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Negative Auswirkungen von Sport und Doping auf die männliche Sexualfunktion

Negative Auswirkungen von Sport und Doping auf die männliche Sexualfunktion
© SasinParaksa / Adobe Stock

Italienische Forscher haben in einem Review (1) die Erkenntnisse zum Einfluss von körperlicher Aktivität auf die Sexualfunktion männlicher Sportler zusammengetragen. Daneben haben sie die Auswirkungen von Doping analysiert, da es sowohl im Breiten- als auch im Leistungssport weit verbreitet ist. Im Fokus der Analyse standen Hormonhaushalt, Libido, Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen und Fertilitätsparameter der Spermien wie DNA-Integrität, Mobilität und Konzentration.

Sport kann Sexualfunktion verbessern und verschlechtern

Während eine Veränderung des Lebensstils hin zu mehr Sport einen Grundpfeiler der Prävention und Therapie einiger Sexualfunktionsstörungen beim Mann darstellt, kann exzessiver Sport die gegenteilige Wirkung haben. Um diese scheinbar widersprüchlichen Beobachtungen zu erklären, haben die Wissenschaftler verschiedene pathophysiologische Modelle zusammengetragen. Folgende Faktoren können sich ungünstig auf die Sexual­funktion auswirken:

• Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse: Die Hypothalamus-Hypo­physen-Gonaden Achse steuert Menge und Zeitpunkt der Freisetzung von Testosteron. Schlechte Trainingsplanung sowie viel Ausdauersport gehen mit geringeren Serumspiegeln von Testosteron einher. Auch bei durch körperliche Aktivität induziertem Hypogonadismus (v. a. bei älteren Männern) können die Hoden weniger Testosteron freisetzen.

• Sauerstoffkonzentration und Temperatur im Hoden: Die Fertilität der Spermien hängt maßgeblich von idealen Differenzierungsbedingungen ab. Es gibt Hinweise, dass durch körperliche Aktivität eine Minderversorgung mit Sauerstoff entstehen kann. Außerdem steigt mit erhöhter Temperatur im Hodensack das Risiko für Infertilität.

• Mechanische Belastungen: Beim Sport kann die Genitalregion mechanisch belastet werden. Dies führt beispielsweise zu einer Kompression des N. pudendus oder einer chronischen Prostatitis (beides z. B. durch Radfahren). Auch scheint der erhöhte intraabdominelle Druck bei Sportlern das Risiko, an einer Vari­kozele (Hodenkrampf­ader) zu erkranken, zu steigern.

• Traumata: Einige traumatische Ereignisse, die die Sexualfunktion einschränken können, treten beim Sportler häufiger auf: Mehr als die Hälfte der Hodenverletzungen entstehen während körperlicher Aktivität. Auch andere Beckentraumata sowie Verletzungen des Rückenmarks sind von Bedeutung. Doch auch Schädel-Hirn-Traumen (z. B. beim Football oder Kickboxen) sind relevant. Sie können über eine Beeinträchtigung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse zu verminderter Testosteronausschüttung führen. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)