Welche Trainingsparameter sind bei Arthrose relevant?
Bei Arthrose empfehlen internationale Leitlinien körperliche Betätigung als adjuvante Maßnahme. Zur Stützung der degenerierten Knorpelstrukturen sollen vor allem Muskeln rings um das arthrotische Gelenk gekräftigt werden. Doch wie oft und wie intensiv sollte man trainieren, um tatsächlich zu profitieren? Wie wichtig ist die Trainingsintensität, wie entscheidend die Dauer der Intervention und die Adhärenz? Eine australisch-kanadische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse hat sich des Themas mit Fokus auf Widerstandstraining bei Cox- und Gonarthrose angenommen (1).
Die Forscher analysierten 280 randomisiert kontrollierte Studien und teilten die Probanden dabei in vier Gruppen ein:
– Interventionsdauer 0 bis 3 Monate
– Interventionsdauer 3 bis 6 Monate
– Interventionsdauer 6 bis 12 Monate
– Interventionsdauer ≥ 12 Monate
Insgesamt standen die Daten von 10 261 Trainingsteilnehmern (Durchschnittsalter 62,3 Jahre, 76,6 Prozent Frauen, medianer BMI 28,7 kg/m³) zur Verfügung, von denen 9404 an Kniearthrose und 462 an Hüftarthrose litten. Als Kontrollgruppe (14 928 Personen; Alter, Geschlechterverteilung und BMI ähnlich wie in den Interventionsgruppen) wurden jeweils Teilnehmer geführt, die an keinem Trainingsprogramm teilgenommen hatten.
Primäre Endpunkte waren die unmittelbar postinterventionelle Schmerzintensität und die Gelenkfunktion. Zur Messung der Outcomes im Bereich Schmerz zogen die Forscher je nach Verfügbarkeit Ergebnisse der visuellen Analogskala (VAS), der numerischen Ratingskala (NRS) sowie der Schmerz-Subskalen von Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC), Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Scale (KOOS) und Hip Disability and Osteoarthritis Outcome Score (HOOS) heran.
Die Funktionsparameter wurden anhand der jeweiligen Funktions-Subskalen von WOMAC, KOOS und HOOS (bei diesen beiden getrennt nach Alltagstätigkeiten und sportlicher bzw. anderweitiger körperlicher Aktivität in der Freizeit) erhoben. Als trainingsbezogene Parameter legte das Studienteam die Intensität, Häufigkeit und Dauer der einzelnen Trainingseinheiten sowie die Gesamt-Interventionsdauer fest. Weil die Datenlage bezüglich Intensität sehr inkonsistent war, fiel der Parameter aus der letztlichen Auswertung heraus.
Alle Interventionsdauern brachten für Gonarthrose moderate Schmerzlinderung, wobei nur 3 bis 6 Monate lange Regimes signifikant positiver wirkten als sehr kurze und sehr lange. Körperliche Alltagsfunktionen von Patienten mit Arthrose am Knie profitierten mäßig von Interventionsdauern zwischen 3 und 6 sowie 6 und 12 Monaten; die sportliche Funktion besserte sich mäßig binnen 3 bis 6 Monaten.
Für Coxarthrose-Betroffene fehlten Daten zu länger als 6 Monate andauernden Interventionen. 3- bis 6-monatige Trainingsregimes korrelierten jedoch immerhin mit mäßiger Schmerz- und Funktionsverbesserung (Alltagstätigkeiten und Sport).
Das Gesamttrainingsvolumen beeinflusste in keiner der Gruppen die Parameter Schmerz und Funktion.
Erstaunlich waren die Ergebnisse aus 74 Studien mit Blick auf die (selbst berichtete) Adhärenz: Hier schien es keine Korrelation zwischen Therapietreue und Schmerz-/Funktions-Outcomes zu geben – wichtig war nur, dass eben trainiert wurde.
Fazit: Insgesamt zeigt die Forschung, dass bei Arthrose ein Widerstandstraining von 3 bis 6 Monaten Länge die besten Outcomes bezüglich Schmerzen und Funktionsverbesserung erzielt, ohne dass strikte Vorgaben zur Trainingsdosis eingehalten werden müssen. Dies erhöht die Flexibilität bei der Verordnung entsprechender Maßnahmen, mindert den Adhärenzdruck auf Patienten und könnte dadurch die Motivation erhöhen.
■ Kura L
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Quellen:
Marriott KA, Hall M, Maciukiewicz JM, Almaw RD, Wiebenga EG, et al. Are the Effects of Resistance Exercise on Pain and Function in Knee and Hip Osteoarthritis Dependent on Exercise Volume, Duration, and Adherence? A Systematic Review and Meta-Analysis. Arthritis Care Res (Hoboken). 2024; 76: 821-830. doi:10.1002/acr.25313