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Fortsetzung Leistenschmerzen im Leistungssport: Ursachen, Prävention, Therapie

Hüftimpingement

Eine andere in kontakt- und rotationsintensiven Sportarten häufige geometrische Ursache für Leistenschmerzen ist das Impingement der Hüfte (femoroacetabuläres Impingement). Man unterscheidet zwei Formen: Beim Cam-Impingement hat der Hüftkopf durch knöcherne Veränderung einen erhöhten Rand, der bei bestimmten Bewegungen an der Hüftgelenkspfanne anschlägt. Beim Pincer-Impingement umschließt die Hüftgelenkspfanne den Hüftkopf durch eine vermehrte Überdachung zu weit und es kommt bei Bewegungen zum verfrühten Anschlagen des Schenkelhalses am Pfannenrand. Das Labrum, das die Hüftpfanne wie ein Dichtungsring umschließt, kann durch das Impingement verletzt werden und einreißen.
Cam-Impingement durch zu intensive Belastung in der Jugend

»Inzwischen weiß man, dass besonders das Cam-Impingement durch eine Überlastung der Epiphysenfugen während des Wachstums entsteht. Üben Kinder und Jugendliche während der Wachstumsphase mehr als dreimal pro Woche rotationsintensive Sportarten wie Fußball, Eishockey oder Tennis aus, so begünstigt dies die Entstehung der knöchernen Veränderung am Hüftkopf. Es handelt sich folglich um eine bereits in der Jugend entstandene Fehlbildung, die erst später, abhängig von verschiedenen Faktoren (z. B. der Knorpelqualität), Beschwerden verursachen kann«, erklärt PD Dr. Marco Ezechieli, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Chefarzt am St.-Josefs-Krankenhaus Salzkotten. Typischerweise treten erste Beschwerden im Alter von 20 bis 30 Jahren häufig auf beiden Seiten in Form von Leistenschmerzen auf. Oft ist die Ursache nicht das Impingement allein, sondern es spielen noch weitere Faktoren eine Rolle. Vom Cam-Impingement sind mehr Männer betroffen, während das Pincer-Impingement eher bei Frauen auftritt und von unklarerer Pathogenese ist. Hier scheint eher Veranlagung eine Rolle zu spielen.

Impingement-Syndrom: OP unumgänglich?

Die Diagnose »femoroacetabuläres Impingement-Syndrom« sollte nur gestellt werden, wenn folgende drei Faktoren erfüllt sind (1):

1. Der Patient muss die typischen klinischen Symptome (in den typischen Sportarten, beim langen tiefen Sitzen etc.) beschreiben.

2. Der Impingement-Test muss positiv sein, d. h. die Innenrotation der Hüfte ist schmerzhaft und eingeschränkt.

3. Die Bildgebung (Röntgen oder MRT) zeigt ein Impingement.

Fehlt ein Anzeichen, so handelt es sich strenggenommen nicht um ein Impingement-Syndrom und die Ursachensuche muss weitergehen. Ein klinisch und radiologisch eindeutiges Impingement-Syndrom kann nur durch eine Operation adäquat behandelt werden. Bei dieser wird die knöcherne Fehlstellung korrigiert und am Labrum und Knorpel entstandene Schäden werden behoben. »Für ambitionierte Athleten oder Profisportler sollte bei manifestem Impingement frühzeitig eine OP durchgeführt werden«, erklärt Dr. Ezechieli. Und weiter: »Im Breitensport kann es ausreichen, sich auf eine andere Sportart zu verlagern und mit physiotherapeutischer Unterstützung die muskuläre Situation des Patienten so zu verbessern, dass der Reizzustand und damit die Beschwerden zurückgehen.«

Das Ergebnis der Operation hängt stark vom Zeitpunkt und vor allem vom Zustand des Knorpels vor der OP ab. Je früher operativ behandelt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass es zu keinem weiteren Knorpelverschleiß kommt. Dieser wiederum ist Voraussetzung für die Entstehung einer Arthrose. »In der Hüfte entsteht ein Knorpelschaden durch die knöcherne Fehlstellung. Im Knie beispielsweise ist das anders, da entstehen Knorpelschäden häufig durch Verletzungen. Es liegt also ein anderer Mechanismus zugrunde«, schildert Dr. Ezechieli. Wird ein schmerzhaftes Impingement zu spät oder unzureichend behandelt, entsteht im Verlauf eine Arthrose, die ein künstliches Hüftgelenk erfordert. Damit kann man zwar heutzutage auch gut leben, wie viele ehemalige Sportler zeigen, die schon in relativ jungen Jahren eine Hüft-TEP erhielten. Aber wenn es sich vermeiden oder zumindest verzögern lässt, ist das in jedem Fall erstrebenswert.

PD Dr. Marco Ezechieli, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Chefarzt am St.-Josefs-Krankenhaus Salzkotten
PD Dr. Marco Ezechieli, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Chefarzt am St.-Josefs-Krankenhaus Salzkotten © Ezechieli

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Griffin DR et al. The Warwick Agreement on femoroacetabular impingement syndrome (FAI syndrome): an international consensus statement. Br J Sports Med. 2016; 50: 1169-1176. doi:10.1136/bjsports-2016-096743

  2. Harøy J, Thorborg K, Serner A, Bjørkheim A, Rolstad LE, Hölmich P, Bahr R, Andersen TE. Including the Copenhagen Adduction Exercise in the FIFA 11+ Provides Missing Eccentric Hip Adduction Strength Effect in Male Soccer Players: A Randomized Controlled Trial. Am J Sports Med. 2017; 45: 3052-3059. doi:10.1177/0363546517720194

  3. Hölmich P. Long-standing groin pain in sportspeople falls into three primary patterns, a "clinical entity" approach: a prospective study of 207 patients. Br J Sports Med. 2007; 41: 247-252. doi:10.1136/bjsm.2006.033373

  4. Moreno-Pérez V, Travassos B, Calado A, Gonzalo-Skok O, Del Coso J, Mendez-Villanueva A. Adductor squeeze test and groin injuries in elite football players: A prospective study. Phys Ther Sport. 2019; 37: 54-59. doi:10.1016/j.ptsp.2019.03.001

  5. Rodriguez R. Measuring the Hip Adductor to Abductor Strength Ratio in Ice Hockey and Soccer Players: A Critically Appraised Topic. J Sport Rehabil. 2019; 1: 1-6. doi:10.1123/jsr.2018-0250

  6. Weir A, Brukner P, Delahunt E, Ekstrand J, Griffin D, Khan KM, Lovell G, Meyers WC, Muschaweck U, Orchard J, Paajanen H, Philippon M, Reboul G, Robinson P, Schache AG, Schilders E, Serner A, Silvers H, Thorborg K, Tyler T, Verrall G, de Vos RJ, Vuckovic Z, Hölmich P. Doha agreement meeting on terminology and definitions in groin pain in athletes. Br J Sports Med. 2015; 49: 768-774. doi:10.1136/bjsports-2015-094869