Return-to-Sports nach Verletzungen der unteren Extremität: Welche Tests sind geeignet?
Verletzungen der unteren Extremität – darunter Knie, Hüfte und Knöchel – zählen zu den häufigsten Ursachen für sportmedizinische Behandlungen. Trotz immer besser werdender Rehabilitationskonzepte existieren bis heute keine einheitlich akzeptierten Kriterien zur medizinischen Freigabe für den Return-to-Sports (RtS). Behandelnde Ärzte und Physiotherapeuten stehen vor einer großen Auswahl an entsprechenden Tests. Viele davon sind zwar gut etabliert, doch ein Konsens, etwa bezüglich ihrer Eignung zur Voraussage des Wiederverletzungsrisikos, besteht nach wie vor nicht. Trotz moderater Aussagekraft und Zuverlässigkeit einzelner Verfahren fehlt bislang eine standardisierte Testbatterie für einen sicheren Return-to-Sports nach Verletzungen der unteren Extremität. Auf der Suche nach belastbareren Kriterien haben US-amerikanische Forscher deshalb im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit bewährte RtS-Tests untersucht (1).
Inkludiert wurden insgesamt 114 Studien. 97 Arbeiten (85 Prozent) befassten sich mit dem Return-to-Sports von Kniepatienten und 94 (82 Prozent) speziell mit dem Zustand nach ACL-Rekonstruktion. Lediglich sieben der analysierten Studien (6,2 Prozent) stellten Tests für den RtS bei Hüftpathologien in den Fokus, überwiegend im Kontext femoroazetabulärer Impingement-Syndrome sowie labraler Eingriffe. Nur drei Arbeiten (1,8 Prozent) untersuchten Tests nach Sprunggelenksverletzungen. Diese Verteilung verdeutlicht eine ausgeprägte Konzentration der vorhandenen Evidenz auf das Kniegelenk – insbesondere auf ACL-Rekonstruktionen – bei gleichzeitig sehr begrenzter Datenlage für Hüft- und Sprunggelenkspathologien. Angesichts der Tatsache, dass ACL-Verletzungen über 50 Prozent aller Knieverletzungen ausmachen, ist diese Gewichtung jedoch nachvollziehbar.
Eine allgemein valide Testbatterie zur RtS-Freigabe ließ sich aus den analysierten Daten zwar nicht ableiten, doch ergaben sich zumindest einige Empfehlungen, die über die Literatur hinweg positiv bewertet wurden:
RtS-Tests nach Knieverletzungen (besonders ACL-Rekonstruktion) sollten die Parameter Kraft (insbesondere des Quadrizeps), neuromuskuläre Kontrolle, Agilität, Schnellkraft und Landebiomechanik abdecken. Hierfür stehen isotonische Methoden wie z. B. der Step-down- oder Beinpressentest zur Verfügung. Die funktionelle Bewegungsfähigkeit kann gut mit diversen Sprungtests wie dem Single Leg Hop for Distance (SLHD), dem Triple-Hop for Distance Jump (THD) oder dem Single-Leg Vertical Jump (SLVJ) beurteilt werden, sofern deren Ausführung detailliert analysiert wird. Speziell der Drop-Jump ist auch hilfreich, um Kompensationsbewegungen und Asymmetrien zu enttarnen, die bekanntlich das Wiederverletzungsrisiko erhöhen. Eine Bewertung der Propriozeption ist durch Gleichgewichtstests wie z. B. den Y-Balance-Test möglich.
RtS-Protokolle nach Verletzungen der Hüfte beinhalten neben Funktions- und Krafttestungen (z. B. medialer Trip-Hop, Einbein-Kniebeugentiefe, passive Hüftflexion, Kraftausmaß bei Außenrotation und Streckung per Handheld-Dynamometrie) auch Tests zur Bewertung der schmerzfreien Bewegungsrange, etwa beim Einbein-Balance-Test. Dies gilt insbesondere nach der arthroskopischen Behandlung des femoroacetabulärem Impingements.
RtS-Tests nach Sprunggelenksverletzungen messen neben der reinen Kraft (z. B. via einbeinigem Fersenhebetest) auch die funktionelle multidimensionale Stabilität des Gelenks. Hier erwiesen sich etablierte Tests wie Figure-of-8-Hop, Side Hop, 6-Meter-Crossover-Hop und Square-Hop als sinnvoll. Die Sprunggelenksmobilität kann mittels Dorsalflexionsschritt beurteilt werden. Zuverlässige Messwerte für Gleichgewicht und Propriozeption liefern z. B. der SEBT- und Y-Balance-Test, während die Agilität gut via Agility-T- und die Explosivkraft der unteren Extremität via Sargent-/Vertical-Jump-Test erhoben werden kann.
Für alle drei Körperbereiche sind außerdem patientenberichtete physische und psychologische Outcomes relevant. Diese können unkompliziert mit gängigen Fragebögen wie dem Knee Injury Osteoarthritis Outcome Score (KOOS), der ACL-Return to Sport after Injury-(ACL-RSI)- oder der Tegner Activity Scale, dem Copenhagen Hip and Groin Outcome Score (HAGOS) sowie diversen weiteren sportartspezifischen Scores erhoben werden.
■ Kura L
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Quellen:
Smiley T, Dallman J, Long R, Kapple M, Aldag L, et al. Lower extremity return to sport testing: A systematic review. Knee. 2024; 50: 115-146. doi:10.1016/j.knee.2024.07.021