Bewegungsintensität vs. Bewegungsdauer: Was schützt besser vor chronischen Erkrankungen?

Bewegungsintensität vs. Bewegungsdauer: Was schützt besser vor chronischen Erkrankungen?
KI-generiert

Regelmäßige körperliche Aktivität zählt zu den wirksamsten Maßnahmen zur Prävention chronischer Erkrankungen. Doch worauf kommt es dabei besonders an? Reicht es aus, möglichst viele Bewegungsminuten zu sammeln, oder entscheidet vor allem die Bewegungsintensität über den gesundheitlichen Nutzen? Eine große Analyse der UK-Biobank liefert darauf eine klare Antwort. Demnach war intensive körperliche Aktivität unabhängig vom gesamten Bewegungsumfang mit einem geringeren Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen und einer vorzeitigen Sterblichkeit assoziiert (1).

Die prospektive Kohortenstudie umfasste 96 408 Teilnehmer mit einem mittleren Alter von knapp 62 Jahren, deren körperliche Aktivität objektiv über sieben Tage mithilfe eines am Handgelenk getragenen Akzelerometers erfasst wurde. Zum Vergleich analysierten die Autoren zusätzlich die Daten von 37 5730 Teilnehmern, deren Aktivitätsniveau mithilfe des International Physical Activity Questionnaire bestimmt worden war.

Im Mittelpunkt stand nicht die absolute Dauer intensiver Bewegung, sondern ihr Anteil an der gesamten körperlichen Aktivität. Teilnehmer mit einem höheren Anteil intensiver Belastungen wiesen selbst nach Berücksichtigung des gesamten Aktivitätsumfangs ein deutlich geringeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz), Vorhofflimmern, Typ-2-Diabetes, metabolische Fettleber, chronische Nierenerkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Demenz sowie eine niedrigere Gesamtmortalität auf.

Besonders interessant ist die unterschiedliche Bedeutung von Umfang und Intensität für verschiedene Erkrankungen. Während bei Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder metabolischer Fettleber sowohl Bewegungsumfang als auch Intensität zur Risikoreduktion beitrugen, erwies sich bei anderen Erkrankungen die Intensität als entscheidender Faktor. Dies galt insbesondere für immunvermittelte Entzündungserkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Psoriasis, systemischen Lupus erythematodes oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen, die als zusammengesetzter Endpunkt ausgewertet wurden. Auch bei chronischen Atemwegserkrankungen, Demenz und schweren kardiovaskulären Ereignissen spielte die Intensität die größere Rolle. Für die Gesamtmortalität trugen dagegen sowohl Intensität als auch Bewegungsumfang wesentlich zur Risikoreduktion bei.

Für die sportmedizinische Praxis legen die Ergebnisse nahe, neben dem gesamten Bewegungsumfang auch die Bewegungsintensität stärker zu berücksichtigen. Sofern Gesundheitszustand und Leistungsfähigkeit es erlauben, scheint es sinnvoll, den Anteil intensiver körperlicher Aktivität zu erhöhen. Eine allgemeingültige Mindestdosis oder kausale Trainingsempfehlungen lassen sich aktuell aber noch nicht ableiten.

■ Hutterer C

Ähnliche Beiträge zum Thema finden Sie weiter unten!

Quellen:

  1. Wei J, Shen M, Li S et al. Volume vs intensity of physical activity and risk of cardiovascular and non-cardiovascular chronic diseases. Eur Heart J. 2026; 00:1-16. doi:10.1093/eurheartj/ehag168