Körperliche Aktivität nur am Wochenende: weniger positive Effekte?

Körperliche Aktivität nur am Wochenende: weniger positive Effekte?
© Halim Bin Hakim / Adobe Stock

Die WHO empfiehlt für Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren 150-300 Minuten moderate aerobe oder mindestens 75 Minuten intensive aerobe körperliche Aktivität oder eine Kombination auf beidem pro Woche. Die Einheiten sollten jeweils mindestens 10 Minuten dauern. Häufig wird zudem empfohlen, sich an mindestens fünf Tagen pro Woche jeweils 30 Minuten zu bewegen. Doch viele Menschen treiben Sport nur am Wochenende, erreichen dann aber das Minimum der empfohlenen 150 Minuten.

Eine US-amerikanische retrospektive Studie hat sich nun Daten von 89 573 Personen angesehen, die ihre körperliche Aktivität mittels Beschleunigungsmessern eine Woche lang aufgezeichnet hatten (2). Die Wissenschaftler verglichen Personen mit gleichmäßig auf die Woche verteilter Aktivität (21 473 Personen bzw. 24 Prozent) mit Menschen, die dem so genannten „Weekend-Warrior“-Aktivitätsmuster folgen, die also den überwiegenden Anteil (≥50 Prozent) der moderaten und intensiven Aktivität an ein bis zwei Tagen pro Woche absolvierten (37 872 Personen bzw. 42,2 Prozent), sowie mit körperlich inaktiven Personen (<150 Min./Woche, 30 228 Personen bzw. 33,7 Prozent). Im Fokus standen die Auswirkungen auf das kardiovaskuläre Risiko. Das durchschnittliche Alter betrug 62 Jahre, 56 Prozent waren Frauen.

Über den Beobachtungszeitraum von 6,3 Jahren (median) ergab sich für körperlich aktive Personen ein deutlich geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als für inaktive. Dabei spielte es keine Rolle, ob die körperliche Aktivität regelmäßig über die Woche verteilt war oder geballt an wenigen Tagen ausgeübt wurde. Das Risiko für Vorhofflimmern war bei regelmäßig Aktiven 19 Prozent, bei Wochenend-Sportlern um 22 Prozent niedriger als bei Inaktiven. Auch das Risiko für einen Herzinfarkt (35 und 27 Prozent), Herzinsuffizienz (35 und 38 Prozent) oder einen Schlaganfall (17 und 21 Prozent) lag deutlich unter den Werten für körperlich Inaktive. Die Autoren schließen daraus, dass moderate und intensive körperliche Aktivität sich günstig auf die Herz-Kreislauf-Parameter auswirken, ganz gleich, wann trainiert wird.

Eine ähnlich angelegte Untersuchung mit 23 258 Teilnehmenden zwischen 20 und 80 Jahren zeigte, dass sich sowohl regelmäßige als auch an wenigen Tagen geballte körperliche Aktivität günstig auf depressive Symptome auswirken (3). Zusätzliche Vorteile brachten mehr mit Sport verbrachte Minuten, Einheiten und höhere Intensität.

Für Herz und Psyche spielt es folglich keine Rolle, wie körperliche Aktivität in der Woche verteilt wird. Von günstigen Effekten profitiert, wer entsprechend der WHO-Empfehlungen ausreichend aktiv ist. Einen Nachteil hat der geballte und intensive Sport an ein bis zwei Tagen pro Woche jedoch: Das Verletzungsrisiko kann durch die Kombination aus hoher Intensität ohne regelmäßig daran gewöhnt zu sein, sowie mittleres bis höheres Alter und eine mögliche Vergangenheit mit intensivem oder Leistungssport in jüngeren Jahren höher sein als bei Personen, deren Bänder, Gelenke und Muskeln regelmäßig bewegt werden (4). Auch Überlastungsreaktionen und traumatische Verletzungen z. B. Achillessehnenrupturen (5) treten bei sporadisch Aktiven leichter auf (1).

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Gil JA, Weiss AC. The Weekend Warrior: Common Hand and Wrist Injuries in Athletes. R I Med J (2013). 2020; 103: 49-53

  2. Khurshid S, Al-Alusi MA, Churchill TW, Guseh JS, Ellinor PT. Accelerometer-Derived “Weekend Warrior” Physical Activity and Incident Cardiovascular Disease. JAMA. 2023; 330: 247–252. doi:10.1001/jama.2023.10875

  3. Liang JH, Huang S, Pu YQ, Zhao Y, Chen YC, Jiang N, Liu ML, Bao WW, Zhang YS, Hu LX, Kakaer A, Huang SY, Pu XY, Chen YJ. Whether weekend warrior activity and other leisure-time physical activity pattern reduce the risk of depression symptom in the representative adults? A population-based analysis of NHANES 2007-2020. J Affect Disord. 2023; 340: 329-339. doi:10.1016/j.jad.2023.07.113

  4. Hartnett DA, Milner JD, DeFroda SF. The Weekend Warrior: Common Shoulder and Elbow Injuries in the Recreational Athlete. Am J Med. 2022; 135: 297-301. doi:10.1016/j.amjmed.2021.08.015

  5. Shamrock AG, Dreyer MA, Varacallo M. Achilles Tendon Rupture. 2023 Aug 17. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2023 Jan–. PMID: 28613594