Studie: Diclofenac erhöht das kardiovaskuläre Risiko

Studie: Diclofenac erhöht das kardiovaskuläre Risiko
© Zerbor / Adobe Stock

Seine schmerzstillenden und anti-entzündlichen Wirkungen machen Diclofenac bei Sportverletzungen in vielen Fällen zum Mittel der Wahl. Während Diclofenac-Salbe vermutlich in jedem Arzneischrank zu finden und in der äußerlichen Anwendung sicher ist, birgt die längere Einnahme aber durchaus Risiken – vor allem für das kardiovaskuläre System.

Die Fachinformation zum Medikament bleibt mit der Formulierung „möglicherweise geringfügig erhöhtes Risiko von atherothrombotischen Ereignissen“ eher vage. Eine dänische Kohortenanalyse hat sich nun der Quantifizierung dieser Aussage angenommen. Das Team verglich die entsprechenden Auswirkungen von Diclofenac gegenüber anderen nichtsteroidalen NSAR sowie Paracetamol.

Zu diesem Zweck werteten die Wissenschaftler 252 landesweite Kohortenstudien aus den Jahren 1996 bis 2016 aus. Insgesamt flossen mehr als 6,3 Millionen Registerdaten von entsprechenden ansonsten gesunden Medikamentennutzern in den Vergleich ein. Knapp 1,4 Millionen davon hatten Diclofenac angewendet, der Rest teilte sich in Ibuprofen-, Naproxen- und Paracetamol-Nutzer auf. Weitere 1,3 Millionen waren ohne entsprechende Behandlung geblieben und dienten somit als Kontrollgruppe. Gesucht wurde neben gastronintestinalen Beschwerden vor allem nach schweren kardiovaskulären Komplikationen innerhalb eines Monats der Einnahme.

Signifikant erhöhtes Risiko schon nach 30 Tagen

Die Vergleichsdaten ergaben ein alarmierendes Bild: Bereits nach 30 Tagen lag die Gefahr der Diclofenac-Nutzer, z. B. einen Herzinfarkt oder Insult zu erleiden, um 50 Prozent höher als ohne Therapie. Im Vergleich zu Paracetamol oder Ibuprofen war dasselbe Risiko immerhin noch um 20 Prozent höher, verglichen mit Naproxen um 30 Prozent. Wie groß die eingenommene Diclofenac-Dosis war, spielte dabei überraschenderweise kaum eine Rolle.

Hochrisikogruppen besonders gefährdet

Laut Analyse traf das höchste relative KHK-Risiko zwar die Diclofenac-Nutzer mit einem geringen bis mittleren Ausgangsrisiko. Doch der stärkste absolute Risikoanstieg war – wenig überraschend – bei Hochrisikopatienten gegeben, also Nutzern, die bereits einen Herzinfarkt oder ähnliches in der Akte hatten: Im Vergleich mit Ibuprofen etwa erlitten unter 1000 Diclofenac-Anwendern ganze 16 zusätzliche KHK-Ereignisse, im Vergleich mit der Kontrollgruppe sogar 39.

Fazit: Bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko, aber auch bei gesunden Individuen sollte die orale Verordnung von Diclofenac mit großer Umsicht erfolgen, insbesondere die Länge der Verordnung sollte hinterfragt und therapeutische Alternativen eingesetzt werden. Wahrscheinlich, obwohl nicht Gegenstand dieser Studie, gelten diese oder ähnliche Risiken für alle NSAIDs, es ist also ein Klasseneffekt.

■ Kura L

Quellen:

  1. Schmidt M, Sørensen HT, Pedersen L. Diclofenac use and cardiovascular risks: series of nationwide cohort studies. BMJ 2018; 362: k3426 doi:10.1136/bjsports-2018-099943