Wie beeinflusst Training das Darmmikrobiom?

Wie beeinflusst Training das Darmmikrobiom?
Symbolbild © Emiliia / Adobe Stock

Das Darmmikrobiom rückt immer weiter in den Fokus der medizinischen Aufmerksamkeit. Auch die Sportmedizin hat Interesse an Erkenntnissen zu diesem Thema, da einem gesunden – und definitiv von körperlicher Aktivität modulierten – Mikrobiom u. a. leistungssteigernde und immunfördernde Effekte nachgesagt werden. Australische Mediziner haben in einer Längsschnittstudie untersucht, wie der Wechsel zwischen hochintensivem und moderatem Training verschiedene Marker der Darmgesundheit beeinflusst (1). Dafür analysierten sie jeweils über 48 Stunden hinweg Stuhlproben von 23 jungen Leistungsruderern nach hoher (HT) respektive niedriger Trainingsbelastung (LT). Die Ernährungsqualität (Athlete Diet Index/ADIcore) wurde über drei Tage hinweg protokolliert. Bei der Untersuchung der Stuhlproben standen die Mikrobiom-Zusammensetzung und der Anteil an kurzkettigen Fettsäuren (short chain fatty acids/SCFAs) im Fokus. Veränderte sich die Trainingsbelastung, hatte dies mehrere Auswirkungen im Darm der Athleten:

Konzentrationen kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs)

SCFAs wie Butyrat und Propionat sind wichtig für die Darmgesundheit, da sie entzündungshemmende Eigenschaften haben und als Energiequelle für die Darmzellen dienen. Eine vielseitige Ernährung mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen und fermentierten Produkten fördert die Synthese von SCFAs. Zucker und gesättigte Fette haben eine gegenteilige Wirkung. In der Studie stiegen die SCFA-Konzentrationen unter intensiver Trainingsbelastung an, was wahrscheinlich u. a. mit der temporär bewussteren Ernährung zusammenhängt (siehe Punkt 4). Außerdem wird neben Makronährstoffen aus der Ernährung Laktat aus beanspruchten Muskeln in den Darm transportiert und dort zu Butyrat und Propionat metabolisiert – eine Win-win-Situation für anaeroben Stoffwechsel und Darmmikrobiom.

Veränderungen im Mikrobiom

Unter HT zeigten die Athleten eine höhere Abundanz bestimmter vorteilhafter Bakterienarten wie Bacteroidota. Bei LT veränderte sich das Verhältnis zugunsten der Firmicutes, was als negativ gewertet werden muss: Hat diese Bakteriengattung die Oberhand im Mikrobiom, kann dies z. B. Gewichtszunahme induzieren. Auch die Propionat- und Butyratkonzentration war unter HT höher, während die Alpha-Diversität – ein Gesamtmaß für Mikrobenvielfalt im Darm – abnahm.

Stuhlfrequenz und Transitzeit

Die Transitzeit, also die Zeit, in der der Nahrungsbrei den Verdauungstrakt passiert, beeinflusst das Mikrobiom erheblich: Verlängerte Transitzeiten können die mikrobielle Vielfalt erhöhen, weil Mikroben mehr Zeit haben, um mit Nahrungsbestandteilen zu interagieren und sich zu vermehren. Kürzere Transitzeiten verhindern durch die schnelle Darmpassage diesen hilfreichen Kontakt. In der vorliegenden Studie war die Stuhlfrequenz der Athleten durch die bewegungsbedingt angeregte Darmmotilität in der HT-Phase höher und die Transitzeit damit kürzer. In der LT-Phase hatten insofern mehr Athleten Schwierigkeiten, Stuhlproben abzugeben.

Ernährungsqualität

Die Athleten ernährten sich während der HT-Phase gesünder, was die Mikrobiomgesundheit unterstützen und positive Effekte des Trainings verstärken kann. Vice versa beeinflusste die schlechtere Ernährung in LT-Phasen die Darmgesundheit negativ. Dies erklärt einen Teil der Mikrobiom-Variation.

Fazit: Erhöhungen und Reduzierungen der Trainingsbelastung, die Wahl der verzehrten Lebensmittel sowie die Stuhlfrequenz können das Darmmikrobiom merklich verändern. Hier eröffnen sich interessante Ansätze für eine mikrobiomfreundliche, individualisierte Sportlerernährung und Trainingseinteilung.

■ Kura L

Ähnliche Beiträge zum Thema finden Sie weiter unten!

Quellen:

  1. Charlesson B, Jones J, Abbiss C, Peeling P, Watts S, Christophersen CT. Training load influences gut microbiome of highly trained rowing athletes. J Int Soc Sports Nutr. 2025; 22: 2507952. doi:10.1080/15502783.2025.2507952