Geistige Aktivität senkt Demenzrisiko auch bei bewegungsarmem Lebensstil
Ein Leben ohne ausreichende Bewegung gilt allgemein als Risikofaktor für die physische und psychische Gesundheit: Körperlich inaktive Menschen entwickeln häufiger nicht nur kardiovaskuläre und muskuloskelettale, sondern auch depressive und demenzielle Erkrankungen. Dass das Demenzrisiko, abgesehen von der durchschnittlichen Sitzdauer, zudem auch von der Art der geistigen Tätigkeiten beeinflusst wird, hat nun eine schwedische Kohortenstudie belegt (1).
Für ihre Arbeit werteten die Forscher auf die Daten von 20 811 Erwachsenen (68,6 Prozent Frauen) aus, die bei Studienbeginn 1997 durchschnittlich 51,1 ± 8,0 Jahre alt waren. Innerhalb der medianen Nachbeobachtungszeit von 19,2 Jahren erkrankten 596 von ihnen an Demenz. Per Fragebogen wurde erfasst, wie viel Zeit die Probanden täglich saßen – und zwar aufgeteilt in „sitzend, aber geistig passiv“ (z. B. Fernsehen) und „sitzend, aber kognitiv angeregt“ (z. B. Büroarbeit oder Stricken). Zusätzlich flossen Angaben zu leichter und moderater bis intensiver körperlicher Aktivitätsphasen in das Gesamtbild ein.
Im adjustierten Modell zeigte sich, dass jede zusätzliche Stunde geistig aktiven Sitzens pro Tag das Demenzrisiko um vier Prozent senkte, und zwar in signifikanter Korrelation mit steigendem Alter. Diese inverse Assoziation blieb auch unter Berücksichtigung des übrigen Bewegungsverhaltens bestehen. Die Autoren erklären sich den protektiven Effekt kognitiver Aktivität u. a. damit, dass sich Sitzzeiten ohne geistigen Anspruch tendenziell länger am Stück hinziehen, was die Gehirndurchblutung negativ beeinflussen kann.
Von Personen, die sitzend „Kopfarbeit“ verrichten, ist hingegen zu erwarten, dass sie öfter Aufsteh-Pausen einlegen und damit die Länge ihrer einzelnen Sitzphasen verkürzen – was sich wiederum positiv auf Blutzuckerregulation und Kognition auswirkt. Zudem scheinen geistig aktive Sitz-Tätigkeiten etwas mehr Energie zu verbrauchen und gehen mit besserer sozialer Eingebundenheit einher. Auch steht die Hypothese im Raum, dass geistig aktive sedentäre Ältere im mittleren Alter höhere kognitive Reserven angelegt haben, wovon sie später profitieren.
Fazit: Sedentäres Verhalten sollte hinsichtlich seines kognitiven Kontextes differenziert betrachtet werden. Die Beobachtungsdaten sprechen dafür, geistig passive Sitzzeiten möglichst durch kognitiv fordernde Tätigkeiten zu ersetzen. Kausale Schlussfolgerungen sind jedoch nicht möglich, zumal das Verhalten nur einmalig per Selbstauskunft erfasst wurde.
■ Kura L
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Quellen:
Werneck AO, Wheeler MJ, Dunstan DW, et al. Mentally Active Versus Passive Sedentary Behavior and Risk of Dementia: 19-Year Cohort Study. Am J Prev Med. 2026: 108317. doi:10.1016/j.amepre.2026.108317