Semin Arthritis Rheum. 2017; 47: 9-21. doi:10.1016/j.semarthrit.2017.03.007

  2. Favazzo LJ, Hendesi H, Villani DA, Soniwala S, Dar QA, Schott EM, Gill SR, Zuscik MJ. The gut microbiome-joint connection: implications in osteoarthritis. Curr Opin Rheumatol. 2019. doi:10.1097/BOR.0000000000000681

  3. Han YC, Ma B, Guo S, Yang M, Li LJ, Wang SJ, Tan J. Leptin regulates disc cartilage endplate degeneration and ossification through activation of the MAPK-ERK signalling pathway in vivo and in vitro. J Cell Mol Med. 2018; 22: 2098-2109. doi:10.1111/jcmm.13398

  4. Hochberg MC, Guermazi A, Guehring H, Aydemir A, Wax S, Fleuranceau-Morel P, Reinstrup Bihlet A, Byrjalsen I, Ragnar Andersen J, Eckstein F. Effect of Intra-Articular Sprifermin vs Placebo on Femorotibial Joint Cartilage Thickness in Patients With Osteoarthritis: The FORWARD Randomized Clinical Trial. JAMA. 2019; 322: 1360-1370. doi:10.1001/jama.2019.14735

  5. Hügle T, Valderrabano V. Wirkungen und Nebenwirkungen von Sport auf die Arthrose. SSEM. 2011; 59, 153-157.

  6. Krauß I. Ein Plädoyer für überzeugende Empfehlungen zur Sport- und Bewegungstherapie bei Arthrose. Dtsch Z Sportmed. 2017; 68: 217-218. doi:10.5960/dzsm.2017.298

  7. Ponzio DY, Syed UAM, Purcell K, Cooper AM, Maltenfort M, Shaner J, Chen AF. Low Prevalence of Hip and Knee Arthritis in Active Marathon Runners. J Bone Joint Surg Am. 2018; 100: 131-137. doi:10.2106/JBJS.16.01071