Seite 2 / 4

Fortsetzung Kompressionskleidung im Sport – Messbare Effekte oder modisches Accessoire?

Das auf den ersten Blick schlechte Abschneiden der SKS in der Untersuchung von Prof. Reich-Schupke muss nicht unbedingt bedeuten, dass »schwach« getestete Strümpfe völlig unwirksam sind. Sie könnten aber erklären, warum sich die Ergebnisse der Studien mitunter stark unterscheiden oder sogar widersprechen. »Gut wäre es, wenn es auch für Sportkompressionsstrümpfe Kompressionsklassen oder Graduierungen der Materialfestigkeit geben würde, mit denen man die Produkte besser klassifizieren und vergleichen kann«, fordert Reich-Schupke.

Weitere Gründe für die inkonsistente Datenlage könnte auch im Studiendesign liegen, wie Prof. Dr. Helmut Lötzerich von der Deutschen Sporthochschule in Köln weiß: »Es gibt einige sehr gute Untersuchungen; viele sind aber vom Studiendesign her nicht geeignet, um die gewünschten Aussagen überhaupt beurteilen zu können. Da werden die falschen Parameter gemessen oder wichtige Details außer Acht gelassen.«

Bild Stefanie Reich-Schupke
Prof. Dr. Stefanie Reich-Schupke, Leiterin des Phlebologischen Studienzentrums am Venenzentrum der Ruhr-Universität Bochum © Reich-Schupke

Gute Daten für schnellere Regeneration

Aber schauen wir uns an, was in guten Studien festgestellt werden konnte. Für die Regenerationsphase nach einer Belastung gibt es Daten, die zeigen, dass die Muskelpumpe um 30 Prozent verbessert wird (4). Zudem wurde nachgewiesen, dass beim Tragen der Strümpfe das Blutvolumen pro Bein um etwa 30 Milliliter geringer ist. Diese zwei Parameter sind dafür verantwortlich, dass das venöse Blut, aber auch Lymphe mit Abbauprodukten des Stoffwechsels, schneller zurückgepumpt wird. Die Muskulatur regeneriert schneller und kann dadurch früher wieder intensiven Reizen ausgesetzt werden.

Eine Metaanalyse (2) zeigt bezüglich der Wirkung von Kompressionsprodukten auf Kreatinkinase-Werte (CK-Werte) uneinheitliche Ergebnisse. Einige Studien zeigen Reduktionen der CK-Werte, andere nicht. Die CK reagiert vor allem auf deutliche Änderungen von Belastungsumfang und -intensität, sodass sie nach ungewohnten und exzentrischen Belastungsformen (Kraft- und Schnellkraftbelastungen) besonders hoch ansteigen kann. Evidenzbasierte Aussagen über den Beitrag zur Regeneration sind daher nicht möglich.

Was sich auf molekularer Ebene abspielt, konnte bislang nicht ergründet werden. In Blutanalysen zeigten nämlich die üblichen Verdächtigen der Leistungsdiagnostik von Sportlern keine Veränderungen (Laktat, IGF1, IL-6, IL-1ra) (1). Daraus kann man entweder folgern, dass diese Werte nicht geeignet sind, um die Effekte abzubilden, oder aber, dass es einen nicht zu unterschätzenden psychischen Faktor gibt. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)