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Fortsetzung Mit Bewegung gegen Typ-2-Diabetes-mellitus – Biomedizinische Forschung und Sporttherapie 2.0

Neuer im Fokus der Forschung steht z. B. das Mikrobiom. Kürzlich wurde gezeigt, dass sport-induzierte Veränderungen in der Darmflora stark mit Veränderungen der Glukosehomöostase und der Insulinsensitivität bei Menschen mit Prä-Diabetes korrelieren (12). Hier scheint es eine (indirekte) Verbindung zwischen Darm(bewohnern) und dem Muskel zu geben. Epigenetische Veränderungen, durch welche die Genregulation durch Training beeinflusst werden kann, sind ebenso ein spannendes Forschungsfeld und deren Komplexität wird zunehmend deutlich.

Besonders interessante Puzzleteile sind auch die sogenannten microRNAs, welche die Genexpression post-transkriptional vermitteln. Es sind bereits einige microRNAs identifiziert, welche bei Diabetes-PatientInnen dysreguliert sind und von denen einige offenbar durch Training wieder zurückreguliert werden können (8, 15). Besonders an den miRNAs ist, dass sie an einem Crosstalk zwischen Organen beteiligt sein können und z. B. von einer Zelle über das Blut mit Hilfe von Vesikeln zu fernen Organen transportiert werden (6).

„Omics“-Forschung als Schlüssel für personalisierte Therapie

Die Nutzung neuer Analysetechniken aus den Bereichen der Metabolomik, Genomik, Epigenomik, Transkriptomik, Proteomik und Mikrobiomik erlauben durch einen hohen Grad an Automatisierung die Generierung immer größerer Datenmengen. Insbesondere die Zugänglichkeit von Datensätzen, die eine weiterführende Analyse durch die Scientific Community erlaubt, sollte postuliert werden. Die Herausforderung besteht vor allem darin, relevante Aspekte herauszufiltern. Die „Omics“-Forschung kann zukünftig sicherlich auch weitere Aufklärung über interindividuelle Reaktionen auf sportliche Belastungen liefern und beitragen zu erklären, warum manche Diabetes-PatientInnen in bestimmten Bereichen (glykämische Kontrolle, kardiovaskuläre Fitness etc.) mehr oder weniger auf bestimmte Belastungsreize/Trainingsprogramme reagieren (16), was auch der Schlüssel zu einer immer personalisierteren Sporttherapie sein kann.

Wirksamkeitsnachweis durch moderne CGM-Sensortechnologie

Neue Erkenntnisse zu Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen lassen sich auch mit Hilfe neuerer Sensortechnologien gewinnen. Über Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM-Systeme), die den Zucker minimal-invasiv in der Interstitialflüssigkeit im Unterhautfettgewebe messen, ergeben sich neue Variablen zur Beurteilung der Wirksamkeit von sportlicher Aktivität auf das Glukoseprofil, z. B. die „Time in/out of range“, oder nur „Zeit bei Hyperglykämie“ oder „Mittlerer durch Sensor aufgezeichneter Glukosewert“ (5). Bei Interventionen können hier bereits frühzeitig Veränderungen erfasst werden, die sich z. B. im Langzeitblutzuckerwert HbA1c, Surrogatparameter für die Beurteilung der glykämischen Kontrolle, oft noch nicht so schnell so klar abzeichnen. (Weiter im Text mit Seite 3 von 3)