Seite 2 / 5

Fortsetzung Diabetes Typ 1 und 2 – Zuckersüß und sportlich aktiv

DiSko – zur Bewegung bewegen

Seit 2008 gibt es ein zertifiziertes und abrechenbares Schulungssystem, das Diabetiker zum Sport motivieren soll (DiSko). Denn obwohl die Ergebnisse der Studien so eindrücklich und überzeugend sind, ist die Zielgruppe – häufig übergewichtige Menschen mit wenig sportlichen Ambitionen – nicht so leicht zu begeistern und nachhaltig zur Bewegung zu bewegen. Hier setzt ein von der Stiftung Diabetes & Herz ausgezeichnetes Schulungsprogramm an. Es wurde unter der Leitung von Dr. Wolf-Rüdiger Klare konzipiert und von der gemeinsamen Arbeitsgruppe Diabetes & Sport der Deutschen Diabetes Gesellschaft und des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. entwickelt. Ein gemeinsamer, halbstündiger Spaziergang mit Messung des Blutzuckerspiegels und der Herzfrequenz vor und nach der Aktivität zeigt den Teilnehmern anschaulich die Wirkung von Bewegung (die weit entfernt davon ist, »Sport« zu sein) auf den Blutzuckerspiegel und den Status Quo der körperlichen Leistungs­fähigkeit.

»In einer Studie mit Prof. Halle aus München wurde verglichen, wie sich Patienten ein Jahr nach der Diabetes-Schulung entwickelt hatten. Diejenigen, die zusätzlich zu den üblichen Schulungsinhalten auch das DiSko-Modul mitgemacht hatten, waren nachweislich leistungsfähiger, körperlich aktiver und hatten Gewicht abgenommen«, erklärt Dr. Klare, Chefarzt und Leiter des Diabeteszentrums Hegau-Bodensee.

Eine aktuelle Studie aus Kanada kommt nach einem Untersuchungszeitraum von elf Jahren zu dem Ergebnis, dass die Bewohner von Stadtvierteln, in denen mehr Alltagsbewegung stattfindet (»higher walkability«), eine verminderte Prävalenz von Übergewicht, Adipositas und Diabetes aufweisen. Zwar müssen die Ergebnisse noch untermauert werden, aber die Tendenz scheint den positiven Effekt von Alltagsaktivität zu bestätigen.

Frühzeitige Intervention braucht frühzeitige Erkennung

Der körperlichen Aktivität kommt jedoch nicht nur therapeutisch eine wichtige Bedeutung zu. Präventiv kann durch so genannte Lebensstil-Interventionen – vor allem eine langfristige Umstellung der Ernährung und regelmäßige Bewegung – die Entstehung eines Diabetes um viele Jahre verzögert oder sogar ganz vermieden werden. Grundsätzlich sollte sich natürlich jeder Mensch ausreichend bewegen, doch bei entsprechender genetischer Veranlagung und/oder Übergewicht/Adipositas sowie verminderter Glukosetoleranz kann eine rechtzeitig etablierte Änderung des Bewegungsverhaltens noch wirksamer sein. Der derzeit gängige Goldstandard zur Feststellung einer IGT als Vorläufer des Diabetes oder frühen Stadien von Typ-2-Diabetes ist der orale Glukosetoleranztest (OGTT). Dieser Test kostet Zeit, ist mit hohem personellem Aufwand verbunden und daher teuer. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)