Achillessehnen-Tendinopathie: Expertenkonsens zur Wadenheber-Übung

Achillessehnen-Tendinopathie: Expertenkonsens zur Wadenheber-Übung
KI generiert

Die Achillessehnen-Tendinopathie (AT) gehört zu den häufigen Überlastungsschäden im Sport. Bei Mittel- und Langstreckenläufern betrifft sie früher oder später mehr als jede zweite aktive Person. Selbst in der Allgemeinbevölkerung entwickelt etwa jeder Zwölfte im Laufe des Lebens einmal Beschwerden an der Achillessehne. Trotz vielfältiger Therapieansätze bleibt die Behandlung herausfordernd: Die Rückfallraten liegen zwischen 23 und 43 Prozent, und bis zu 60 Prozent der Betroffenen berichten auch fünf Jahre nach der Erstdiagnose noch über Symptome.

Die Wadenheber-Übung ist zentraler Bestandteil konservativer Rehabilitationsprogramme bei Achillessehnen-Tendinopathie. Doch welche Trainingsparameter machen den Unterschied? Ein internationales Expertengremium hat nun im Rahmen einer Delphi-Studie die aus ihrer Sicht entscheidenden Variablen identifiziert – differenziert nach midportion- und insertionaler AT (1).

Für die midportion-AT wurden vier Parameter als besonders einflussreich bewertet: Kontraktionsintensität, Gesamtzeit unter Spannung (time under tension), Anzahl von Wiederholungen und Sätzen sowie die Art der Muskelkontraktion. Bei der insertionalen AT gelten Kontraktionsintensität, Wiederholungs- und Satzzahl sowie der Bewegungsumfang in die Dorsalextension als maßgeblich.

Am höchsten gewichtet wurde in beiden Fällen die Kontraktionsintensität. Aus Expertensicht stellt sie einen Schlüsselfaktor für die Induktion von Sehnenanpassungen dar. Studien zufolge werden optimale mechanische Reize im Bereich von 4,5 bis 6,5 Prozent Sehnendehnung erreicht. Dies gelingt meist nur mit hohen Intensitäten ab 70 Prozent der Maximalkraft. Kontraktionen mit geringer Intensität könnten hingegen suboptimal sein oder zu keiner strukturellen Adaption führen. Gleichzeitig warnt das Panel vor Überlastungen durch zu hohe Intensitäten, insbesondere bei untrainierten Betroffenen.

Zur Trainingsfrequenz wurde Konsens darüber erzielt, dass sie für den Rehaerfolg bedeutsam ist. Konkrete Angaben – etwa zur Anzahl der Einheiten pro Woche – machten die Autoren jedoch nicht. Auch zur Gesamtdauer eines Programms äußerten sie sich nicht im Sinne einer pauschalen Empfehlung. Eine individuelle Dosierung ist daher essenziell.

Besonderes Augenmerk legten die Fachleute auf die Bewegungsamplitude bei insertionaler Achillessehnen-Tendinopathie. Hier gilt es, eine starke Dorsalflexion zu vermeiden, da diese mit erhöhtem Kompressionsstress im Bereich des Fersenbeins einhergeht. Das könnte den Heilungsverlauf beeinträchtigen. Deshalb wird empfohlen, den Bewegungsumfang in der Frühphase zu begrenzen und erst im späteren Reha-Verlauf schrittweise zu erweitern.

Ebenfalls diskutiert wurden weitere Parameter wie Tempo, Knieposition, Schuhwerk oder Pausen zwischen den Sätzen. Diese erreichten jedoch keinen Konsens. Schmerz wurde zwar als wichtiges Monitoring-Tool eingestuft, jedoch nicht als primärer Einflussfaktor auf das Reha-Ergebnis. Entscheidend sei vielmehr, wie Patienten den Schmerz interpretieren und damit umgehen – ein Aspekt, der für Adhärenz und Therapieerfolg eine zentrale Rolle spielt.

■ Hutterer C

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Quellen:

  1. Demangeot Y, O’Neill S, Degache F, Rapin A, Asgher U, et al. Exercise parameters to consider for Achilles tendinopathy: a modified Delphi study with international experts. Br J Sports Med. 2025; 59: 1337-49. doi:10.1136/bjsports-2025-110183