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Fortsetzung Was hilft bei »Rücken«? Therapieoptionen bei Rückenschmerzen

Wer rastet, der rostet

Health claims gibt es viele. Doch bei chronischen Rückenschmerzen versagen die meisten. Generell gilt heute, bei akuten Rückenschmerzen ein bis zwei Tage Ruhe zu halten, sich dann aber so schnell wie möglich wieder zu bewegen. Doch da sich viele Menschen schon ohne Schmerzen zu wenig bewegen, kommen sie mit Beschwerden überhaupt nicht in die Gänge. Der Arbeitsplatz kann noch so ergonomisch eingerichtet sein und der Autositz perfekt auf die eigenen Gegebenheiten eingestellt sein – wer rastet, der rostet.

Koordination statt Kraft

Das Großprojekt MiSpEx (Medicine in Spine Exercise), das von Prof. Dr. Frank Mayer von der Universität Potsdam koordiniert wird, beschäftigt sich mit der gezielten Vernetzung der aktuellen Diagnose-, Präventions- und Therapieansätze aus dem allgemeinen Gesundheitswesen mit den Forschungsergebnissen im Spitzensport. Die erste Projektphase brachte Erkenntnisse, die zukünftig relevant sein könnten. So sollen etwa die Rücken- und Rumpfmuskulatur nicht nur auf Kraft trainiert werden. Vielmehr soll die Koordination im Vordergrund stehen. »Eine Reduktion der Beschwerden ist effektiv und mit geringem Aufwand mit einem sensomotorischen Training zu erzielen. Vor allem Störreize in den Bewegungsabläufen sind wichtig«, erklärt Prof. Mayer.

LNB – das Gehirn behandeln

Eine von der Grundidee ähnliche Theorie vertritt auch die Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht, LNB. Die Grundlage des Konzeptes von Roland Liebscher-Bracht und seiner Frau Petra ist die Annahme, dass die gängigen Bewegungsdefizite und -limitierungen zu Veränderungen der Ansteuerungs- und Bewegungsprogramme in den Basalganglien im Gehirn führen. Durch erhöhte Spannungszustände entstehen die Schmerzen, so die Theorie. Dass Muskelspannung und Schmerz miteinander in Zusammenhang stehen, konnte in einer kleinen Studie mit Prof. Dr. Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln gezeigt werden.

Die Therapie setzt also nicht auf Veränderungen an der Struktur, sondern zielt auf die Änderung der neuro­nalen Steuerung im Gehirn. Der Hebel dazu sind interstitielle Rezeptoren (»Alarmschmerzrezeptoren«), die über Osteopressur getriggert werden sollen und wodurch ein postuliertes Anspannungsprogramm gelöscht wird, wie Roland Liebscher- Bracht erklärt: »Schon in der ersten Behandlung können wir die Schmerzen merklich senken. Über eine Behandlung einer seit Jahren unter Spannung stehenden Struktur wäre das nicht so schnell möglich.« Zahlreiche Ärzte und Therapeuten haben sich inzwischen in der LNB-Schmerztherapie schulen lassen. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)

Roland Liebscher-Bracht, Entwickler der LNB-Schmerztherapie
Roland Liebscher-Bracht, Entwickler der LNB-Schmerztherapie © Liebscher-Bracht