Knie- und Femur-CT bieten Zweitnutzen zur Osteoporose-Voraussage
Wenn im Alter (oder bei Frauen hormonbedingt mit Beginn der Menopause) die Knochendichte abnimmt, steigt bereits bei kleinen Traumen das Risiko für Knochenbrüche. Solche osteoporotischen Frakturen zählen zu den folgenschwersten Komplikationen des altersassoziierten Knochenmineralverlusts. Besonders Oberschenkelhals- und Hüftfrakturen heilen nicht nur schlechter als bei jüngeren Personen, sondern führen durch die teils lange Immobilisierung und starke Schmerzen zu fataler Bewegungsvermeidung mit allen kardiovaskulären Nachteilen – und damit signifikant erhöhter Mortalität. Bisher wird die Knochendichte bei vermuteter Osteopenie oder Osteoporose mittels DEXA oder CTXA bestimmt, wobei der in einen sogenannten T-Score überführte Knochenmineralgehalt ausschlaggebend ist: T-Scores zwischen −1,5 und −2,5 sprechen per definitionem für eine Osteopenie, unter −2,5 liegt eine manifeste Osteoporose mit u. a. erhöhtem Hüftfrakturrisiko vor.
Nicht nur weil beide Untersuchungsmethoden mit hoher Strahlenbelastung einhergehen, bleibt ein erheblicher Anteil von Risikopatienten unerkannt und entsprechend unbehandelt. Ein deutsch-österreichisches Forschungsteam hat sich nun im Rahmen einer retrospektiven Studie die Frage gestellt, ob sich auch aus anderen medizinischen Gründen bereits vorliegende Bilddaten zur Ermittlung individueller osteologischer Risiken eignen – ohne weitere strahlenintensive Bildgebung (1). Insbesondere die trabekuläre Dichtemessung im proximalen Femur via CT, gemessen in Hounsfield-(HU)-Einheiten, könnte hier laut den Forschern wertvolle Erkenntnisse liefern. Geprüft wurde deshalb, ob sich auch anhand dieser aus jeder CT-Aufnahme extrahierbaren Werte valide Aussagen zu Knochendichte und Hüftfrakturrisiko treffen lassen. Analysiert wurden dafür CTXA-Aufnahmen der Beckenregion von 370 Patienten (53 Männer, 317 Frauen, medianes Alter 69,4 Jahre). Es zeigte sich, dass der per CTXA ermittelte etablierte Osteoporose-Grenzwert von –2,5 zuverlässig einem HU-Wert von 96 im proximalen Femur und von 245,54 im Caput femoris entspricht, wobei die HU-Messung im proximalen Femur eine etwas höhere Vorhersagekraft hatte. Damit lässt sich sagen: CTXA stellt die Diagnose direkt via Knochenmineralgehalt und T-Score, während umgekehrt die HU-Werte jeweils hochsignifikant mit Knochendichte und T-Scores korrelierten. Das Hüftfrakturrisiko ließ sich auf ähnliche Weise abbilden, denn Patienten mit Fraktur wiesen durchgehend signifikant niedrigere HU-Werte auf.
Fazit: Liegen für Patienten mit vermuteter Osteopenie bzw. Osteoporose bereits CT-Aufnahmen der Beckenregion vor, können auch diese bei entsprechender Qualität zuverlässig zur Bestimmung von Knochendichte und Hüftfrakturrisiko mittels HU-Werten herangezogen werden.
■ Kura L
Quellen:
Andresen JR, Haider T, Andresen R. Trabecular bone density measurement in Hounsfield units in the proximal femur for osteoporosis assessment and fracture risk determination. Orthopädie (Heidelb). 2026; 55: 118-131. doi:10.1007/s00132-025-04726-4