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Fortsetzung Wie sich Obst und Gemüse auf die sportliche Leistungs­fähigkeit auswirken

Ein subjektiv empfundener Mehrbedarf

Die Ergebnisse dieser Studien könnten vielleicht dazu beitragen, den Sportlern, aber auch Trainern, Betreuern und Ärzten, das Potenzial von Obst und Gemüse für die sportliche Leistungsfähigkeit näher zu bringen. »Bislang wird die Erinnerung an mehr Gemüse und Obst auf dem Teller der Athleten von den meisten Beteiligten nicht recht ernst genommen«, bedauert Dr. Osterkamp-Baerens. »Dabei muss festgehalten werden, dass der Verzehr von komplettem Obst und Gemüse besser wirkt als die Einnahme von Einzelsubstanzen.« Die positiven Wirkungen scheinen durch die natürliche Kombination aller Inhaltsstoffe gefördert zu werden. Dennoch nehmen 80 bis 90 Prozent der Nachwuchsathleten regelmäßig Vitaminpräparate und andere Nahrungsergänzungsmittel ein (3, 6), auch wenn belastbare Aussagen zu Wirkungen und Nebenwirkungen häufig nicht getroffen werden können.

Eine umfassende Übersicht über natürliche und industrielle Supplemente und Inhaltsstoffe von Lebensmitteln sowie die Evidenz für deren Wirkungen gibt das Buch bzw. die im British Journal of Sports Medicine erschienene Artikelserie »Nutritional Supplements in Sport, Exercise and Health: An A-Z Guide« von Dr. Linda M. Castell. Neben klassischen Motiven wie dem Wunsch nach Verbesserung der Gesundheit, dem Ausgleich unausgewogener Ernährung, Leistungssteigerung und weil der Trainer es empfiehlt oder andere Athleten Präparate einnehmen, beobachtet Carlsohn ein weiteres Motiv: »Viele Sportler haben durch die intensive Belastung und das Schwitzen das Gefühl, einen individuellen Mehrbedarf an Nährstoffen zu haben, auch wenn dieser in Untersuchungen nicht quantifiziert werden kann.« Das bedeutet aber auch, dass ein gefühlter oder eventuell tatsächlich bestehender Mehrbedarf gut über eine gemüse- und obstreiche Ernährung ausgeglichen werden könnte.

Supplementierung – überflüssig bis schädlich

Die Studien zur Supplementierung mit einzelnen Vitaminen oder Spurenelementen in hohen Dosierungen kommen hingegen immer wieder zu dem Ergebnis, dass damit wenig geholfen, ja manchmal sogar geschadet wird. Ein kürzlich veröffentlichtes Consensus Statement behandelt die Einflüsse verschiedener Nahrungsbestandteile und Mikronährstoffe auf das Immunsystem von Sportlern. Die Immunfunktion trägt entscheidend zur Leistungsfähigkeit eines Athleten bei und beeinflusst Trainingsumfänge und -intensität. Untersucht wurden unter anderem Polyphenole, Antioxidantien, Mineralien, Pro- und Präbiotika und Vitamin D. Die Autoren zeigen auf, dass für viele Substanzen zwar in vitro interessante Wirkungen auf Immunzellen beobachtet werden können, diese aber in der starken Ausprägung in In- vivo-Studien selten reproduziert werden können. Für die meisten Makro- und Mikronährstoffe ist die Versorgung über die Nahrung ausreichend. Eine Ausnahme bildet Vitamin D, mit dem viele Sportler unterversorgt zu sein scheinen (1). Vitamin D wird jedoch, entgegen der anderen untersuchten Nährstoffe, nur in geringem Maße über die Nahrung aufgenommen.

Bild Claudia Osterkamp-Baerens
Dr. Claudia Osterkamp-Baerens, Diplom-Oecotrophologin und Ernährungsberaterin am Olympiastützpunkt Bayern © Osterkamp-Baerens

Lange Zeit ging man davon aus, dass die Entstehung von Mikroverletzungen durch intensive Belastungen und auch die dadurch entstehenden vermehrten Freien Radikale im Körper möglichst verhindert oder so gut wie möglich abgepuffert werden müssten. Die Einnahme von Radikalfängern wie Vitamin C und Vitamin E in hohen Dosen wurde propagiert. Die Studie von Ristow et al. (11) verglich Nichtsportler und Gesundheitssportler, die Vitamin C und E in hohen Dosen erhalten hatten, mit Sportlern, die ein Placebo bekamen. Kurz gefasst zeigte sich, dass die Leistungsfähigkeit und verschiedene Parameter der Prävention durch Sport bei der Verumgruppe stagnierte. Andere Untersuchungen zeigten ähnliche Ergebnisse (7).

Inzwischen weiß man, dass eine Auslenkung des normalen Systems für den Körper notwendig ist, um eine Anpassung vorzunehmen. Man weiß ebenfalls, dass der Körper diese Regulation sehr gut selbst vornimmt und über die entsprechenden Mechanismen verfügt, um mit diesen Reizen fertig zu werden. Eine vielseitige Ernährung mit viel Gemüse und Obst ist eine überaus hilfreiche Maßnahme, um den Körper bei den notwendigen (Anpassungs-)Prozessen zu unterstützen. Die Gefahr der Überdosierung, wie bei der gezielten Einnahme einzelner Supplemente, wurde noch nicht beobachtet und ist allein aufgrund der begrenzten Aufnahmefähigkeit des Magens nicht zu befürchten. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)