Was hilft mehr bei Rückenbeschwerden: Trainingshäufigkeit oder Kraftgewinn?

Was hilft mehr bei Rückenbeschwerden: Trainingshäufigkeit oder Kraftgewinn?
© Robert Kneschke / fotolia

Muskelaufbau ist ein unverzichtbarer Therapiebestandteil zur Wirbelsäulenstabilisierung bei Rückenschmerzen jeglicher Genese. Auch ohne Konsequenz beim Training geht bekanntlich nichts. Eine deutsche Multicenter-Studie hat nun eruiert, welcher der beiden Faktoren – Kraftgewinn oder Trainingshäufigkeit – einen größeren Einfluss auf die schmerzreduzierende Wirksamkeit des Rückentrainings hat. Auch Alter und Geschlecht der Teilnehmenden wurden mit untersucht, stellten sich jedoch als relativ unerheblich heraus.

An 39 Standorten wurden 1395 Rückenschmerzpatientinnen und -patienten während eines speziell entwickelten multimodalen Rückentrainingsprogramms über einen Zeitraum von insgesamt 24 Monaten beobachtet. 65 Prozent der Probanden waren Frauen, das Durchschnittsalter betrug 47 Jahre. Zu fünf verschiedenen, gleichmäßig über die Programmdauer verteilten Zeitpunkten wurde die muskuläre Leistungsfähigkeit gemessen und die Schwere der Beschwerden in einem Back Pain Function Score (BPFS) bestimmt, der auch als unabhängige Variable für die Auswertung diente. Die Bemaßung der physischen Leistungsfähigkeit erfolgte nach den Kriterien Kraft, Mobilität und bilaterale Kraftverhältnisse der rückenstabilisierenden Muskulatur.

Das durchgeführte Training bestand aus funktionsgymnastischen Übungen und dynamischem Krafttraining der Rumpfstabilisatoren und Nackenmuskulatur. Zusätzlich erhielten die Patientinnen und Patienten Anweisungen z. B. zu ergonomisch richtigem Sitzen, Arbeiten und Heben. Jeweils innerhalb von 12 Wochen konnten sie die Trainingsintensität freiwillig steigern, danach wurde auf ein milderes Erhaltungsprogramm reduziert. Dies wiederholte sich viermal.

Mehr Training, weniger Schmerzsymptome

Nach 24 Monaten war der BPFS der Teilnehmenden um durchschnittlich 37,6 Prozent zurückgegangen. Der physische Kraftgewinn betrug 28,1 Prozent, die Mobilitätsverbesserung 14,7 Prozent und die Zunahme des Kraftverhältnisses 6,5 Prozent. Den stärksten Effekt zeigte in der Gesamtheit der Trainingsumfang selbst: Isoliert betrachtet, reduzierten diejenigen Probanden, die am fleißigsten trainierten, ihren BPFS um ganze 70 Prozent. Dies galt umso mehr, je größer die initialen Rückenbeschwerden waren. Im Vergleich dazu schlug die physische Leistungssteigerung mit nur 30 Prozent zu Buche, davon entfielen 17,8 Prozent auf den reinen Kraftgewinn. Alle Ergebnisse galten ohne signifikante Unterschiede nach Alter oder Geschlecht.

Fazit: Bei einem multimodalen Trainingsansatz wirkt sich physische Leistungssteigerung zwar positiv auf die Linderung von Rückenschmerzen aus, aber die Trainingshäufigkeit spielt eine wesentlich größere Rolle.

■ Lilian Kura

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Quellen:

  1. Müller G, Pfinder M, Lyssenko L, Giurgiu M, Kaiserauer A, Heinzel-Gutenbrunner M, Bös K, Kohlmann T. Welche Bedeutung haben physische Leistungssteigerungen, Alter, Geschlecht und Trainingsumfang für die Wirksamkeit eines Rückentrainings? Schmerz (2019): 1–8. doi:10.1007/s00482-018-0353-z