Die präventive Wirkung körperlicher Belastungsspitzen im Alltag
VILPA (vigorous intermittent lifestyle physical activity) bezeichnet kurze, aber intensive körperliche Belastungsspitzen im Alltag, z. B. Treppensteigen oder zügiges Gehen. Für Menschen, die Ausdauer- oder Krafttraining nicht in ihren Alltag integrieren können oder wollen, sind diese Kürzest-Bewegungseinheiten oft alternativlos. Ob solche Belastungsspitzen trotzdem ebenso zur Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (major adverse cardiovascular events/MACE) beitragen können wie regelmäßiger Sport und ob es dabei geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, hat eine aktuelle prospektive Analyse aus der UK-Biobank untersucht (1).
In die Auswertung gingen die Daten von 22.368 nicht sportlich aktiven Personen (13.018 Frauen, 9350 Männer; Alter median 61,9 Jahre) ein, deren körperliche Aktivität jeweils eine Woche lang mittels am Handgelenk getragener Beschleunigungssensoren erfasst wurde.
Im Mittel 7,9 Jahre später waren 819 Fälle von MACE aufgetreten, definiert als Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall oder kardiovaskulär bedingter Tod. Für Frauen zeigte sich diesbezüglich eine nahezu lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung, bei der bereits verblüffend geringe Umfänge relevant waren. So reduzierte eine tägliche VILPA-Dauer von nur 3,4 Minuten das Risiko für MACE um 45, für Myokardinfarkt um 51 und für Herzinsuffizienz sogar um 67 Prozent. Als minimale wirksame VILPA-Tagesdosis identifizierten die Autoren median 1,5 Minuten, durch die das Risiko für MACE immerhin noch um 30, für Myokardinfarkt um 33 und für Herzinsuffizienz um 40 Prozent sank. Für Schlaganfälle zeigte sich kein klarer Zusammenhang.
Bei Männern waren alle Dosis-Wirkungs-Kurven deutlich flacher und überwiegend statistisch nicht signifikant. Zwar deuteten einzelne Analysen auf eine Risikoreduktion hin, insbesondere bei höherer VILPA-Frequenz in Bezug auf Herzinsuffizienz, doch fiel der kardioprotektive Effekt weniger konsistent aus als bei Frauen. Als Grund dafür vermuten die Autoren den Fakt, dass Frauen für die gleichen Aktivitäten mit 83,2 Prozent relativer Intensität oft vergleichsweise mehr Energie aufwenden müssen als Männer (70,5 Prozent), was zu stärkeren physiologischen Anpassungen führen kann.
■ Kura L
Quellen:
Stamatakis E, Ahmadi M, Biswas RK, Del Pozo Cruz B, et al. Device-measured vigorous intermittent lifestyle physical activity (VILPA) and major adverse cardiovascular events: evidence of sex differences. Br J Sports Med. 2025; 59: 316-324. doi:10.1136/bjsports-2024-108484