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Fortsetzung Geschlechts­spezifische Verletzungsmuster im Sport

Einbeinig um die Kurve

Frauen bewegen sich gemeinhin eleganter; nicht nur mit High Heels, sondern auch beim Sport – allerdings manchmal mit ungünstigen Folgen. Wenn Sportlerinnen schnell die Richtung wechseln, so tun sie das häufig auf einem Bein, das dadurch eine starke Rotation erfährt. Männer hingegen neigen dazu, die Richtungsänderung über beide Beine zu erreichen. Kommt dazu noch falsches Schuhwerk, kann das schnell zu einer Bandverletzung führen. Stollenschuhe im Fußball beispielsweise erfordern oft viel Kraft, um sich bei einer Richtungsänderung zu lösen.

Die fehlt aber bei Frauen häufig konstitutionell und anatomisch bedingt. Bei der Landung nach einem Sprung tendieren Frauen dazu, in aufrechterer Haltung und mit enger zusammenstehenden Knien zu landen als Männer. In gewichts- und körperbetonten Sportarten ist bei Frauen zu berücksichtigen, dass eine zu geringe Kalorienzufuhr, kombiniert mit intensivem Training, zur Triade der Sportlerin (Female Athlete Triad) führen kann. Die Unterversorgung mit relevanten Nährstoffen und das Aussetzen der Menstruation mit dem Wegfall der knochenaufbauenden Wirkung des Östrogens kann die Verletzungsgefahr erheblich vergrößern.

Forschung und Training

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob und wie Frauen sich vor diesen spezifischen Verletzungen schützen können. Viel kann über gezieltes Training erreicht werden, denn den meisten Verletzungen liegt ungenügendes, unspezifisches Training oder frühzeitige Ermüdung zugrunde. Es wurde gezeigt, dass Trainingsprogramme, welche die Vorbeugung von Kreuzbandverletzungen zum Ziel haben, sehr effektiv sind. Sie basieren vor allem darauf, das muskuläre Ungleichgewicht zu verringern, indem die Rückseite der Oberschenkelmuskulatur sowie der Musculus vastus medialis gezielt gekräftigt werden. Bei Frauen konnte die Häufigkeit eines Kreuzbandrisses damit um mehr als 50 Prozent, bei Männern um 85 Prozent gesenkt werden (1).

Des Weiteren kann bei Lauf- und Sprungsportarten an einer sicheren Landung und einem Drehverhalten über beide Beine gearbeitet werden. Kräftigende Übungen für die stützende Gelenkmuskulatur, Bandagen und Einlagen können ebenfalls einen Beitrag leisten. Weiterhin muss je nach Anforderung der spezifischen Sportart eruiert werden, an welchen Stellen ein Entgegenwirken möglich ist.

In der Junioren-Nationalmannschaft Rudern wird beispielsweise seit mehreren Jahren ein Gymnastikprogramm mit Schwerpunkt auf Kräftigung und Stabilisierung für die unmittelbare Wettkampfvorbereitung eingesetzt. Es wird möglichst täglich über eine Stunde unter physiotherapeutischer Betreuung durchgeführt und ersetzt teilweise klassische Sportphysiotherapie-Einheiten wie Massage.

In der Summe wurde die Verletzungshäufigkeit dadurch gesenkt. In vielen Sportarten wird noch zu wenig darauf geachtet, dass für die Prävention von Sportverletzungen bei Frauen möglicherweise andere Trainingsinhalte wichtig wären. Das liegt sicherlich auch daran, dass es noch zu wenig Forschung zu den Anfälligkeiten der Geschlechter für bestimmte Verletzungen gibt. Viele Untersuchungen werden nur an Frauen oder nur an Männern durchgeführt, sodass kein direkter Vergleich möglich ist. Die Unterschiede in der Anatomie lassen sich nicht ändern, die Übungen im Training schon.

■ Hutterer C

Quellen:

  1. Alentorn-Geli E, Myer GD, Silvers HJ, Samitier G, Romero D, Lázaro-Haro C, Cugat R. Prevention of non-contact anterior cruciate ligament injuries in soccer players. Part 2: a review of prevention programs aimed to modify risk factors and to reduce injury rates. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2009; 17: 859-879. doi:10.1007/s00167-009-0823-z

  2. Drastig J, Küpper T. Gibt es geschlechtsspezifische Verletzungsmuster beim Sportklettern? Dtsch Z Sportmed. 2014; 65: 66-71. doi:10.5960/dzsm.2014.117

  3. Hewett TE, Zazulak BT, Myer GD. Effects of the menstrual cycle on anterior cruciate ligament injury risk: a systematic review. Am J Sports Med. 2007; 35: 659-668. doi:10.1177/0363546506295699

  4. Jansen CT, Baumgart C, Hoppe MW, Freiwald J (Hrsg.). Trainingswissenschaftliche, geschlechtsspezifische und medizinische Aspekte des Hochleistungsfußballs. Beiträge und Analysen zum Fußallsport XVIII. 23. Jahrestagung der dvs-Kommission Fußball vom 24.-26. November 2011 in Hannover. Hamburg, Feldhaus; 2012.

  5. Kerr ZY, Baugh CM, Hibberd EE, Snook EM, Hayden R, Dompier TP. Epidemiology of National Collegiate Athletic Association men's and women's swimming and diving injuries from 2009/2010 to 2013/2014. Br J Sports Med. 2015; 49: 465-471. doi:10.1136/bjsports-2014-094423

  6. Kerr ZY, Kroshus E, Grant J, Parsons JT, Folger D, Hayden R, Dompier TP. Epidemiology of National Collegiate Athletic Association Men's and Women's Cross-Country Injuries, 2009-2010 Through 2013-2014. J Athl Train. 2016; 51: 57-64. doi:10.4085/1062-6050-51.1.10

  7. Krauss I, Grau S, Maiwald C, Janssen P, Mauch M, Horstmann T. Vermehrte Valgisierung der Beinachse bei gesunden Läuferinnen. Dtsch Z Sportmed. 2009; 60: 359-364

  8. Sutton KM, Bullock JM. Anterior cruciate ligament rupture: differences between males and females. J Am Acad Orthop Surg. 2013; 21: 41-50. doi:10.5435/JAAOS-21-01-41