Profifußballer leben länger, haben aber ein höheres Demenzrisiko

Profifußballer leben länger, haben aber ein höheres Demenzrisiko
© Sergey Nivens / Adobe Stock

Zuerst die gute Nachricht: Die Gesamtsterberate von Fußballern im Profibereich liegt um rund 13 Prozent niedriger als bei Menschen, in deren Leben das schwarzweiße Leder keine aktive Rolle spielt. Gleichzeitig haben Fußballprofis aber ein signifikant höheres Risiko, an Demenz zu erkranken. Dies haben Forscher an der schottischen Universität Glasgow in einer retrospektiven Kohortenstudie bestätigt (1).

In ihrer Arbeit zogen die Wissenschaftler Gesundheits-, Behandlungs- und Sterbedaten von 7676 früheren schottischen Vereinsspielern (Geburtsjahrgänge vor 1977) heran. Diese stellten sie einem Datensatz von 23 028 bezüglich Alter, Geschlecht und sozialem Standard vergleichbaren Kontrollpersonen gegenüber; jeder Sportler wurde also mit drei Nichtsportlern verglichen. Die Betrachtung der Gesamtsterberate ergab zunächst eine um 13 Prozent geringere Gesamtsterberate unter den Fußballprofis – ein Effekt, der sich bei den unter 70-Jährigen gehäuft zeigte, bei älteren jedoch umkehrte. Noch signifikanter war die auf bestimmte Todesursachen heruntergebrochene Lebenserwartung: An kardiovaskulären Erkrankungen starben 20 Prozent weniger Fußballer, an Lungenkrebs sogar 47 Prozent weniger als in der Kontrollgruppe.

Das Gegenteil war leider der Fall, als neurodegenerative Erkrankungen isoliert als Sterbeursache herangezogen wurden: Hier zeigte sich ein 3,5-faches Risiko für die Profifußballer. An erster Stelle stand dabei mit 5-fachem Risiko Alzheimer-Demenz, an letzter Stelle Morbus Parkinson mit dem Faktor 2.

Der Grund für das gehäufte Auftreten neurodegenerativer Erkrankungen ist naheliegend und wird von den Daten der Studie gestützt: Häufiges Kopfballspiel, bei dem der harte Ball mit großer Geschwindigkeit auf den Kopf auftrifft. Auch wenn diese Technik nicht zwingend zu diagnostizierbaren Gehirnerschütterungen führen muss, stellt doch jeder kleine Schlag auf den Kopf eine Mikrotraumatisierung für das Gehirn dar. Entsprechend fanden die Forscher unter Torwarten, die den Ball seltener mit dem Kopf als mit den Händen oder Füßen abwehren, um 60 Prozent weniger Verordnungen für Antidementiva als bei Feldspielern.

Kura L

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Quellen:

  1. Mackay DF, Russell ER, Stewart K, MacLean JA, Pell JP, Stewart W. Neurodegenerative disease mortality among former professional soccer players. N Engl J Med 2019 Nov 7; 381: 1801. doi:10.1056/NEJMoa1908483