Evidence-Map zeigt Lücken in der WB-EMS-Forschung für den Sport
Ganzkörper-Elektromyostimulation (WB-EMS) ist eine zeitsparende, gelenkschonende und anpassbare Trainingsmethode, die alle großen Muskelgruppen simultan stimuliert, ohne hohe mechanische Belastung. Die im Fitness- und Gesundheitsbereich weit verbreitete Methode wird auch von semiprofessionellen und Profi-Sportlern angewendet, um die Leistung zu steigern, Verletzungen vorzubeugen oder die Erholung zu beschleunigen. Allerdings ist die Forschungslage zur Evidenz dieser Trainingsmaßnahmen in dem Bereich hinsichtlich Design, Leistungsstufe, Sportart, WB-EMS-Protokoll, Kontrollgruppen und Endpunkten sehr heterogen. Um hier ein Stück Klarheit zu schaffen, hat ein Team aus Deutschland und Großbritannien nun auf Basis einer systematischen Literaturübersicht eine „Evidence-Map“ zum Potenzial der WB-EMS im Sport erarbeitet (1). Ziel war es, eine umfassende Übersicht über die Outcomes von WB-EMS zu erstellen, Wissenslücken zu identifizieren und zukünftige Forschung zu leiten.
Eingeschlossen in die Untersuchung wurden Studien, die sich mit drei Personengruppen befassten: Freizeitsportler mit mindestens zwei Trainingseinheiten pro Woche seit mindestens zwei Jahren sowie ambitionierte, fortgeschrittene Sportler und semiprofessionelle bzw. professionelle Sportler. Insgesamt wurden 39 Studien ausgewertet.
Ergebnisse: 31 Studien befassten sich mit leistungsbezogenen Ergebnissen wie Kraft insgesamt, Sprungkraft, Sprint, Beweglichkeit, Ausdauer und/oder Gleichgewicht. Fünf Studien berichteten über sportspezifische Leistungsergebnisse (z. B. die Wurfgeschwindigkeit). 14 Studien widmeten sich gesundheits- und sicherheitsbezogenen Aspekten, acht Studien anthropometrischen Eigenschaften, nur vier der Regeneration. In den meisten Arbeiten wurden die Teilnehmer als „Allrounder“ erfasst; nur sechs Studien befassten sich mit den Effekten von WB-EMS auf semiprofessionelle und professionelle Sportler. Sportartspezifische Studien behandelten Fußball (n = 7), Softball, Golf und Laufsport (jeweils n = 2) sowie Widerstandstraining, Basketball und Hockey (je n = 1).
Jene Studien, die semiprofessionelle und professionelle Ballsportler einschlossen, zeigten geringfügige, aber nicht signifikante Vorteile infolge des WB-EMS-Trainings – etwa in Bezug auf Sprint- und Sprungleistung, die maximale Kraft eines Beins an der Beinpresse und die Bindegewebsmuskulatur, maximale Kraft der Bindegewebsmuskulatur sowie Winkelgeschwindigkeit des Gelenks. Nur bei einer Gruppe von Fußballern fand sich eine geringe, aber signifikante Zunahme des Durchmessers der Typ-II-Muskelfasern.
Fazit: Die erste Evidence-Map zu WB-EMS bei Sportlern ergänzt frühere Arbeiten zu Nicht-Sportlern. Abgesehen von Ergebnissen zur Verletzungsprävention oder sportspezifischen Beschwerden bestehen in der WB-EMS-Forschung Wissenslücken insbesondere hinsichtlich der akuten Effekte von WB-EMS auf die (Muskel-)Regeneration. Halbprofis und Profis wurden selten untersucht, und wenn doch, dann hauptsächlich Kohorten aus Mannschaftssportarten. Keine Studie konzentrierte sich auf Eliteathleten in Kraft-, Ausdauer- oder Präzisionssportarten. Eine weitere Evidenzlücke betrifft Flexibilität und Gleichgewicht als Studienergebnisse. Aufgrund der wachsenden Verbreitung und Beliebtheit von WB-EMS ist jedoch mit weiteren Analysen zu unterschiedlichen Parametern, Sportarten und Leistungslevels zu rechnen, was zeitnahe Updates der Evidenz-Landkarte möglich machen kann.
■ Plaum P
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Quellen:
Reinhardt S, Berger J, Kohl M, von Stengel S, Uder M, Kemmler W. Outcomes Addressed by Whole-Body Electromyostimulation Trials in Sportspeople and Athletes-An Evidence Map Summarizing and Categorizing Current Findings. Sports (Basel). 2025 Sep 2;13(9):302. doi: 10.3390/sports13090302