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Fortsetzung eSport – eine gesellschaftspolitische Herausforderung

eSport gefährdet die gesellschaftliche Legitimation des Sports

Bei einer Anerkennung des eSports als Sport bestünde zudem die Gefahr, dass der Sport einen gesellschaftlichen Legitimationsverlust erleidet. Computerspiele werden häufig mit Gewalt, Sexismus, Spielsucht, Übergewicht, Bewegungsarmut sowie motorischen Defiziten von Kindern und Jugendlichen in Verbindung gebracht, und diese Negativkommunikation schadet dem Image eines gesundheitsförderlichen und pädagogisch wertvollen Sports. Umgekehrt ist für eSport-Organisationen eine Aufnahme in den organisierten Sport vor allem deshalb erstrebenswert, weil man dadurch nicht nur die Möglichkeit erhalten würde, an der öffentlichen Sportförderung zu partizipieren, sondern man würde auch einen deutlichen Legitimations- und Imagegewinn erzielen. In Zeiten, in denen wissenschaftliche Studien ein ums andere Mal Bewegungsmangel und motorische Defizite als wesentliche Probleme der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen markieren, wäre es im Hinblick auf die gesellschaftliche Legitimation des Sports geradezu fahrlässig, über eine Aufnahme von Computerspielen, die auf die Bewegung der Finger beschränkt sind und die die allgemeine Bewegungsarmut durch das Sitzen vor den Bildschirmen noch fördern, überhaupt nachzudenken.

Hinzu kommen pädagogische Legitimationsprobleme, die vor allem daraus resultieren, dass diejenigen Computerspiele, die die Wettkampfszene im eSport dominieren, die kommerziell am erfolgreichsten sind und die meisten Spieler und Zuschauer anziehen, diejenigen Spiele sind, in denen es um Töten, Zerstören und Erobern geht, also um Sinn-Kontexte, die mit Sport nichts – aber auch gar nichts! – zu tun haben und die sich mit seinen ethischen Werten nicht vereinbaren lassen.

Gesellschaftspolitische Konsequenzen

Nahezu alle Bereiche der modernen Gesellschaft – allen voran Wirtschaft, Massenmedien, Politik, Wissenschaft, Erziehung, Militär, Medizin und Gesundheit – sehen sich durch die fortschreitende Digitalisierung mit tiefgreifenden Veränderungsprozessen konfrontiert, die es im Sinne des Erhalts von Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit erfolgreich zu gestalten gilt. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass Digitalisierungsprozesse jedoch nicht in allen Gesellschaftsbereichen als Bedingung der Möglichkeit der Systemerhaltung und Zukunftssicherung anzusehen sind. Wenn aktuell Vertreter aus Politik, Medien und Wirtschaft, die inzwischen eine mächtige eSport-Lobby bilden, dem organisierten Sport vorwerfen, dass er „verkrustet“, „altmodisch“ und „traditionalistisch“ sei, weil er sich gegenüber dem digitalen eSport nicht öffne, dass er „eine große Chance verpasse“ oder gar in Zukunft „die Jugend der Welt nicht mehr erreichen könne“, dann kann man nur entgegnen, dass diese Stimmen nicht sehen oder nicht sehen wollen, welche Funktion der Sport eigentlich für die Gesellschaft hat und was seine enorme Inklusionsfähigkeit und Erfolgsgeschichte als größte Freiwilligenvereinigung in diesem Land begründet.

Die Faszination des Sports liegt doch gerade darin, dass man hier mithilfe des Körpers noch Unmittelbarkeit und Authentizität erfahren kann, was in anderen Gesellschaftsbereichen eben zunehmend verdrängt wird (1). Je weiter die Digitalisierung in der Gesellschaft fortschreitet und Prozesse der „Körperverdrängung“ beschleunigt, desto bedeutsamer werden Gesellschaftsbereiche, die noch unmittelbare und authentische Körpererfahrungen ermöglichen, und die die Gesellschaft dringend benötigt, um die Folgen der Digitalisierung abzupuffern, denn der Mensch ist und bleibt ein analoges Wesen! In diesem Sinne wäre es bezogen auf die Bestandssicherung des Sports und den Erhalt seiner gesellschaftlichen Bedeutsamkeit geradezu kontraproduktiv, durch die Integration von eSport eine „Digitalisierung des Sporttreibens“ zu fördern. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)