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Fortsetzung Vorhofflimmern – Warum Ausdauersportler häufiger betroffen sind

Ausdauersport verändert die Vorkammern

Verschiedene Faktoren können, zumindest theoretisch, diesen vielfach beobachteten Zusammenhang erklären. VHF beim Nicht-Sportler verändert die atriale Elektrophysiologie, die Kontraktionsfähigkeit und damit die Struktur der Vorhofmuskulatur. Das Auftreten und der Erhalt der Arrhythmie werden durch diese als atriales Remodelling bezeichneten Anpassungen begünstigt. Beim Ausdauerathleten gibt es Hinweise, dass einige dieser Anpassungen durch den Sport geschehen und dadurch das Auftreten von VHF erleichtert wird (2). Man weiß, dass bei gesunden, mittelalten Personen die Größe der linken Herzvorkammer ein unabhängiger Prädiktor für VHF ist. Beim Ausdauerathleten erfolgt häufig eine trainingsinduzierte Vergrößerung des linken Vorhofs. Bei Marathonläufern ist eine vergrößerte linke Vorkammer mit einem erhöhten Risiko für VHF assoziiert (3). Grundsätzlich erfolgt eine Adaptation auf Ausdauertraining als harmonische Vergrößerung aller vier Herzkammern.

Da die Wände der Vorkammern jedoch dünner sind als die der Hauptkammern, ist der Stress auf die Vorkammern während intensiver Trainingsbelastung relativ größer. Das könnte zu einer progressiven Vergrößerung der Vorkammern über die Trainingsjahre führen. Es wurde gezeigt, dass sich das linke Atrium graduell mit der Anzahl an Lebenstrainingsstunden vergrößert (4). In einer Untersuchung war bei 80 Prozent der Athleten mit einer Lebenstrainingsdauer von über 4500 Stunden die linke Vorkammer vergrößert. »Ich halte es jedoch für sehr schwierig vorherzusagen, ab welcher lebenslangen Sportmenge das Risiko tatsächlich ansteigt. Man hat immer das Problem, zu quantifizieren, welche Form und Intensität von körperlicher Aktivität wirklich relevant ist. Sehr wahrscheinlich ist ein U-förmiger Zusammenhang«, betont Prof. Laszlo. Eine konkrete Angabe von Trainingsstunden ist allein deswegen nicht sinnvoll und möglich, weil individuell mehr oder weniger ausgeprägte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Schlafmangel, andere Herzerkrankungen, genetische Veranlagung oder eine Überfunktion der Schilddrüse hinzukommen können. Ebenso zählt das Alter als Risikofaktor. Denn während bei jungen und mittelalten Leistungssportlern die Prävalenz trotz Vergrößerung des linken Atriums gering ist, steigt sie mit dem Alter an.

»Ein weiterer begünstigender Faktor beim Sportler ist die starke Volumenbelastung der linken Vorkammer. Diskutiert wird, ob wiederholte Überdehnungen der Vorkammer bei großer Belastung oder übergangene Infekte, die Schädigungen am Herzmuskel hinterlassen haben, eine rhythmusstörende Vorhoffibrose verursachen können«, legt Prof. Lewalter dar. Auch chronische Entzündungsreaktionen durch das exzessive Ausdauertraining und ein erhöhter Vagotonus, der sich durch Dominanz des Parasympathikus und damit einen niedrigen Blutdruck und verlangsamten Herzschlag (Bradykardie) auszeichnet, kommen in Betracht. Da all diese Anpassungen automatisch mit intensivem Ausdauertraining einhergehen, ist eine Vorbeugung für diese Athleten nicht einfach möglich. Interessanterweise sind insbesondere männliche Athleten betroffen.

Gute Diagnostik und frühzeitige Behandlung sind entscheidend

Für die Behandlung sind die korrekte Klassifizierung der Erkrankung (z. B. anfalls­artig bzw. paroxysmal, dauerhaft bzw. persistierend), mögliche andere Ursachen und die individuelle Situation des Patienten wichtig. »Unbehandelt erfolgt meist ein Fortschreiten von der paroxysmalen zur persistierenden Form. Die frühe Behandlung ist deswegen wichtig, weil sie mit Progression der Erkrankung immer schwieriger wird«, sagt Prof. Lewalter. Die VHF-Attacken hören meist von alleine nach maximal 48 Stunden auf. Bei chronischen Verläufen halten die Episoden deutlich länger an und müssen aktiv (durch Anti­arrhythmika oder eine Elektroschock­behandlung) beendet werden.

Der Nachweis erfolgt über eine EKG-Untersuchung. Ein unregelmäßiger Puls, den der Sportler selbst bemerkt, kann auch durch gehäuft auftretende Extraschläge verursacht werden, welche für sich genommen meist unbedenklich sind. Bei VHF zeigt sich im EKG jedoch, dass die normale P-Welle, die der Vorhoferregung entspricht, nicht mehr regulär nachweisbar ist, sondern an ihre Stelle eine Flimmerwelle tritt. Grund dafür ist, dass der elektrische Impuls aus dem Sinusknoten nicht wie üblich gleichmäßig über die Vorkammern hinweg in Richtung des AV-Knotens und über die Hauptkammern läuft, sondern in den Vorkammern kreiselt und einen elektrischen Wirbel erzeugt. Das muss nicht lebensbedrohlich sein, kann beim Betroffenen aber ein ungutes Gefühl erzeugen und die Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen. Im Gegensatz dazu stellt Kammerflimmern (der Herzhauptkammern) immer einen lebensbedrohlichen Zustand dar.

»Beim ersten Auftreten von VHF weiß weder Arzt noch Patient, ob es ein Einzelerlebnis bleiben wird, was eher selten ist, oder ob es attackenartig zu weiteren Episoden kommen wird. Doch gerade während der frühen Phase der Herzrhythmusstörung kann man mögliche Triggerfaktoren finden, die von Bedeutung für die Behandlung der Ursache sind«, erklärt Prof. Lewalter. Eine Überfunktion der Schilddrüse oder ein unbehandelter Infekt kann VHF auslösen, muss aber anders behandelt werden als eine vom Herzen ausgehende Rhythmusstörung. Bei Wettkampfsportlern muss auch an die Einnahme von anabolen Steroiden gedacht werden, da diese Substanzen mit Bluthochdruck, linksventrikulärer Hypertrophie und Dysfunktioneinhergehen können. (Weiter im Text mit Seite 3 von 3)

Prof. Dr. Thorsten Lewalter
Prof. Dr. Thorsten Lewalter, Facharzt für Innere Medizin und Kardio­logie sowie Chefarzt am Peter Osypka Herzzentrum, Internistisches Klinikum München Süd © Lewalter