Nach Rotatorenmanschetten-Operation: Bringt eine Armschlinge Vorteile?

Nach Rotatorenmanschetten-Operation: Bringt eine Armschlinge Vorteile?
© Andrea Danti / Adobe Stock

Immer wieder wird diskutiert, inwiefern Immobilisierung nach Operationen Vorteile bringt oder nicht. Im Falle einer Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion ist das besonders interessant, nicht allein weil die Ruhigstellung des gesamten Arms über vier bis sechs Wochen (so die Empfehlung) in einer eng am Körper anliegenden Armschlinge große Bewegungseinschränkungen mit sich bringt. Wichtiger ist die Frage, ob die operierte Supraspinatussehne nicht doch schneller und vollständiger heilt, wenn sie schon rasch nach dem Eingriff wieder „in Bewegung“ kommt. Eine randomisierte, prospektive Studie von Schweizer Medizinern ist dieser Fragestellung nun nachgegangen. (1)

Sechs Monate Beobachtungszeit

Die Studienautoren hatten 80 Patienten inkludiert, die allesamt nach einem vollständigen Abriss der Supraspinatussehne (>3cm nach DeOrio und Cofield) per Arthroskopie operiert worden waren. Eine Hälfte der Gruppe wurde direkt nach der OP für vier Wochen per Schlinge immobilisiert, die andere behielt den Arm frei, zunächst jedoch ohne ihn selbsttätig heben zu dürfen. Eine passive Mobilisation erfolgte bei allen Patienten gleichermaßen, Kraftübungen kamen erst nach drei Monaten dazu.

Die Beobachtungsdauer erstreckte sich über sechs Monate; klinisch evaluiert wurde postoperativ per Funktionstest und Ultraschall jeweils nach 10 Tagen sowie nach eineinhalb, drei und sechs Monaten. Dabei waren die Tests darauf ausgelegt, auch eventuelle Zusammenhänge mit Alter, Geschlecht, Armdominanz, präoperativen Zuständen und Details der im Einzelnen angewandten Operationstechnik zu ermitteln.

Nach drei Monaten zeigten sich lediglich im ASES-Score (nach Richtlinie der American Shoulder and Elbow Surgeons) keine Funktionsunterschiede. In allen anderen Tests schnitt die schlingenlose Gruppe bereits signifikant besser ab, vor allem was die Innenrotation sowie die erreichbaren Winkel in der aktiven Elevation betraf.

Weitere drei Monate später waren die Fortschritte in der nicht immobilisierten Gruppe noch markanter – auch hinsichtlich Schmerzfreiheit auf der 10 Punkte umfassenden VA-Skala. Nur bei einem der Teilnehmer (schlingenlose Gruppe) heilte die Sehne innerhalb der Beobachungszeit nicht vollständig.

Übertragung auf Langzeitergebnisse

Um die Behandlungsempfehlungen offiziell anzupassen, war der Umfang der Studie noch zu gering. Auch Aussagen über das Risiko etwaiger Rerupturen können daraus noch nicht abgeleitet werden. Wenngleich die Ergebnisse vielversprechend sind, müssen doch noch weitere Studien größeren Umfangs folgen.

■ Kura L

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Quellen:

  1. Tirefort J, Schwitzguebel AJ, Collin P, Nowak A, Plomb-Holmes C, Lädermann A. Postoperative Mobilization After Superior Rotator Cuff Repair: Sling Versus No Sling: A Randomized Prospective Study. J Bone Joint Surg Am. 2019; 101: 494-503. doi:10.2106/JBJS.18.00773