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Fortsetzung Sportverletzungen – Pech oder prognostizierbar?

Die »Nachteile« der Prävention

Trotz zahlreicher Erkenntnisse zur Wirksamkeit und den positiven Aspekten von Bewegung als präventiver Maßnahme kann es aber auch Nachteile geben. In den meisten Fällen ist es allerdings eher so, dass durch eine Maßnahme schlicht keine Vorteile bestehen. Dieser Widerspruch wird als Präventionsparadox bezeichnet. Es wurde Anfang der 1980er-Jahre von dem Epidemiologen Geoffrey Rose (3) am Beispiel der Koronaren Herzkrankheit beschrieben, trifft aber auch auf andere Krankheiten zu.

Das Präventionsparadox, wenngleich kein Paradoxon im engen Sinne der Definition, beschreibt ein grundlegendes Dilemma der Prävention auf Ebene der Population und der Risikogruppen: Eine präventive Maßnahme, die einer großen Population, der Bevölkerung oder großen Gemeinschaften einen hohen Nutzen bringt, hat für den Einzelnen oft nur wenig konkreten Effekt. Umgekehrt profitiert bei einer kleinen Gruppe mit hohem Risiko jedes Individuum stark von einer spezifischen Maßnahme, doch durch die geringe Anzahl der Betroffenen ist der Effekt für die Gesamtpopulation gering.

Das Präventionsparadox gilt für alle medizinischen Interventionen und Zielsetzungen, die auf Risikofaktoren basieren. Zu nennen sind etwa Ernährungs- oder Lebensstilinterventionen sowie medikamentöse Maßnahmen zur Senkung von Cholesterinwert, Blutdruck oder Blutzuckerspiegel, Screenings auf Diabetes, unentdeckte Hypertonie oder auch bei der Koloskopie zur Darmkrebsprophylaxe. Ebenso gilt es im Breiten- und Leistungssport immer dann, wenn Risikofaktoren für Verletzungen bestehen.

Verletzungsprävention mit Köpfchen

Verletzungen im Sport sind manchmal einfach Pech. »Häufig gibt es aber Faktoren, die die Entstehung von Verletzungen begünstigen. Defizite in der allgemeinen Fitness oder Kraft sowie muskuläre Dysbalancen können ebenso das Zünglein an der Waage bilden wie eine insgesamt zu hohe Belastung des Athleten, z. B. durch zu viele Spiele oder Wettkämpfe in kurzer Zeit oder allgemeine Ermüdung gegen Ende der Saison. Auch die zu schnelle Steigerung von Trainingsumfang und/oder -intensität sowie stiefmütterlich behandelte Maßnahmen der Regeneration erhöhen das Verletzungsrisiko«, zählt der Kardiologe und Sportmediziner Prof. Dr. Herbert Löllgen auf.

Prof. Dr. Herbert Löllgen, Internist, Kardiologe und Sportmediziner © Löllgen