Blutflussrestriktionstraining gut geeignet für Typ-2-Diabetiker
Beim sogenannten Blutflussrestriktionstraining (BFRT) wird durch aufblasbare Manschetten an den Oberschenkeln der venöse Blutfluss temporär komplett und der arterielle Blutfluss um bis zu 80 Prozent reduziert und dann ein Krafttraining mit nur 30 Prozent des individuell tolerablen Gewichts absolviert. Es verbessert die Muskelkraft ähnlich gut wie klassisches Krafttraining (CREST) und bietet dadurch eine Alternative für Personen mit geringer körperlicher Belastbarkeit, Adipositas oder Gelenkproblemen, wie es u. a. bei Typ-2-Diabetes (T2D) häufig der Fall ist. Weil diese Erkrankung nicht nur mit Insulinresistenz und verminderter mitochondrialer Funktion, sondern auch mit reduzierter Muskelkraft und -masse einhergeht, ist Muskelaufbau ein erklärtes Ziel der Therapie. Leider stellt vor allem hochintensives Krafttraining mit 70 Prozent der individuellen Maximalkraft, wie es für effektiven Muskelzuwachs nötig ist, viele der Patienten vor Herausforderungen. Eine aktuelle internationale Studie hat nun untersucht, ob BFRT mit geringem Gewicht Muskelgesundheit und Stoffwechsel von Typ-2-Diabetikern ebenso positiv beeinflussen kann (1).
Die randomisierte Parallelgruppenstudie teilte 20 Personen mit Typ-2-Diabetes und ähnlichen anthropometrischen und kardiometabolischen Voraussetzungen zufällig einer von zwei zwölfwöchigen Interventionen zu. 10 der Teilnehmer (9 Männer, 1 Frau; medianes Alter 62 Jahre) absolvierten dreimal wöchentlich unter Anleitung ein Blutflussrestriktionstraining, 10 weitere (7 Männer, 3 Frauen; medianes Alter 56 Jahre) ebenso oft ein konventionelles Krafttraining.
Keine der zwei Trainingsarten beeinflusste die Insulinsensitivität, die Ruheherzfrequenz oder den diastolischen Blutdruck, doch beide steigerten Muskelmasse und -kraft in ähnlichem Ausmaß: Das Quadrizepsvolumen und die Muskel-Querschnittsfläche erhöhten sich genau wie die Extensions- und Flexionskraft der Beine durch BFRT und CREST jeweils signifikant – trotz des weitaus geringeren Kraftaufwands, den die BFRT-Gruppe aufbringen musste.
Hochinteressante Unterschiede zeigten sich zudem auf mitochondrialer Ebene: Hier aktivierte nur BFRT zentrale Signalwege und bewirkte eine signifikante, funktionell relevante Steigerung der mitochondrialen oxidativen Kapazität im Skelettmuskel sowie eine Zunahme des mitochondrialen Gehalts. Auch bezüglich der Körperkomposition punktete BFRT: Es ließ selektiv viszerale Fettdepots schrumpfen, während CREST primär subkutanes Fettgewebe reduzierte. Angesichts der großen kardiometabolischen Bedeutung von viszeralem Fett, das sich als besonderer Risikofaktor hinsichtlich T2D herausgestellt hat, macht diese Erkenntnis Blutflussrestriktionstraining für diese Patientengruppe umso interessanter.
■ Kura L
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Quellen:
Trinks N, Gancheva S, Pützer J, et al. Blood-flow restriction resistance training improves skeletal muscle mitochondrial capacity and cardiovascular risk factors in type 2 diabetes. Cell Metabolism. 2026; 38: 1-12. doi:10.1016/j.cmet.2025.12.016